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Weniger könnte mehr bedeuten
von Daniel von Bernstorff | 21.01.2010

Eine Messe ist erfolgreich und gut, wenn die Aussteller zufrieden sind und viele Aufträge schreiben. Diese Binsenweisheit gerät zuweilen angesichts zahlreicher neuer und möglichst spektakulärer Events auf dem Designmarkt aus dem Blickfeld. Doch in der Wirtschaftskrise scheinen wieder traditionelle Wertmaßstäbe zu gelten. Und nach diesen sieht es - so die Einschätzung vieler Aussteller und Beobachter auf der Heimtextil - gar nicht so schlecht aus.

„Dies war der beste erste Messetag seit vielen Jahren", beschreibt es etwa Remo Röntgen vom Textilverlag Nya Nordiska, einer der wenigen High End Hersteller im Textilbereich, die der Heimtextil treu geblieben sind. Der Berliner Stararchitekt Jürgen Mayer H. hat seinen für die Pariser Maison & Objet gestalteten Stand für Nya Nordiska (Stylepark berichtete) für die Heimtextil überarbeitet und einen architektonisch reizvollen und bewegten Ausstellungsraum geschaffen. In Paris wird Nya Nordika wie fast alle anderen wichtigen Textilverlage in diesem Jahr übrigens nicht mehr auf der Messe ausstellen (nachdem das Ausstellungszelt im letzten Jahr durch einen Sturm für zwei Messetage geschlossen werden musste - Stylepark berichtete), sondern im Rahmen eines Showroom-Parcours in der Innenstadt. Ein empfindlicher Schlag für die Pariser Messe, von dem mittelfristig auch die Heimtextil profitieren dürfte.

Weiterer Höhepunkt in der Halle 3 ist der Auftritt der österreichischen Firma Backhausen, die unter dem Motto Tradition und Moderne Klassiker ihrer Kollektion der Wiener Werkstätten mit modernen Entwürfen kombiniert. Dennoch fällt ins Auge, das gerade die prestigeträchtige Halle 3 Aussteller und Qualität verloren hat. Wo sich noch vor einigen Jahren die Protagonisten der Szene tummelten, müssen nun große Flächen durch Sonderausstellungen bespielt werden. Doch gibt es derzeit kaum Messen, die mit solchen Problemen nicht zu kämpfen hätten. Umso wichtiger, diesen Tendenzen konstruktiv zu begegnen und das tut die Messe Frankfurt mit einer Vielzahl an Wettbewerben, Ausstellungen und Symposien.

In der Halle 5 präsentieren sich die Tapeten und hier setzt wie so oft die Marburger Tapetenfabrik den gewichtigsten Akzent. Die omnipräsente Zaha Hadid konnte für eine neue Tapetenkollektion gewonnen werden und als apartes Gegenstück wirken die Arbeiten des österreichischen Künstlers Thomas Zeitlberger. Auch Luigi Colani ist wieder am Start - über das Ergebnis darf gestritten werden. Dennoch - Marburger trotzt wie Nya Nordiska mutig und leidenschaftlich der Krise und das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Gelungene Auftritte haben in der Halle 5 ebenfalls die Firmen Arte und architects paper.

Insgesamt ist die Stimmung konzentriert und vorsichtig positiv - in diesen Zeiten der richtige Mix.

www.heimtextil.messefrankfurt.com

Nya Nordiska, Messestand entworfen von Jürgen Mayer H.
Nya Nordiska, Messestand entworfen von Jürgen Mayer H.
Nya Nordiska, Messestand entworfen von Jürgen Mayer H.
Wiener Musterzimmer Stocker; Ausstellung in Zusammenarbeit mit Backhausen © Eva Würdinger
Wiener Musterzimmer; Ausstellung in Zusammenarbeit mit Backhausen © Eva Würdinger
Zaha Hadid für Marburger Tapetenfabrik
Zaha Hadid für Marburger Tapetenfabrik
Zaha Hadid für Marburger Tapetenfabrik
Zaha Hadid für Marburger Tapetenfabrik
Wiener Musterzimmer Stocker; Ausstellung in Zusammenarbeit mit Backhausen © Eva Würdinger

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