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Diese Stadt ist blind, taub und dumm
von Carlos Gershenson | 18. August 2014
Das soziale Netzwerk Foursquare bietet Landkarten von allen Orten, die Nutzer besuchen. Die GPS-Punkte auf der Foursquare-Karte zeigen deutlich die fehlenden Verkehrsziele zwischen Santa Fe im Westen und dem Rest von Mexico City im Osten. Abbildung © Audi Urban Future Initiative
Eine Stadt ist wie ein lebendiger Organismus mit ständig wechselnden Bedürfnissen. Sie braucht Sensoren (Augen, Ohren, Nase, Haut), Kontrollzentren (Gehirn) und einen Antrieb (Hände und Füße). Die Hände und Füße der Stadt sind Fahrzeuge, und davon gibt es in Mexico City reichlich. Aber es fehlen Augen, Ohren und Gehirn - die Stadt ist blind, taub und dumm! Mexico City funktioniert wie eine starre Maschine, nicht wie ein lebender Organismus.

Mexico City ist Welthauptstadt des Dauerstaus

Die Folge: Mexico City ist Welthauptstadt des Dauerstaus. Millionen Menschen stehen täglich Stoßstange an Stoßstange und brauchen im Durchschnitt mehr als drei Stunden zur Arbeit und zurück. Besonders der junge Business-Distrikt Santa Fe leidet: 200.000 Pendler nutzen täglich den einzigen Zufahrtsweg, um zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Deshalb fragen wir uns: Wie können wir der Stadt Augen, Ohren und Gehirn geben, damit der Verkehr wieder fließt? Moderne Technologie bietet längst die nötigen Werkzeuge, fast jeder trägt sie in der Hosentasche: Smartphones. Mit den gesammelten Daten, die wir mit unseren Handys hinterlassen – zum Beispiel in sozialen Netzwerken – können wir den Dauerstau in Zukunft auflösen.

Foursquare verändert den Blick auf die Stadt

Das soziale Netzwerk Foursquare bietet Landkarten von allen Orten, die Nutzer besuchen. Die GPS-Punkte auf der Foursquare-Karte zeigen deutlich die fehlenden Verkehrsziele zwischen Santa Fe im Westen und dem Rest von Mexico City im Osten. Es gibt keine Restaurants, Fitnessstudios, Kinos, Einkaufszentren oder Supermärkte, an denen die Menschen haltmachen. Der Paseo de la Reforma hat effektiv viele Auffahrten, aber nur eine Ausfahrt – der Stau ist so nur logische Konsequenz.
Gleichzeitig sehen wir auch eine soziale Lücke: In den dunklen Bereichen wohnen momentan vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen. Die Pendler aus Santa Fe fahren täglich an den Armenvierteln vorbei nach Hause. Das „Auge“ Foursquare zeigt: Wenn wir hier Wohnviertel schaffen damit, die Menschen dichter an ihrem Arbeitsplatz wohnen können, wird der Verkehr deutlich entlastet.

Twitter gibt die Richtung an

Auch bei Twitter werden wir schnell fündig. Ortsgebundene Posts bei Twitter zeigen, dass die meisten twitternden Verkehrsteilnehmer auf dem Paseo de la Reforma in den Südosten von Mexico City fahren. Hier können wir ansetzen und diese Menschen miteinander vernetzen, damit sie sich zum Beispiel zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen und so den Verkehr entlasten.
Wir wollen mit Daten Verkehrsprobleme lösen. Dabei setzen wir auf eine Zusammenarbeit mit dem Staat, den Firmen und Universitäten in Santa Fe und den Pendlern selbst. Durch die Kombination älterer Statistiken mit den neuen Echtzeit-Daten werden kurzfristige Vorhersagen möglich. Mit neuen Augen, Ohren, Herz und Hirn kann die Stadt in Zukunft auf Probleme so schnell reagieren wie ein lebendiger Organismus auf Gefahren. Eine solche Lösung könnte Vorbild für viele Metropolen in Entwicklungs- und Schwellenländern in Lateinamerika, Asien oder Afrika sein
Team Mexiko sammelt mittels Twitter-Aktivitäten erste Hinweise über das Mobilitätsverhalten und die Bewegungsrichtungen der Pendler. Abbildung © Audi Urban Future Initiative
News & Stories › 2014 › August
Diese Stadt ist blind, taub und dumm
von Carlos Gershenson | 18. August 2014
Team Mexiko Stadt: Betrachtet man Mexiko Stadt als Organismus, benötigt die Metropole in Zukunft Augen, Ohren und Gehirn.
Eine Stadt ist wie ein lebendiger Organismus mit ständig wechselnden Bedürfnissen. Sie braucht Sensoren (Augen, Ohren, Nase, Haut), Kontrollzentren (Gehirn) und einen Antrieb (Hände und Füße). Die Hände und Füße der Stadt sind Fahrzeuge, und davon gibt es in Mexico City reichlich. Aber es fehlen Augen, Ohren und Gehirn - die Stadt ist blind, taub und dumm! Mexico City funktioniert wie eine starre Maschine, nicht wie ein lebender Organismus.

Mexico City ist Welthauptstadt des Dauerstaus

Die Folge: Mexico City ist Welthauptstadt des Dauerstaus. Millionen Menschen stehen täglich Stoßstange an Stoßstange und brauchen im Durchschnitt mehr als drei Stunden zur Arbeit und zurück. Besonders der junge Business-Distrikt Santa Fe leidet: 200.000 Pendler nutzen täglich den einzigen Zufahrtsweg, um zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Deshalb fragen wir uns: Wie können wir der Stadt Augen, Ohren und Gehirn geben, damit der Verkehr wieder fließt? Moderne Technologie bietet längst die nötigen Werkzeuge, fast jeder trägt sie in der Hosentasche: Smartphones. Mit den gesammelten Daten, die wir mit unseren Handys hinterlassen – zum Beispiel in sozialen Netzwerken – können wir den Dauerstau in Zukunft auflösen.

Foursquare verändert den Blick auf die Stadt

Das soziale Netzwerk Foursquare bietet Landkarten von allen Orten, die Nutzer besuchen. Die GPS-Punkte auf der Foursquare-Karte zeigen deutlich die fehlenden Verkehrsziele zwischen Santa Fe im Westen und dem Rest von Mexico City im Osten. Es gibt keine Restaurants, Fitnessstudios, Kinos, Einkaufszentren oder Supermärkte, an denen die Menschen haltmachen. Der Paseo de la Reforma hat effektiv viele Auffahrten, aber nur eine Ausfahrt – der Stau ist so nur logische Konsequenz.
Gleichzeitig sehen wir auch eine soziale Lücke: In den dunklen Bereichen wohnen momentan vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen. Die Pendler aus Santa Fe fahren täglich an den Armenvierteln vorbei nach Hause. Das „Auge“ Foursquare zeigt: Wenn wir hier Wohnviertel schaffen damit, die Menschen dichter an ihrem Arbeitsplatz wohnen können, wird der Verkehr deutlich entlastet.

Twitter gibt die Richtung an

Auch bei Twitter werden wir schnell fündig. Ortsgebundene Posts bei Twitter zeigen, dass die meisten twitternden Verkehrsteilnehmer auf dem Paseo de la Reforma in den Südosten von Mexico City fahren. Hier können wir ansetzen und diese Menschen miteinander vernetzen, damit sie sich zum Beispiel zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen und so den Verkehr entlasten.
Wir wollen mit Daten Verkehrsprobleme lösen. Dabei setzen wir auf eine Zusammenarbeit mit dem Staat, den Firmen und Universitäten in Santa Fe und den Pendlern selbst. Durch die Kombination älterer Statistiken mit den neuen Echtzeit-Daten werden kurzfristige Vorhersagen möglich. Mit neuen Augen, Ohren, Herz und Hirn kann die Stadt in Zukunft auf Probleme so schnell reagieren wie ein lebendiger Organismus auf Gefahren. Eine solche Lösung könnte Vorbild für viele Metropolen in Entwicklungs- und Schwellenländern in Lateinamerika, Asien oder Afrika sein