top

MOBILITÄT
Die Summe aller Teile

BMW wagt auf der IAA einen Blick in die Zukunft und präsentiert den "BMW i Vision Circular", ein Konzeptfahrzeug, das die Themen Luxus, Elektromobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander verbinden will.
von Alexander Russ | 09.09.2021

Nachhaltigkeit ist das Wort der Stunde. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Klimakrise klopft schon seit geraumer Zeit an die Tür und zwingt auch die Industrie zum Umdenken. Das gilt auch für den Autobauer BMW, der auf der diesjährigen IAA den "BMW i Vision Circular" präsentert, einen rund vier Meter langen und vollelektrisch angetriebenen Viersitzer. Ziel des Fahrzeugs ist es, einen Ausblick auf das Jahr 2040 zu geben und Möglichkeiten für einen nachhaltigen und gleichzeitig luxuriösen BMW auszuloten. Der "BMW i Vision Circular" ist dabei eines von fünf Konzeptfahrzeugen, mit denen die Münchner das Thema urbane Mobilität unter den Gesichtspunkten Elektromobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit bespielen wollen.

Deshalb hat die bayerische Motorenschmiede den "BMW i Vision Circular" nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) gestaltet. Neben biobasierten, zertifizierten Rohstoffen kamen auch Materialien zum Einsatz, die bereits einen Produktlebenszyklus durchlaufen haben. Gleiches gilt für die zugeführte Energie, weshalb die Feststoffbatterie zu 100 Prozent recyclingfähig ist und nahezu vollständig aus Materialien hergestellt wurde, die ebenfalls aus dem Recyclingkreislauf stammen. Damit einher gehen die vier Prinzipien "Re:Think", "Re:Use", Re:Cycle" und "Re:Duce". Letzteres bezieht sich unter anderem auf die Reduktion von Bauteilen, Materialgruppen und Oberflächenveredelungen, mit einem Verzicht auf Außenlacke, Leder und Chrom. Dafür gibt es Reifen aus Naturkautschuk mit Terrazzo-Effekt, einen 3D-gedruckten Lenkradkranz aus biobasierten Materialien und einen Stoßfängerbereich in Marmoroptik aus recyceltem Kunststoff. Statt einer Lackierung wurde der "BMW i Vision Circular" mit einer hellgolden eloxierten Oberfläche aus Sekundär-Aluminium versehen. Die gestalterisch radikalsten Eingriffe sind das eingravierte Markenemblem und die Neuinterpretation der charakteristischen BMW-Niere sowie des Scheinwerfers an der Front, die einem nun in digitalem Glanz entgegenleuchten.

Und so bezieht sich das "Re:Duce" des "BMW i Vision Circular" auch auf sein minimalistisch-futuristisches Design, dessen monolithische Form tatsächlich an das Jahr 2040 und darüber hinaus denken lässt. Das bringt auch eine Minimierung des Volumens mit sich, wobei das Auto trotz seiner kleinen Grundfläche recht geräumig wirkt. Dazu tragen auch die beiden Vordersitze bei, unter denen der Raum frei hindurchfließen kann und die Assoziationen an die Bürosessel einer Vorstandsetage wecken. Zudem sorgt der zurückgezogene Dachspiegel für ein großzügiges Raumgefühl. Die Polsterung der Sitze besteht aus rezykliertem Kunststoff und ist in einen hellgoldenen Rahmen aus Aluminium eingebettet. Beim Farbkonzept sind dann leider Pastelltöne mit einer Mischung aus Mintgrün und Taupe mit Grau- und Violettanteilen sowie Metallakzenten in Goldbronze angesagt, was dem skulptural-futuristischen Äußeren etwas zuwiderläuft.

Beim Thema Digitalisierung weist das Auto eindeutig wieder in die Zukunft: Anstatt der klassischen Instrumententafel gibt es einen 3-D-gedruckten, kristallinen Körper, der auf die Bewegung der Hände reagiert und in einen Anbau aus natürlich behandeltem Holz eingefasst ist. Der untere Bereich der Windschutzscheibe dient als Plattform für die die dazugehörige Informationsfläche, was weitere Displays im Innenraum überflüssig macht. Das reduziert die ansonsten notwendigen Hardwarevarianten und eröffnet gleichzeitig neue Gestaltungsmöglichkeiten. Zuletzt soll der "BMW i Vision Circular" durch die Verwendung von Monomaterialien und den Verzicht auf Verklebungen oder Verbundwerkstoffe auch wieder in seine Einzelteile zerlegbar sein. Die sogenannte "Joyful Fusion" bietet zu diesem Zweck Schnellverschlüsse an Felgen, Sitzen und an der Instrumententafel. Das ist dann tatsächlich auch der radikalste Blick in die Zukunft: ein Auto, dass die Summe aller Teile ist.