top
Emily Erwe bei Brunner

Featured
Im Gespräch mit Emily Erwe

Das Familienunternehmen Brunner entwickelt gemeinsam mit renommierten DesignerInnen hochwertige, langlebige Objektmöbel, die ästhetisch wie funktional überzeugen. Emily Erwe, Sustainability Manager bei Brunner, gibt uns einen Einblick in ihre Arbeit.

Emily Erwe: Unter zirkulärem Design verstehen wir drei Phasen innerhalb eines Kreislaufs, von dem Rohstoff über die Nutzungsphase bis zu deren Ende und der Frage, was danach mit dem Material geschieht.

Sie haben mit renommierten DesignerInnen wie jehs+laub, Stefan Diez, Steffen Kehrle, Ippolito Fleitz oder atelier oï zusammengearbeitet. Können Sie beispielhaft aufzeigen, wie im gemeinsamen Austausch Design entsteht?

Emily Erwe: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Produktentwicklung. Schon bei der Auswahl der Materialien und der Fertigung achten wir darauf, dass Komponenten sortenrein trennbar sind. So entstand beispielsweise unser Bürodrehstuhl "ray work", der in der Farbe lava aus Kunststoff besteht. Unsere Designerinnen und Designer bringen kontinuierlich neue Ideen ein, um Produkte weiterzuentwickeln. Das Ergebnis ist "ray work" – ein Bürostuhl mit modernem Design, hohem Komfort und durchdachtem Materialeinsatz.

In der Produktentwicklung liegt der Fokus also auf einem Design, dass den Materialverbrauch niedrig hält und eine einfache Reparatur sowie spätere sortenreine Trennung ermöglicht. "Funktionalität – Qualität – Form" ist für Brunner ein Dreiklang. Heißt das, die Form folgt funktionalen Anforderungen?

Emily Erwe: Ich würde sogar sagen, dass alle drei Kriterien bei Brunner konsequent betrachtet und gezielt unterstützt werden. Wir stellen viele unserer Möbel größtenteils in Handarbeit her, aus hochwertigen Materialien und robusten Konstruktionen. Eine klare Form ist zudem langlebiger und zeitloser.

Im Allgemeinen orientiert sich Brunner an zentralen Bereichen: Soziales und Ökonomie. Wie definieren Sie die zentralen Handlungsfelder?

Emily Erwe: Die drei Säulen sind ein allgemeines Schaubild, aber ich persönlich finde eine andere Darstellung passender: Eine kreisförmige Grafik, in der die Ökologie als äußersten Kreis alles umfasst. Danach folgt die soziale Ebene und im Kern steht die Ökonomie. Wenn wir die Ökologie unseres Handelns außer Acht lassen, dann ist die Gesellschaft und auch die Wirtschaft beeinträchtigt. Ein Design sollte somit stets durchdacht gestaltet sein. Parallel ist es bedeutend, die ökonomische und soziale Seite mitzudenken. Ein Beispiel dafür ist unsere Lieferkette, die hauptsächlich aus europäischen Lieferanten besteht. Unsere Tischplatten beziehen wir sogar regional, der Lieferant hat seinen Standort nur wenige Kilometer von unserem Hauptsitz in Rheinau-Freistett entfernt. Wir achten auf Partnerschaften, bei denen hohe soziale Standards verankert sind.

Seit 2019 ist Brunner mit dem PEFC-Siegel ausgezeichnet. 2024 wurden erstmalig Profile für einzelne Modelle erstellt. Wie verarbeiten Sie das Wissen weiter, was in diesen Prozessen gesammelt wird?

Emily Erwe: Viele Prozesse laufen über das Nachhaltigkeitsmanagement, um die Daten zentral zu sammeln. Das Thema ist in den letzten Jahren immer größer, komplexer und dynamischer geworden. Das Management des Themas hat somit neben der prüfenden Aufgabe auch eine Funktion als Schnittstelle. In diesem Jahr haben wir eine fokussierte Strategie gestartet, um gezielter aktuelle Maßnahmen verfolgen zu können und weitere aktuelle wie zukünftig relevante Themen zu identifizieren. Beispielsweise wird vermehrt nach alternativen Materialien geforscht und Kunststoffe mit Recyclinganteil eingesetzt. Dadurch entstehen viele Synergien im Unternehmen. Das Wissen über die Prozesse wird somit nicht nur von einer Abteilung geführt, sondern ist in vielen verankert.

Mit der Innovation Factory hat Brunner von Henn Architekten einen modular geplanten Neubau erhalten, der Entwicklung wie Produktion durch Glaswände miteinander verbindet. Auch von außen ist eine Transparenz gegeben. Sprich, Brunner lässt sich in die Karten schauen. Warum ist das so?

Emily Erwe: Transparenz und eine ehrliche Kommunikation ist auf jeden Fall ein großes Thema für Brunner, das ist auch Teil unserer Schulungen. Es ist wichtig zu kommunizieren, was bereits erreicht werden konnte und woran man arbeitet. Daher haben wir unseren Bericht von Anfang an so gestaltet, dass er Transparenz und Offenheit gewährleistet. Wir veröffentlichen viele relevante Daten und präsentieren uns sehr offen. Auch um in den Austausch zu gehen und zu sehen, was die Bedürfnisse am Markt sind und wie wir darauf reagieren können.

Die Möbel von Brunner sollen Grenzen verschieben und neu definieren. Welche Grenzen haben Sie im Design in den letzten Jahren neu definiert?

Emily Erwe: Ursprünglich stammt dieser Satz aus den Anfängen des Unternehmens, da wir seit der Gründung stark auf Qualität, Individualität und Innovation achten. Grenzen neu zu definieren, meint in dem Sinne die Möglichkeit schnell und flexibel auf Kundenwünsche und wachsende Marktanforderungen reagieren zu können sowie auch mit neuen Ideen voranzugehen. Das bezieht sich auf alle Prozesse wie Maßnahmen im Unternehmen und damit auch auf das kontinuierliche Ausloten unserer Möglichkeiten für das Produktportfolio.

Was ist ein nächster Schritt im zirkulärem Design, den sie gerne erreichen würden?

Emily Erwe: Unser Ansatz umfasst viele Aspekte, an denen wir kontinuierlich arbeiten – sei es bei der Auswahl der Materialien oder in der Nutzungsphase unserer Produkte. In diesem Jahr sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben unseren Service erweitert. Mit Brunner ReNew bieten wir die Rücknahme von Möbeln an. So werden sie zurückgenommen und aufbereitet. Dadurch lassen sich Abfälle deutlich reduzieren und gleichzeitig bleibt die hohe Qualität unserer Produkte erhalten.

Schaubild Produktdesign

Produkte