NACHHALTIGKEIT
Kühl bleiben
Die Klimakrise ist längst in den Städten angekommen – Hitzewellen, Trockenperioden, Wasserknappheit und immer häufiger auftretende Starkregenereignisse verändern den urbanen Alltag spürbar. Was tun? Das KuratorInnenteam Katharina Böttger, Jonas Malzahn, Mathias Schnell (studio central) hat in Zusammenarbeit mit Philipp Deilmann und Architects for Future sowie der Dialog-Plattform Helmholtz Klima, "Too Hot – Heiße Städte, neue Wege" im Deutschen Architekturmuseum (DAM) entwickelt. Die Exponate zeigen, wie Städte auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren können – und welche neuen Formen des Zusammenlebens, Planens und Bauens daraus entstehen.
Das Konzept ist praxisorientiert: Statt theoretischer Zukunftsszenarien wurden für die Schau bereits realisierte Projekte, durchdachte Strategien und aktuelle Debatten ausgewählt. Im Zentrum stehen dreizehn europäische Städte, die trotz unterschiedlicher klimatischer, politischer und gesellschaftlicher Voraussetzungen eines gemeinsam haben: Sie suchen nach Wegen, ihre Stadträume widerstandsfähiger und lebenswerter zu gestalten. Von Finnland bis Griechenland, von der Kleinstadt bis zur Metropole, entsteht so ein vielschichtiges Panorama urbaner Transformation.
"Too Hot" zeigt deutlich auf, dass es keine universelle Antwort auf die Klimakrise gibt. Vielmehr benötigen Städte flexible Strategien, die auf ihre jeweiligen geografischen, sozialen und politischen Bedingungen zugeschnitten sind. Während Kopenhagen Parks und Plätze zu Rückhalteräumen für Starkregen umgestaltet, setzt Barcelona auf begrünte Straßenachsen und neue öffentliche Räume gegen die Überhitzung der Stadt. In Paris dienen begrünte Aufbauten für eine zeitgenössische Weiterentwicklung der charakteristischen Zinkdächer. Wien erprobt Energie- und Kühlsysteme für ganze Wohnblöcke, während die polnische Stadt Łódź einst in den Untergrund gelegte Flüsse renaturiert und das Wasser zurück in den urbanen Raum holt.
Die Klimaanpassung wird nicht als rein technische oder planerische Aufgabe skizziert – vielmehr zeigt sie, dass jede Veränderung im Stadtraum soziale und politische Fragen berührt. Wer profitiert von neuen Grünflächen? Wie lassen sich Klimaschutz und bezahlbarer Wohnraum miteinander vereinbaren? Und welche Rolle spielen Bürgerinnen und Bürger bei der Gestaltung ihrer Städte? Viele der vorgestellten Projekte bewegen sich in dem Spannungsfeld zwischen ökologischer Notwendigkeit und gesellschaftlichen Interessen.
Inspirierend sind die kommunalen Strategien, architektonischen Lösungen und zivilgesellschaftliche Initiativen, die beispielhaft vorgestellt werden: In Totnes etwa organisieren Bürgerinnen und Bürger den lokalen Ausstieg aus fossilen Energien und entwickeln gemeinschaftliche Modelle für eine nachhaltige Zukunft. In Frankfurt am Main wiederum wird sichtbar, wie sich Initiativen für den Erhalt von Grünflächen und Kaltluftschneisen einsetzen und damit zentrale Debatten über Wachstum, Klimaresilienz und Lebensqualität anstoßen. Die Ausstellung verdeutlicht, dass die Transformation der Städte nicht allein von Politik und Verwaltung getragen wird, sondern maßgeblich auf dem Engagement ihrer Bewohnerinnen und Bewohner beruht.
Um die komplexen Zusammenhänge zwischen Stadtentwicklung und Klimawandel greifbar zu machen, kombiniert "Too Hot" wissenschaftliche Erkenntnisse, planerische Konzepte und künstlerische Perspektiven. Interviews mit Expertinnen und Experten zu den Themen Gesundheit, soziale Gerechtigkeit, Ressourcenmanagement und Greenwashing erweitern den Blick über die Architektur hinaus. Die Installationen und Messstationen lassen die klimatische Prozesse sichtbar werden und zeigen die Lösungsansätze, mit denen Forschung und Planung auf die Herausforderungen einer sich erwärmenden Welt reagieren. So entsteht das Bild einer europäischen Stadtlandschaft im Wandel. "Too Hot – Heisse Städte, neue Wege" demonstriert, wie stark die Transformation bereits begonnen hat – und dass die Frage nach der klimagerechten Stadt letztlich auch eine Erkundung ist, wie wir künftig zusammenleben wollen.
Zur Ausstellung erscheint eine dreiteilige Podcast-Reihe zu Frankfurt am Main, Liepāja und Paris auf kntxtr.
Too Hot – Heisse Städte, neue Wege
Bis 7. Februar 2027
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main






