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TRENDSPOT DESIGN

Der Geist der Fabrikation

Jörg Boners Entwicklungsprozesse führen zu präzisen Industrieprodukten, die sich auf dem Markt durchsetzen und behaupten müssen. Doch es gehört mit zum umfassenden Verständnis des Designers, die Präsentation seiner Produkte auf Messen oder bei temporären Ausstellungen oftmals selbst zu gestalten. So entstanden gekonnte Produktinszenierungen und Installationen, die bewusst abstrakt gehalten sind. Gezielt schaffen sie einen räumlichen Kontext, der auf konkrete Orte eingeht und auch seiner Atmosphäre wegen in Erinnerung bleibt.

Für den Hintergrund wählte Jörg Boner zusammen mit den Grafikern von Norm ein Foto der Glarner Berge. Foto © Basile Bornand

Im Glarnerland

Wie die Plakatwand eines Filmtheaters rahmt eine großformatige Aufnahme von Alpengipfeln den Messestand von Schätti auf der Swissbau und der Light+Building in diesem Jahr. Das Foto wurde vom Grafikbüro Norm bearbeitet – in große Pixel aufgelöst und farblich gekonnt eingefärbt. Es zeigt die schneebedeckten Glarner Berge und setzt inszeniert ein markantes Setting, in dem die Landschaft zum Teil der Identität der Schweizer Lichtmarke aus Glarus wird. Durch den surrealen gelben Himmel verwandelt sich die Bergwelt in eine abstrahierte Kulisse für die archetypischen Leuchten von Jörg Boner. Der Raum, der sich zwischen den zwei Wänden des Messestands öffnet, ist der Stehleuchte „Eclar“, „Pendar“ und den beiden neuesten Produkten „Circular“ und „Mar“ gewidmet. Ihre weißen, filigranen Stahlrohre prägen die Szenerie, sie sind mit vielen anderen vertikalen Metallrohren derselben Stärke kombiniert und verdichtet. So entsteht ein Bild, das an eine abstrakte vertikale Landschaft erinnert. Der weiß bespannte Rahmen, der über dem Zentrum des Messestands in der Luft schwebt, reflektiert das Licht der Stehleuchten und streut es zusätzlich von oben auf die Produktpräsentation So wird der Eindruck einer strahlenden Landschaft inmitten der Bergmassive noch gestärkt.

Von Wladimir Grigorjewitsch Schuchow inspiriert: Präsentation der „Oyster“-Familie beim Designers’ Saturday 2014. Foto © Milo Keller

Im Rampenlicht

Ähnlich wie das Spotlicht im Zirkus den Protagonisten der Manege hervorhebt,
standen die „Oyster“-Sessel und Sofas von Wittmann beim Designers’ Saturday 2014 im Rampenlicht. Jörg Boner hat sie in seiner temporären Inszenierung auf einen dunkelgrünen kreisrunden Boden aus Grobspan-Platten gestellt. Eine Gitterstruktur aus dünnen, lackierten Holzlatten umhüllt sie, ließ Durch- und Einblicke zu und setzte den umzirkelten Raum in Szene. Die hyperbolische Holzkonstruktion schwingt sich nach oben und machte auch im ersten Stock auf sich aufmerksam. Mit dem Konzept dieser ungewöhnlichen Präsentation griff Jörg Boner auf die Ideen des Russen Wladimir Grigorjewitsch Schuchow zurück. Als Meister ökonomischer Konstruktionen, so der Gestalter, könne man viel von dem Ingenieur der vorletzten Jahrhundertwende lernen, auch und gerade, wenn es um ökonomische Konstruktionen mit wenig Material und geringen Kosten ginge.

Für seine Schau auf dem Designers’ Saturday 2010 gestaltete Boner ein Miniaturfabrikgebäude aus Pappe. Foto © Milo Keller

In der Fabrik

Ein eigener Raum, abstrakt und doch konkret: Für den Designers’ Saturday 2010 entwickelte Jörg Boner die Idee, eine Auswahl seiner Produkte in einer angedeuteten Fabrik zu präsentieren. Den Ausstellungsraum im Mühlehof in Langenthal entwickelte der Züricher Designer im Rahmen einer „carte blanche“. Die Scheddach-Silhouette des temporären Gehäuses aus Graukarton ließ keinen Zweifel auf die Anspielung einer Fabrik aufkommen. Im kleinen abstrakten Innenraum, der ebenfalls bis zum letzten Detail ganz in Karton gehalten war, wurden die ausgewählten Produkte besonders gut sichtbar – allein schon durch ihre Farbigkeit. Jörg Boners temporäre Konzeptfabrik hat das Prinzip des Designers’ Saturday, jeweils in der Fertigung der beteiligten Unternehmen in Langenthal auszustellen, aufgegriffen und auf eigentümliche Weise reflektiert: Designer brauchen die Gelegenheit, an den Prozessen der Fertigung teilzuhaben und die Produktionsmethoden genau zu kennen, um langlebige Objekte zu entwickeln. Genau dieser Prozess spiegelt sich auch in den Produkten wieder, die in der Fabrik zu sehen waren. Die Inszenierung in Karton abstrahierte die Fabrik als Ort der Herstellung und kehrte damit die Entwurfsprozesse, in denen Jörg Boner Modelle aus Karton fertigt, geradewegs um. Sie wurde so zu einem konzeptuellen Ort des Entwerfens – und zu einem Geist für zukünftige Fabrikationsstätten.

Im Werk von Création Baumann trennte Boner eine Zone mit Tyvek ab, die von den Schätti-Leuchten erhellt wurde. Foto © Jörg Boner Productdesign

Im Kreis der Phänomene

„Fertigungshallen sind ein Zwischenraum, sie liegen irgendwo zwischen Idealisierung und Realisierung, zwischen dem Problem und seiner Lösung“, meint Jörg Boner. Mit der Inszenierung zum Launch seiner Schätti-Leuchtenfamilie auf dem Designers’ Saturday 2014 hatte der Gestalter die Möglichkeit, diesen Gedanken konkret werden zu lassen. Für die Ausstellung seiner LED-Leuchten in der Werkshalle von Création Baumann trennte er einen zylinderförmigen Raum mit dünnen Tyvek-Membranen ab. Ihre weißen Flächen reflektierten das Licht der LED-Leuchten wie ein Diffusor und ließen es vom Inneren des Zylinders nach Außen dringen. Aus einem Kreis wurde so ein leuchtender Zirkel, der Besucher neugierig machte und auf ein Abenteuer einlud. Über eine Holztreppe konnten sie den Innenraum betreten, in dem Jörg Boner die Leuchten „Eclar“, „Andar“, „Pendar“, „Dri“ platziert hatte. Zusätzlich war eine Fadenspulmaschine in seine temporäre Installation integriert, die den „Gold Award“ als beste Inszenierung gewann. Normalerweise ist diese große Maschine im Rahmen der Fertigung des Textilunternehmens in Betrieb – für das Wochenende des Designers’ Saturday war sie aus ihren Alltagsbedingungen entlassen. Sie wurde so zu einem idealisierten Objekt und zum Teil im Kreis der Phänomene.

www.joergboner.ch
www.wittmann.at
www.schaetti-leuchten.ch

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