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Die Skulptur des Designers

Konstantin Grcic stellt in der Galerie Kreo sechs Marmorobjekte aus, die auch für kultische Handlungen geschaffen sein könnten.
von Fabian Peters | 07.06.2018

Die Vorgehensweise von Designern und Bildhauern ist normalerweise genau gegensätzlich, bemerkt Johanna Agerman Ross in ihrem einleitenden Essay zu Konstantin Grcics aktuelle Ausstellung in der Pariser Galerie Kreo. Während der Bildhauer skulptiert, also durch Wegnehmen die Form aus dem Material befreit, gelangt der Designer durch Hinzu- und Zusammenfügen zum Ergebnis. 

Mit seinen Objekten für die Ausstellung "Volumes" begibt sich Grcic deshalb auf ungewohntes Terrain: Die sechs Objekte, die er dort zeigt, wurden allesamt aus je einem Block Bleu de Savoie-Marmor geschnitten. Anschließend wurden sie nicht wie üblich poliert, sondern sandgestrahlt, was ihnen eine raue, dem Urzustand nicht unähnliche Oberfläche verleiht. 

Grcics sechs Objekte spielen mit den Begriffen von Nützlichkeit und Funktionalität. Sie scheinen alle einem mysteriösen Ritus zu dienen. Jedes von ihnen könnte Teil einer zeremoniellen Handlung sein, so klar scheinen sie für eine Aufgabe geschaffen, auch wenn diese für den Betrachter nicht ablesbar ist. 

Dieses Spiel gipfelt in den zwei kreisrunden Löchern, die jedes Objekt aufweist: die Marmorblöcke sind durchbohrt – vorgeblich, um sie mithilfe einer hindurchgesteckten Stange transportieren zu können. Konstantin Grcic leitet dieses Detail vom Fuß der Arco-Leuchte der Castiglionis her. Doch bei Grcic ist die Nützlichkeit nur vorgeblich, denn die Bohrung balanciert das Gewicht nicht aus, sondern wird rein nach ästhetischen Gesichtspunkten angeordnet. (fap)

Konstantin Grcic – "Volumes"
Galerie Kreo
31, Rue Dauphine
75006 Paris
bis 10. September 2018
Di. bis Sa.: 11:00 bis 19:00 Uhr