top
"An der Stelle wo die Glasoberfläche unterbrochen wird, fängt es an zu leuchten", so Stefan Diez.
"An der Stelle wo die Glasoberfläche unterbrochen wird, fängt es an zu leuchten", so Stefan Diez.
Foto: Anna Moldenhauer © Stylepark
"An der Stelle wo die Glasoberfläche unterbrochen wird, fängt es an zu leuchten", so Stefan Diez.

LIGHT + BUILDING 2018
Schliff nach außen

Eine Leuchte, deren Lichtquelle verborgen bleibt: Stefan Diez hat für Vibia "Guise" entworfen.
von Anna Moldenhauer | 03.04.2018

Begonnen hat alles mit einem Zufall – im Zuge der Entwicklung von “Guise”, einer zeitgemäßen LED-Leuchten Familie mit atmosphärischen Licht für den spanischen Leuchtenhersteller Vibia, schraubte Stefan Diez einen der Prototypen versuchsweise an die Decke. Was einst als Stehleuchte geplant war, erweitert nun die Kollektion horizontaler Pendelleuchten um eine vertikale Version, die bald deckenmontiert als auch an Seilen abgehängt, zum Einsatz kommen wird. Während "Guise" im ausgeschalteten Zustand dezent im Hintergrund bleibt, schließlich besteht sie überwiegend aus transparentem Glas, bietet sie eingeschaltet ein indirektes, blendfreies Licht, das ein angenehmes Ambiente schafft. Besonders stark wird dieser Effekt bei der Wandleuchte aus der Familie deutlich, die als kreisförmige Glasscheibe geradezu mit dem Hintergrund verschmilzt. Die Voraussetzung hierfür schafft ein besonders reines Glas ohne Grünstich, das sonst überwiegend im chemischen Labor Einsatz findet: Borosilikatglas.

Foto: Gerhardt Kellermann © Vibia/ Diezoffice
Foto: Gerhard Kellermann © Vibia/ Diezoffice

Inspiration für "Guise" lieferte dem Designer zwei technische Verfahren, die so wohl noch nicht zusammengebracht wurden: Das Phänomen der Totalreflektion, welches von Notausgangs-Schildern und LCD-Monitoren bekannt ist und die Handwerkskunst des böhmischen Glasschnitts. Wird Licht seitlich in eine Glasscheibe eingespeist, dann reflektiert es von der einen auf die andere Seite, ohne auszutreten, es verbleibt also im Glas. Erst ein Schliff oder eine offene Kante bietet diesem einen Weg nach außen. "An der Stelle wo die Glasoberfläche unterbrochen wird, fängt es an zu leuchten", so Stefan Diez. Das Licht geht so über die Muster der Gravuren vom Glaskörper selbst aus und wirft keine Schatten. Die LED-bestückten Boards, die wie eine filigrane Naht den Glaszylinder unterbrechen, bleiben dabei praktisch unsichtbar. Das Ergebnis: Pures Licht, ohne Störfaktoren wie sichtbare Leuchtmittel oder Reflektoren. Zur Regulierung von "Guise" dient ein Sensor, der durch die Annäherung an das Objekt ausgelöst wird. Der nächste Schritt für die Weiterentwicklung der Kollektion führt Stefan Diez ins Freie – aktuell denkt der Designer über eine Outdoor-Variante von "Guise" für Vibia nach.

© Vibia/ Diezoffice
© Vibia/ Diezoffice
© Vibia/ Diezoffice
© Vibia/ Diezoffice
© Diezoffice

Produkte