STYLEPARK PEDRALI
Eine behutsame Metamorphose
Mit seinem geschwungenen Dach und den massiven Holzstützen nimmt der Pavillon einen zentralen Platz auf dem Gelände von Pedrali ein: Die Konstruktion ist 50 Meter lang, 12 Meter breit und 9 Meter hoch. Trotz dieser Abmessungen wirkt das Gebäude bemerkenswert kompakt und präzise proportioniert. Holz und Stein prägen das elegante Erscheinungsbild und verankern die Architektur in ihrem landschaftlichen Kontext. Für Michele De Lucchi, Gründer von AMDL CIRCLE, ist Holz weit mehr als nur ein Baumaterial: "Je länger ich mit diesem Material arbeite, desto mehr wird mir bewusst, wie außergewöhnlich es tatsächlich ist." Gerade die alltägliche Präsenz des Materials lässt seine besonderen Eigenschaften häufig in den Hintergrund treten. „Dieses scheinbar einfache Material, das uns schon seit Jahrtausenden begleitet, birgt noch immer unzählige Geheimnisse“, sagt er. Und fügt mit Blick auf die Planung hinzu: "Jedes Design bringt eine Verantwortung mit sich. Holz stammt aus dem Leben selbst. Wir müssen nicht nur das Material respektieren, sondern auch die Lebensprozesse, aus denen es entsteht."
Für das zukunftsfähige Gebäude wurde die bestehende Struktur sorgfältig an die neue Nutzung angepasst. Das Holzdach erhielt eine Messingverkleidung, die die Langlebigkeit des Gebäudes erhöht und gleichzeitig die Proportionen sowie die strukturelle Logik des ursprünglichen Daches bewahrt. Darüber hinaus wurden im Rahmen der Initiative #Pedrali4Education die bei der Dachsanierung wiedergewonnenen Holzschindeln in Zusammenarbeit mit Schülern des Kunstgymnasiums "La Traccia" in Bergamo zu neuen Objekten und Installationen verarbeitet. Der Pavillon bezieht Strom aus Photovoltaikmodulen und einer neuen geothermischen Anlage, die einen Teil des Gesamtenergiebedarfs decken.
Im Einklang mit dem humanistischen Ansatz von AMDL CIRCLE wurden die Innenräume im Anschluss neu gestaltet: Besucher gelangen über die zur Vorderseite hin offene Arena in das Obergeschoss, wo ein Auditorium für Vorträge, Ausstellungen und Bildungsprogramme geschaffen wurde. Die Fichtenholzkonstruktion, der Eichenparkettboden und das Gewölbedach sorgen für eine warme, fast wohnliche Atmosphäre, während der Raum flexibel genutzt werden kann. Die offene Holzkonstruktion im Erdgeschoss wurde mit großflächigen Verglasungen versehen, die die Innen- und Außenbereiche miteinander verbinden. Hier wurde ein Showroom für die Outdoor-Kollektionen von Pedrali eingerichtet, der vom Mailänder DWA Design Studio konzipiert wurde. Freistehende, vertikale Elemente gliedern den Raum und schaffen eine Abfolge unterschiedlicher räumlicher Konfigurationen und Blickachsen, ohne feste Grenzen zu bilden.
Die Fotografien des italienischen Fotografen Alecio Ferrari tragen auf ihre Weise zur Raumgestaltung bei: Die auf Stoffhintergründen präsentierten Werke verleihen dem Showroom eine ruhige, kontemplative Atmosphäre. In seinem Werk untersucht Ferrari das Verhältnis zwischen Natur und Kultur sowie die ambivalente Verbindung des Menschen zu seiner Umwelt.
Architektur, Design und der freie Blick auf die Landschaft stehen somit in Wechselwirkung miteinander. Auf die Frage, wie die multifunktionale Struktur entstanden ist, sagt Michele De Lucchi: "Durch Experimentieren, durch ständiges Ausprobieren. Heute ist alles ein Experiment. Wir befinden uns mitten in einem fortlaufenden Prozess, in einer Zeit voller Möglichkeiten." Die neue Terrasse wurde als integraler Bestandteil des architektonischen Konzepts entworfen und verstärkt die Kontinuität zwischen den Innen- und Außenräumen. Die großflächigen Verglasungen öffnen den Showroom zum Freiraum hin und verbinden beide Bereiche zu einer räumlichen Struktur. Luserna-Steinpflaster, terrassierte Grünflächen und saisonale Bepflanzung betonen das Zusammenspiel von Architektur und Landschaft und verwandeln die Außenbereiche in hochwertige Räume für Entspannung und Veranstaltungen.
Ergänzt wird der Komplex durch den rund einen Kilometer langen Pedrali-Pfad, der das Gelände öffnet und mit den umliegenden Freiflächen verbindet. "Es war eine wunderbare Gelegenheit, etwas weiterzuentwickeln, das ursprünglich nur für einen begrenzten Zeitraum gedacht war", sagt Michele De Lucchi. Schon während der Entwurfsphase hatte er sich gefragt, wie diese Architektur langfristig Bestand haben könnte. "Architektur ist eine Form der Transformation. Genau deshalb ist dieses Projekt besonders interessant, weil es so viele Geschichten verkörpert."
Mit einem beeindruckenden Auditorium, den flexiblen Ausstellungsräumen und den neu gestalteten Außenbereichen ist der Pedrali-Pavillon zu einem einzigartigen Ort geworden, an dem gemeinsam aktuelle Themen rund um Design, Produktion und Architektur erkundet werden können.







































