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Der Salone, ungeskriptet

Der Dokumentarfilm "Lost and Roll" von Regisseur Gianluca Vassallo taucht tief in den Trubel des Salone del Mobile.Milano ein und erkundet das Kaleidoskop der weltweit größten Möbelmesse in jeweils kurzen Sequenzen aus der authentischen Perspektive jener Menschen, die ihn jedes Jahr aufs Neue zum Leben erwecken.

"Lost und Roll" richtet unseren Blick auf die alltäglichen, oft übersehenen Verbindungen, die das Fundament des international bedeutendsten Events der Branche bilden: Das Kamerateam begleitet Akteurinnen und Akteure aus dem inneren Kreis des Salone del Mobile.Milano ebenso wie Medienschaffende und ProtagonistInnen des Mailänder Stadtlebens – Menschen, deren Arbeit, Rhythmus und Geschichten das kreative Pulsieren der Stadt international spürbar werden lassen, wenn jedes Jahr im April mehr als 300.000 FachbesucherInnen aus rund 150 Ländern in Mailand zusammenkommen. Entstanden ist ein poetisches, präzises und zutiefst menschliches Dokument über eine der intensivsten Wochen in der Branche.

Das aktuelle Werk baut auf Vassallos fotografischer Recherche "Comunità Continua" auf, die er 2024 im Auftrag des Salone del Mobile.Milano umgesetzt hat. Für den Film arbeitete er erneut mit einem eingespielten Team zusammen – unter anderem mit dem Kameramann und Colorist Francesco Mannironi, Sounddesigner Daniele Guarnera sowie der britischen Pianistin Anne Lovette, die den atmosphärischen Klangteppich beisteuert. Entstanden ist eine vielschichtige Momentaufnahme, die bewusst auf ein klassisches Drehbuch verzichtet und stattdessen authentische Stimmen und spontane Begegnungen zu einer offenen Erzählung verwebt. Zu den GesprächspartnerInnen gehören neben der Salone del Mobile-Präsidentin Maria Porro zahlreiche GestalterInnen wie Piero Lissoni, Fabio Novembre, Elena Salmistraro, Gabriele Buratti, Luca Nichetto und Francesca Lanzavecchia. Sie berichten davon, wie sich ein Jahr kreativer Entwicklung in einer einzigen, dicht getakteten Woche verdichtet. Auch ein Einblick in die Arbeit von JournalistInnen während des Events wird gewährt: Das Kamerateam hat unsere Chefredakteurin Anna Moldenhauer für eine Sequenz auf den SaloneSatellite begleitet, das visionäre Zentrum des Salone del Mobile, auf dem die Arbeiten von jungen Talenten unter 35 Jahren erkundet werden können.

Zugleich weitet der Film den Blick über das institutionelle Designsystem hinaus: Vom Straßenfotograf, der seit Jahren Polaroids verkauft bis zum Taxifahrer, der die Veränderung der Stadt während des Salone del Mobile und der Mailänder Designwoche anhand der Gespräche verfolgt, die seine Gäste auf dem Rücksitz führen – sie alle zeichnen ein zeitgenössisches Bild von der kreativen Energie in Mailand. Vassallo beschreibt Lost and Roll als "inneres Porträt" des Salone del Mobile – als filmische Untersuchung der Denkweisen jener, die gestalten, bauen, bewegen, feiern oder im Hintergrund dafür sorgen, dass das komplexe kulturelle System funktioniert. Für Maria Porro ist der Film eine persönliche Reise ins Herz der Veranstaltung, ein Mosaik aus kreativem Chaos, nachhaltigem Anspruch und der täglichen Arbeit, die sowohl die Designindustrie als auch die Gesellschaft antreibt. Besonders eindrücklich ist die Figur Munshi alias Romeo, des Polaroid-Verkäufers, der seit 25 Jahren Zeuge des Wandels ist. Seine Sofortbilder werden zur Metapher für die gleichzeitig flüchtige und beständige Natur des Designs: "Durch die Augen visionärer DesignerInnen, unermüdlicher HandwerkerInnen und Persönlichkeiten wie Munshi – dem Polaroid-Verkäufer auf dem Bürgersteig, einem stillen Zeugen von 25 Jahren urbaner Transformation – wirft der Film ein Licht auf die menschliche Strömung hinter der kulturellen und wirtschaftlichen Maschine, die der Salone darstellt. Diese verblassten Polaroids, Zeichen eines Mailands in ständiger Bewegung und im Wandel, werden zu einer kraftvollen Metapher: so vergänglich wie eine Messe, so unauslöschlich wie ein ikonischer Stuhl. Wir feiern diese Erzählung, die Beständigkeit und Vergänglichkeit, die Würde des Schaffens und die Magie des Entwerfens vereint und uns daran erinnert, dass der wahre Luxus des Designs in den menschlichen Geschichten liegt, die es beleben.", so Maria Porro.

Die Premiere von Lost and Roll findet am 16. April 2026 um 21:15 Uhr im Anteo Spazio Cinema in Mailand statt. Weitere Vorführungen sind noch in der Planung. Produziert wurde der 54‑minütige Dokumentarfilm von Maddalena Satta für White Box Studio in Zusammenarbeit mit NoClaps.

Lost and Roll | Official Trailer