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Stiller Luxus

Frankfurt am Main hat mit der Eröffnung des 5-Sterne-Hotels "The Florentin by Althoff Collection" ein urbanes Refugium zurückgewonnen, das seinen Gästen eine feinsinnig komponierte Gestaltung bietet. Es ist ein feierlicher Neuanfang, bei dem die bewegte Geschichte des Hauses nicht vergessen werden sollte.
von Anna Moldenhauer |

Heute beginnt ein aussichtsvolles Kapitel für die denkmalgeschützte Villa im Stadtteil Sachsenhausen: Das Hotel "The Florentin" öffnet mit 98 Deluxe Zimmern und 49 Suiten seine Tore. Für die Neugestaltung wählte Althoff Hotels zwei Designstudios, deren Handschriften den exklusiven Charakter des Hauses prägen: atelier zürich und Unscripted Design. Der Aufritt des Interior Designs ist betont sanft. Ein ruhiger, eleganter Luxus in warmen Erd- und Sandtönen, der auf hochwertige Materialien wie Marmor, Travertin, Eichenholz setzt und mediterrane Einflüsse zeigt. Die fein gearbeiteten Stuckprofile und Holzvertäfelungen werden dank der reduzierten Formen und natürlichen Materialien nicht übertönt, sondern in eine zeitgenössische Gestaltung eingefügt. Intensive Farbakzente sind auf wenige Räume beschränkt, wie im "grünen Salon". Die Formen der Möbel verlaufen meist gerundet, das Licht ist indirekt. Geboten wird eine ganzheitliche Atmosphäre der Entspannung, in der das Ankommen leicht fällt.

Ein Highlight ist zudem "The Garden Courtyard", der begrünte Innenhof des Hauses, der passend zum lateinischen Namen des Hotels ab dem Frühjahr eine blühende Oase inmitten der Mainmetropole bieten wird. Dazu kommt ein vielfältiges kulinarisches Angebot, wie hinsichtlich des Destination Restaurant "the dune". Für die sportliche Erholung sorgt indes das "4 elements spa" inklusive Saunen und einem 14 Meter langen Indoor-Pool.

Ein Blick zurück

Bei aller Freude über die Neueröffnung sollte die bewegte Geschichte des Baus nicht vergessen werden: 1901 als Villa Speyer vom Architekten Alfred Günther entworfen, ließ sich dieser für die Werksteinfassade, Risalitgliederung und den markanten Eckturm von den Baustilen der Gotik und Renaissance inspirieren. Der jüdische Bankier und Mäzene Eduard Beit von Speyer sowie seine Frau Hanna Louise waren die BauherrInnen. 1936 wurde das schlossähnliche Anwesen "arisiert", sprich die Eigentümerfamilie wurde gegen 137.000 Reichsmark, ein Bruchteil des Wertes des Geländes mit allen Gebäuden, enteignet. Laut dem Internetportal des Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt am Main, erfolgte die Überweisung des Betrages zudem auf ein Konto, auf das die in die USA emigrierten Erben keinen Zugriff hatten. Nach Ende des zweiten Weltkriegs stellte die Familie einen Entschädigungsanspruch und stimmte der vergleichsweise geringen Abfindung von 150.000 DM zu. In Folge eines zweckmäßigen Umbaus dienten die herrschaftlichen Räume und der weitläufige Garten im Anschluss viele Jahre für die Strahlenforschung des Kaiser-Wilhelm-Institut für Biophysik, das ab 1948 Max-Planck-Institut für Biophysik hieß.

Im Jahr 2000 erwarb ein privater Investor das Grundstück für 18 Millionen DM, die Villa wurde vom Architekten Demetri Porphyrios restauriert, ausgebaut und um stilverwandte Neubauten ergänzt. 2006 eröffnete das Fünf-Sterne-Hotel Villa Kennedy, das sich rasch als Adresse für internationale Gäste etablierte – bis zur Schließung im Jahr 2022. Der Stadtteilhistoriker Dieter Wesp hat zur Historie des Gebäudes ein Buch verfasst: Villa Kennedy: Wohnhaus – Forschungslabor – Luxushotel. Als "The Florentin" wird der historische Bestand nun von den inhabergeführten Althoff Hotels in die Zukunft geführt.

Kontakt

The Florentin
Paul-Ehrlich-Str. 9
60596 Frankfurt am Main

Telefon: +49 69 605 13 50

Architektur & Design