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Moormanns mobile Leselust
von Daniel von Bernstorff | 7/1/2007

Auf einem Taschentuch präsentierte Nils Holger Moormann auf der diesjährigen Mailänder Möbelmesse seine neuen Produkte. "Benutzt es zum Trocknen Eurer Abschiedstränen", rief uns der Chiemgauer Querdenker selbstbewusst zu, als wir seinen Stand verlassen wollen. Die Tränen galten einem echten Fundstück: dem "Bookinist" - ein mobiler Lesesessel, skurril und poetisch zugleich - eben eine Möbelkreation von Moormann.

Nach der Bibliothek "Lese & Lebe" und dem Gartenhaus "Walden", das im Januar vor dem Kölner Kunstverein zu sehen war, könnte man den "Bookinist" nun als mobiles Bindeglied dieser beiden bezeichnen. Dem Prinzip einer Schubkarre nachempfunden, lässt sich das Möbelstück an jeden Ort in Haus oder Garten schieben. Die Lieblingsbücher sind in den Armlehen verstaut. Die Leselampe, in den Lehnen versteckt, Fächer für Schreibutensilien und eine Ablage für die Kaffeetasse machen den "Bookinist" zu einem autarken Wohlfühlort. Natürlich geben Moormanns Details wieder einmal Anlass zur stillen Freude. Akkurate Aushöhlungen für Leselupe und Stifte, sichtbare Kenntnis bei der Auswahl der Literatur (welch Wohltat!) und eine Formensprache, die den rustikalen Gummireifen als selbstverständliches Element einzubinden versteht, kurz: "hier bin ich Mensch, hier darf ich sein". Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, sei es als VIP-Transportmittel auf der Frankfurter Buchmesse, als mobile "Lesekabine" im Buchhandel oder auf der privaten Terrasse. Mit dem Bookinist ist es Moormann wieder einmal gelungen, jenseits der abgetrampelten Designpfade, die auch in Mailand wieder mächtig strapaziert wurden, eine ganz eigene Sprache zu finden, die beglückt und gleichzeitig zu denken gibt. Wir sind auf den nächsten Geniestreich gespannt!

www.moormann.de

"Fundstücke" ist eine Kooperation der Baumeister-Redaktion mit Stylepark