transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2140 Forward End
In Datenströme eintauchen und Verkehrsmittel teilen
von Michiko Wemmje | 28. Juli 2013
Die Teilnehmer der Diskussion: Eric Höweler, Höweler + Yoon Architecture, Boston, Andres Lepik, Direktor Architekturmuseum TU München, Journalist Heinrich Wefing, Dirk Wittowsky, Verkehrsforscher an der ILS, Dortmund, und Architekt und Schaustellen-Erbauer Jürgen Mayer H. (von links nach rechts). Foto © Stylepark

Die beiden Preisträger des „Audi Urban Future Awards“, Jürgen Mayer H. (2010) und Eric Höweler (2012), haben viele interessante Ideen entwickelt, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte. Autos, sprich Individualverkehr, wird es nach ihren Vorstellungen auch in der Stadt der Zukunft geben – doch würden Autos künftig eben auch andere Funktionen erfüllen als heute und wir, die Nutzer, könnten aus vielfältigen Mobilitätsangeboten dasjenige auswählen, das gerade passt. Darüber, und über einiges mehr, haben die beiden international tätigen Architekten kürzlich in der von Jürgen Mayer H. konzipierten „Schaustelle“, dem aktuellen Ausweichquartier der Münchner Pinakothek der Moderne, mit Andres Lepik, dem Direktor des Architekturmuseums der TU München, und dem Verkehrsforscher Dirk Wittowsky diskutiert. Zumindest Lepiks Fazit fiel ebenso schlicht wie optimistisch aus: „Die Stadt wird wieder lebenswert.“ Wenn denn die Fahrspuren in den Städten tatsächlich reduziert werden würden, dann könnte neuer Raum für Pflanzen und für öffentliche Plätze entstehen. Und der flanierende Fußgänger könnte die Straßen wieder erobern. Ein Traum?

„Es wird eine interaktive Kommunikation der Verkehrsträger mit der Umwelt stattfinden“, meinte Jürgen Mayer H. In seiner Zukunftsvision „A.Way“, für die er 2010 in Venedig mit dem „Audi Urban Future Award“ ausgezeichnet worden ist, beschrieb er, wie durch pilotiertes Fahren in den Innenstädten mittels personalisiertem Datenaustausch digital erweiterte Stadträume entstehen könnten. Der Stadtraum öffne sich, so Mayer H., für neue Nutzungs- und Erlebnismöglichkeiten. Das Auto, „die Fahrmaschine“, wird zu einer „Erfahrungsmaschine“. Es fährt von allein und ist vernetzt ­– der Fahrer kann sich also ganz auf das Fahrerlebnis konzentrieren und in eine vollkommen neue Interaktion mit der Stadt eintreten.

Auch Eric Höweler denkt über vernetzte Strukturen nach: „Wenn“, erklärte er, „man sich Mobilität wie ein Ökosystem vorstellt, dann will man ein möglichst vielfältiges und artenreiches Ökosystem“. Es breche ein neues Zeitalter der Mobilität an, in dem Automobile nicht mehr autonom und isoliert, sondern als Teile eines Netzwerkes funktionierten. Wie ein solches Mobilitätsnetzwerk aussehen könnte, hat Höweler zusammen mit J. Meejin Yoon unter dem Titel „Shareway“ entworfen. Das Konzept, das 2012 mit dem Audi Urban Future Award ausgezeichnet wurde, beschreibt die Vision einer Mobilitätsplattform, die in einer Kombination aus physischer Infrastruktur und intelligenten Netzwerken ein multimodales Verkehrssystem schafft, in dem sich auch das Verhältnis von Besitzen und/oder Nutzen neu gestalten lässt.

In einem waren sich alle an der Diskussion Beteiligten einig: Auch wenn sich Sharing-Modelle, vor allem in den jüngeren Generationen, wachsender Beliebtheit erfreuen, so sind die Vorstellungen von Eigentum und Autonomie doch fest in der westlichen Kultur verankert. Weshalb Höweler auch betonte: „Um die Stadt zu verändern, muss man den Traum verändern.“ Kulturelle Praktiken und Vorstellungen müssten aufgebrochen und neue Ideale geschaffen werden, damit sich eine Neudefinition von Eigentum und Freiheit in der Gesellschaft etablieren könne. Ein Traum, zu dessen Realisierung noch viel Arbeit und Geduld erforderlich sein werden.


www.Schaustelle.de
www.audi-urban-future-initiative.com
www.jmh-architect.com
www.hyarchitecture.com

Pilotiertes Fahren mittels personalisiertem Datenaustausch: das Mobilitätkonzept „A.Way“ von Jürgen Mayer H. Foto © Jürgen Mayer H.
„Shareway“ von Höweler + Yoon Architekten: eine Mobilitätsplattform, die das Verhältnis von Besitzen und/oder Nutzen neu gestaltet. Foto © Höweler + Yoon Architecture
News & Stories › 2013 › Juli
In Datenströme eintauchen und Verkehrsmittel teilen
von Michiko Wemmje | 28. Juli 2013
Wie werden Städte in der Zukunft aussehen? Wie werden wir uns in ihnen bewegen? Und welche Rolle spielen digitale Medien dabei? Eine Diskussion mit Jürgen Mayer H. und Eric Höweler in der „Schaustelle“ der Münchner Pinakothek der Moderne hat nach Antworten gesucht.
Die beiden Preisträger des „Audi Urban Future Awards“, Jürgen Mayer H. (2010) und Eric Höweler (2012), haben viele interessante Ideen entwickelt, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte. Autos, sprich Individualverkehr, wird es nach ihren Vorstellungen auch in der Stadt der Zukunft geben – doch würden Autos künftig eben auch andere Funktionen erfüllen als heute und wir, die Nutzer, könnten aus vielfältigen Mobilitätsangeboten dasjenige auswählen, das gerade passt. Darüber, und über einiges mehr, haben die beiden international tätigen Architekten kürzlich in der von Jürgen Mayer H. konzipierten „Schaustelle“, dem aktuellen Ausweichquartier der Münchner Pinakothek der Moderne, mit Andres Lepik, dem Direktor des Architekturmuseums der TU München, und dem Verkehrsforscher Dirk Wittowsky diskutiert. Zumindest Lepiks Fazit fiel ebenso schlicht wie optimistisch aus: „Die Stadt wird wieder lebenswert.“ Wenn denn die Fahrspuren in den Städten tatsächlich reduziert werden würden, dann könnte neuer Raum für Pflanzen und für öffentliche Plätze entstehen. Und der flanierende Fußgänger könnte die Straßen wieder erobern. Ein Traum?

„Es wird eine interaktive Kommunikation der Verkehrsträger mit der Umwelt stattfinden“, meinte Jürgen Mayer H. In seiner Zukunftsvision „A.Way“, für die er 2010 in Venedig mit dem „Audi Urban Future Award“ ausgezeichnet worden ist, beschrieb er, wie durch pilotiertes Fahren in den Innenstädten mittels personalisiertem Datenaustausch digital erweiterte Stadträume entstehen könnten. Der Stadtraum öffne sich, so Mayer H., für neue Nutzungs- und Erlebnismöglichkeiten. Das Auto, „die Fahrmaschine“, wird zu einer „Erfahrungsmaschine“. Es fährt von allein und ist vernetzt ­– der Fahrer kann sich also ganz auf das Fahrerlebnis konzentrieren und in eine vollkommen neue Interaktion mit der Stadt eintreten.

Auch Eric Höweler denkt über vernetzte Strukturen nach: „Wenn“, erklärte er, „man sich Mobilität wie ein Ökosystem vorstellt, dann will man ein möglichst vielfältiges und artenreiches Ökosystem“. Es breche ein neues Zeitalter der Mobilität an, in dem Automobile nicht mehr autonom und isoliert, sondern als Teile eines Netzwerkes funktionierten. Wie ein solches Mobilitätsnetzwerk aussehen könnte, hat Höweler zusammen mit J. Meejin Yoon unter dem Titel „Shareway“ entworfen. Das Konzept, das 2012 mit dem Audi Urban Future Award ausgezeichnet wurde, beschreibt die Vision einer Mobilitätsplattform, die in einer Kombination aus physischer Infrastruktur und intelligenten Netzwerken ein multimodales Verkehrssystem schafft, in dem sich auch das Verhältnis von Besitzen und/oder Nutzen neu gestalten lässt.

In einem waren sich alle an der Diskussion Beteiligten einig: Auch wenn sich Sharing-Modelle, vor allem in den jüngeren Generationen, wachsender Beliebtheit erfreuen, so sind die Vorstellungen von Eigentum und Autonomie doch fest in der westlichen Kultur verankert. Weshalb Höweler auch betonte: „Um die Stadt zu verändern, muss man den Traum verändern.“ Kulturelle Praktiken und Vorstellungen müssten aufgebrochen und neue Ideale geschaffen werden, damit sich eine Neudefinition von Eigentum und Freiheit in der Gesellschaft etablieren könne. Ein Traum, zu dessen Realisierung noch viel Arbeit und Geduld erforderlich sein werden.


www.Schaustelle.de
www.audi-urban-future-initiative.com
www.jmh-architect.com
www.hyarchitecture.com