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Smørrebrød war gestern

Einer der besten Burgergrills der Welt befindet sich in Kopenhagen. Seine neueste Filiale hat David Thulstrup entworfen – mit ein wenig Unterstützung aus Frankfurt am Main.
Text von Fabian Peters, Fotos von Hampus Berndtson | 25.02.2020

Gastronomische Erfolgsgeschichten aus Kopenhagen gab es in den letzten Jahren einige. Die berühmteste ist natürlich die des gefeierten Restaurants Noma, mit dem René Redzepi fast im Alleingang die skandinavische Küche ins Zentrum des Gourmetuniversums gekocht hat. Als das "Noma" vorletztes Jahr umzog, beauftragte man den Designer David Thulstrup damit, das von BIG entworfene neue Gebäude einzurichten. Ein ganz anderes Konzept als das Noma verfolgt der Kopenhagener Gasoline Grill, der aber ebenfalls schon mit Kritikerlob überschüttet wurde. Jüngst ist er vom Newsportal Bloomberg zu einer der 27 besten Burgerläden weltweit gekürt worden – eine Ehre, die in Kontinentaleuropa nur noch einem Restaurant in Paris zuteilwurde. Unübersehbar sind mit dem wachsenden Erfolg auch die gestalterischen Ansprüche an die Verkaufsstellen gewachsen. Das "Stammhaus" befindet sich, nomen est omen, im Kassenhäuschen einer ehemaligen Tankstelle. Die neue, mittlerweile sechste Filiale, hat dagegen ihre Zelte in einem Ladenlokal mit Stuckdecke am hippen Værnedamyvej aufgeschlagen. Und auch hier stammt die Einrichtung von David Thulstrup.

Helle, neutrale Farben bestimmen das Bild in Thulstrups neuem Gasoline Grill: Als Bodenbelag ist hellbrauner Terrazzo verlegt, in den rote und weiße Steine eingegossen sind. Das Zentrum des relativ schmalen, langgestreckten Hauptraumes bildet die offene Grillküche aus Edelstahl. Auch der um die Küche herumlaufende Tresen ist aus Edelstahl gefertigt, wohingegen die Tresenplatte aus demselben Terrazzo wie der Boden hergestellt ist. Nach oben schließt der Küchenbereich mit einem filigranen Baldachin ab, der ebenfalls aus Edelstahl besteht. LED-Leuchtröhren zeichnen seine Kontur nach und reflektieren ihr Licht im spiegelnden Metall.

Um den Tresen hat Thulstrup 25 eigens für den Gasolin Grill entworfene Barhocker platziert. Sie sind aus massiver Eiche geschreinert und fügen mit ihrem warmen Holzton dem Farbakkord der Einrichtung eine natürliche Note hinzu. Die wenigen Elemente des Hockers sind streng geometrisch: Sitzfläche und Fuß sind kreisrund und durch hochrechteckiges Brett als Bein verbunden. Ein weiteres rechteckiges Brett dient als Fußstütze. In seiner konsequenten Geometrie erinnert der Stuhl, den Thulstrup "Tank" getauft hat, fast an die Möbelentwürfe Gerrit Rietvelds. Realisiert hat den Entwurf übrigens das Frankfurter Label e15, das kürzlich auch David Chipperfields Entwürfe für die James-Simon-Galerie aus der Zeichnung ins Möbel übersetzt hat.

Das Design des neuen Gasoline Grill transportiert genau jene Eigenschaften, die den Gründern des Restaurants am Herzen liegen: Höchste Qualität, kein überflüssiges Dekor und Transparenz bei der Herstellung. – alles Merkmale, die auch schon der Küche des Noma zu Weltruhm verholfen haben. Vielleicht hat David Thulstrup ja am nächsten Gastronomiewunder aus Dänemark mitgewirkt.