Bühne für die Zukunft
Anna Moldenhauer: Mit Blick auf die Aussteller, die zur Light + Building erwartet werden, wie ist die Nachfrage aktuell und wie international wird das Angebot werden?
Steffen Larbig: Aktuell gehen wir von rund 2.000 Ausstellern aus. Es ist weiterhin viel Bewegung im Markt. Der Anteil internationaler Unternehmen liegt derzeit bei 70 Prozent, damit bestätigt sich der Trend der Vorveranstaltung. Rund 60 Prozent unserer Aussteller stammen aus dem Lichtbereich und 40 Prozent aus der vernetzten Gebäudetechnik. Wir bemerken natürlich, dass die Märkte, in denen unsere Aussteller aktiv sind, derzeit von Herausforderungen geprägt sind. Das bedeutet für uns, dass sich viele Unternehmen erst spät entscheiden, ob sie teilnehmen. Das hat einen Einfluss auf unseren Planungszyklus. Mit Blick auf die Konjunkturumfragen haben wir hingegen den Eindruck, dass wir besser dastehen, als sich die Märkte gerade selbst einschätzen, gerade in Europa. Der Bedarf an Neubau und Renovierung – und damit auch für Licht- und Gebäudetechnik – ist riesig. Was uns in den Märkten zu schaffen macht, ist die weltpolitische Lage: globale Unsicherheiten, Handelshemmnisse oder kriegerische Auseinandersetzungen. Freier Handel, Austausch und Reisen sind gerade nicht überall auf der Welt gegeben und das merken wir. Trotzdem ist das Fazit aus unseren Partnerschaften und Gesprächen mit den Ausstellern, dass wir insgesamt in einer vergleichsweise stabilen Situation sind. Wir freuen uns sehr auf die Light + Building, den zentralen Branchentreffpunkt in Frankfurt am Main im Herzen Europas. Vom 8. bis 13. März 2026 kommen Fachkräfte und BranchenvertreterInnen hier zusammen, da die Veranstaltung für alle einen hohen Stellenwert hat.
Sie haben es bereits erwähnt, der Gebäudesektor ist aktuell mit vielen Herausforderungen konfrontiert, sei es die Energiewende, effiziente KI-Implementierung, Fachkräftemangel, hohe Kosten, Handelskonflikte – welche Angebote wird es auf der Light + Building für die Vernetzung der Branche geben, um diesen gemeinsam zu begegnen?
Steffen Larbig: Unser Matchmaking-Tool ist das zentrale Instrument, um die persönliche Begegnung im Rahmen der Messe zu optimieren und wurde kürzlich umfassend ausgebaut. Jeder Aussteller kann sich dort präsentieren. Nutzerinnen und Nutzer können bei der Suche gezielt nach ihren Primärinteressen filtern und die Aussteller haben die Möglichkeit, sich nach Themenschwerpunkten zu positionieren. Alle die ein Ticket für die Messe erwerben, kommen automatisch in den Pool, außer man widerspricht aktiv. Somit haben die Unternehmen auch eine Chance mit ihrer Zielgruppe in den Austausch zu treten und die Gäste können schneller die gewünschten Ansprechpartner oder Ansprechpartnerin finden. Das System ist eine Weiterentwicklung, die zum ersten Mal für die Heimtextil 2026 angeboten wird. Parallel stellen wir über unsere Webseite und Social-Media-Kanäle viele Informationen für die Fachbesucher bereit, damit diese ihren Besuch auf der Light + Building so effizient wie möglich planen können.
Warum wurden "Sustainable Transformation", "Smart Connectivity" und "Living Light" im Austausch mit der Branche als Top-Themen ausgewählt?
Steffen Larbig: Die Auswahl der Top-Themen erfolgt im engen Dialog mit der Branche und orientiert sich an den Innovationen und Entwicklungen, die für unsere Aussteller besonders relevant sind. Auf diese Weise spiegeln sie auch gesellschaftliche Entwicklungen wider und sind bisweilen politisch getrieben. "Sustainable Transformation" steht für den Weg zu klimaneutralen Gebäuden und zeigt, wie Technologie und Architektur zu einer energieeffizienten Zukunft beitragen können. Wichtige Aspekte des Top-Themas sind Energieeffizienz, intelligentes Energiemanagement, Digitalisierung und auch Sektor Kopplung.
Bei "Smart Connectivity" beziehen wir uns darauf, dass unsere Welt deutlich vernetzter wird. Und natürlich sprechen wir im Building Kontext von Gebäuden, die immer mehr zu intelligenten Systemen werden. Das Top-Thema steht für Network Infrastructures, digitale Prozesse und effizientes Datenmanagement. Über die Aussteller sehen wir aktuell, dass die Bereiche Licht- und Gebäudetechnik heute viel stärker zusammenwachsen als es in der Vergangenheit der Fall war. Konnektivität führt letztlich dazu, dass wir besser vernetzt sind, Nutzerinnen und Nutzer besser verstehen und mehr Komfort schaffen können, gerade im Bereich Licht. Licht steht für Leben und bietet die Möglichkeit zu reagieren, Räume zu gestalten, die Atmosphäre, aber auch Stimmungen zu beeinflussen. Und genau dieses große Feld zwischen Architektur, Technologie und Emotionen bringen wir unter "Living Light" zusammen. Besondere Fokuspunkte in diesem Top-Thema sind beispielsweise Human Centric Lighting, das Lichtdesign und smarte Systeme für verschiedene Anwendungsbeispiele. Mit Blick auf die Urbanisierung leben viele Menschen aktuell in kleinen Wohnungen, in denen die Räume verschiedene Funktionen erfüllen müssen. Unsere Aussteller liefern dafür sowohl innovative Technologien als auch gestalterisches Know-how, praxisnahe Anwendungskonzepte und Impulse, wie Licht die Lebensqualität in vielfältigen Situationen verbessern kann.
Die drei Top-Themen stehen für die Leitidee der Light + Building und geben uns ein Stück weit Orientierung, sowohl in der Kommunikation wie für unser Event-Programm. Passend dazu bieten wir gemeinsam mit Lichtvision Design die neue Sonderschau "The Living Light". Dafür kreieren wir unterschiedliche Szenarien und führen unser gesamtes Ausstellerportfolio zusammen. Zum Beispiel wird es einen Raum geben, in dem aufgezeigt wird, wie mit der Beleuchtung für unterschiedliche Lerntypen ein optimales Umfeld geschaffen werden kann.
Die Sonderschau "Living Light", von Carla Wilkins und dem Team des Lichtplanungsbüro Lichtvision Design wird mit interaktiven Elementen und natürliche Materialien erfahrbar machen, wie Licht über die reine Funktion hinausgeht und zu einem lebendigen Bestandteil des Alltags wird. Warum haben Sie sich für dieses Angebot entschieden?
Steffen Larbig: Mit "The Living Light" möchten wir zeigen, wie stark Licht heute an der Schnittstelle von Technologie, Gestaltung und Nutzererlebnis wirkt. Dafür braucht es eine kuratierte, planerische Perspektive – ergänzend zur Produktdarstellung einzelner Unternehmen. In den letzten Jahren ist bei vielen Innovationen oft von "Ökosystemen" die Rede gewesen. Um diese Vielfalt sichtbar zu machen, haben wir uns bewusst für die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Lichtplanungsbüro entschieden, das die Brücke zwischen Technologie, Anwendungskontexten und Nutzererfahrungen schlagen kann. Lichtvision Design verfügt über ein internationales Netzwerk und entwickelt die Sonderschau in vier Bereichen, die jeweils von einem der weltweiten Standorte verantwortet werden. So bringen wir unterschiedliche kulturelle und planerische Perspektiven ein. Nach der letzten Light + Building haben wir unser Rahmenprogramm intensiv evaluiert. Formate wie die Design Plaza wurden sehr gut angenommen. "The Living Light" ist daher ein logischer nächster Schritt, um den Besucherinnen und Besuchern ein inspirierendes, sinnlich erfahrbares Erlebnis zu bieten.
Unter anderem wird der Designplus Award in Zusammenarbeit mit Stylepark während der Light + Building verliehen – um Produkte und Konzepte auszuzeichnen, die gestalterische Qualität, technische Innovation und zukunftsorientiertes Denken verbinden. Warum sind Awards für die Branche wichtig?
Steffen Larbig: Auszeichnungen wie der Designplus Award bieten den Besucherinnen und Besuchern wichtige Orientierung, indem sie besondere Produkte und Entwicklungen sichtbar machen und gezielt hervorheben. Gleichzeitig sind sie eine Anerkennung für die Unternehmen, die ihre Innovationen auf diese Weise auch kommunikativ stärker ausspielen können. Preisverleihungen sind zudem bedeutende Treffpunkte für die Branche. Sie schaffen Momente der Gemeinschaft, fördern den Austausch und stärken das Netzwerk. Ihre Bedeutung ist somit riesig. 2026 werden die IALD International Lighting Design Awards erstmals im Rahmen der Light + Building in Frankfurt am Main verliehen, bisher fanden die Preisverleihungen nur in den USA statt. Somit erhöhen wir unsere internationale Sichtbarkeit in einer für uns wichtigen Zielgruppe noch einmal deutlich.
Inwiefern kommt die Künstliche Intelligenz für die Light + Building zum Einsatz?
Steffen Larbig: Wir greifen das Thema mit der AI Lounge auf. Das ist ein erster konkreter Aufschlag. Zurzeit wird Künstliche Intelligenz auf allen Ebenen diskutiert, aber die Möglichkeiten sind in Gänze schwer zu greifen. Genau hier möchten wir Orientierung schaffen, Inspiration bieten und Antworten geben. Ich persönlich verwende ChatGPT täglich und auch die Messe Frankfurt testet bereits vielfältige Einsatzszenarien zum Beispiel für Übersetzungen oder die Erstellung von Visuals. Der Mensch als kontrollierender wie kreativer Faktor gehört natürlich dazu. Wir müssen ein Gefühl für effiziente Anweisungen an die KI entwickeln und beurteilen können, ob das Ergebnis verwertbar ist. Die Technologie bietet ein riesiges Potenzial.
Das Thema Frauen im Handwerk soll auf der Light + Building 2026 eine stärkere Sichtbarkeit erhalten – auch zeitlich passend zum Weltfrauentag am 8. März 2026. Welche Bemühungen für mehr Diversität in der Branche gibt es seitens der Messe Frankfurt, wie mit Blick auf die Initiative Women in Lighting?
Steffen Larbig: Bereits zur letzten Light + Building war "Women in Lighting" am Internationalen Frauentag auf der Design Plaza mit Talks und Vorträgen präsent. 2026 fällt der Weltfrauentag sogar auf unseren ersten Messetag und "Women in Lighting" wird erneut auf der Plaza vertreten sein. Uns ist wichtig, diesem Thema sichtbar Raum zu geben, gerade weil Frauen im Handwerk und in der Lichtbranche insgesamt stärker in den Fokus rücken müssen. Die Architektin Carla Wilkens hat uns darin noch einmal bestätigt. Sie ist eine der Gründerinnen und Gründer von Lichtvision Design und hat uns in Gesprächen über die Hürden berichtet, die sie selbst in der Branche erfahren hat. Die Leistung von Frauen und Männern wird leider auch in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Strukturen nach wie vor oft unterschiedlich bewertet. Als Institution wie auch persönlich ist es und deshalb wichtig, Flagge gegen den strukturellen Sexismus zu zeigen. Neben "Women in Lighting" heben wir auch in unserer Handwerkskampagne Frauen hervor. Die Leidenschaft für ein Thema und die Qualität der Arbeit sind nicht an einem Geschlecht festzumachen, dafür sollte sich die Branche deutlich positionieren.
Der Bereich Gebäudetechnik und Handwerk ist sehr eventlastig, vom Power Festival über die AI Lounge, der Werkstattstraße, dem Meisterfrühstück, den zahlreiche Vorträgen, dem begehbaren ZVEH E-HAUS bis zum Heißluftballon in der Agora. Warum so viel Aktion?
Steffen Larbig: Im Bereich Gebäudetechnik und Handwerk spielt die erlebnisorientierte Vermittlung eine besonders wichtige Rolle. Viele Themen lassen sich einfach besser im praktischen Umfeld verstehen als in einer klassischen Präsentation. Deshalb setzen wir hier verstärkt auf Formate, die Technik erlebbar machen, Wissen vermitteln und gleichzeitig eine Bühne für die Community bieten. Das Power Festival etwa baut auf der Werkstattstraße auf, die traditionell einen starken Ausbildungs- und Nachwuchsbezug hat. Für viele Aussteller ist das eine ideale Plattform, um der jungen Generation ihre Produkte und Innovationen zu zeigen – und zwar in einem Umfeld, das Spaß macht und aktiv einbindet. Gemeinsam mit Content Creatoren nutzen wir zudem die große Reichweite unserer Social-Media-Kanäle, um diese Themen sichtbar zu machen. Handwerk ist attraktiv, modern und vielseitig – und genau das wollen wir zeigen. Auch Formate wie die AI Lounge, das Meisterfrühstück oder das begehbare ZVEH E-Haus tragen dazu bei, technische Entwicklungen nicht nur vorzustellen, sondern unmittelbar erfahrbar zu machen. Innovationen finden in allen Bereichen der Light + Building statt – im Lichtbereich ebenso wie in der Gebäudetechnik. Die Eventformate helfen uns, diese Vielfalt angemessen abzubilden. Ein weiterer Aspekt ist die Weiterentwicklung der Messe selbst. Das Power Festival zieht 2026 aus Halle 9 in die Galerie. Mit Tageslicht und neuen räumlichen Möglichkeiten können wir das Ambiente komplett neugestalten und zwei Ebenen bespielen. Das macht das Format noch offener, lebendiger und einladender.
Parallel zur Light + Building findet zum Beispiel der House of Energy Kongress zu zentralen Fragen der Energiewende statt. Welches Signal wird mit dem Programm an die Politik gesendet?
Steffen Larbig: Die Veranstaltung an sich ist bereits ein Signal. Elektrifizierung ist die Zukunftstechnologie – die Themen, die wir abdecken, wie Energiewende und Effizienzsteigerung, betreffen global jede Industrienation. Auch die Schwellenländer suchen vermehrt nach Lösungen ihre Ressourcen und die erneuerbaren Energien effizienter zu nutzen. Das abzubilden ist für uns als Messe ein wichtiger Auftrag, da wir eine internationale Reichweite haben. Parallel dazu suchen wir bewusst den Austausch mit führenden politischen Akteurinnen und Akteuren und laden sie zur Light + Building ein, damit sie sich vor Ort ein eigenes Bild von den aktuellen Entwicklungen und Innovationen machen können.
Sie leiten die Light + Building seit etwa einem Jahr, was ist eine Kernerkenntnis aus dieser Zeit?
Steffen Larbig: Die Schlagkraft unserer Themen wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit ergibt sich aus der Wechselwirkung mit der Internationalität und Innovationskraft der Aussteller sowie unserer Angebote. Ebenso wichtig ist unser weltweites Netzwerk: Mit Veranstaltungen in verschiedenen Ländern können wir die Light + Building dort präsentieren, wo die Märkte entstehen und Unternehmen vor Ort gezielt erreichen. Die Dringlichkeit für zukunftsweisende Lösungen wird weiterwachsen, und genau deshalb ist die Light + Building der zentrale Anlaufpunkt für die Branche.







