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"Lama" von Gio Ponti

Starkes Erbe

Das italienische Familienunternehmen Olivari fertigt seit 1911 Türdrücker und hat seitdem mit berühmten Kreativen wie Gio Ponti wegweisende Entwürfe realisiert. Wo steht Olivari aktuell? Wir haben mit Antonio Olivari gesprochen.
von Anna Moldenhauer | 13.11.2019

Anna Moldenhauer: Maestro Olivari, was ist die Philosophie von Olivari?

Antonio Olivari: Unser Unternehmen wurde 1911 gegründet – wir haben unseren Weg über die Arbeit und die Zeit gefunden. Wir nutzen fortschrittliche Technologien, aber vergessen dabei nicht unsere handwerklichen Wurzeln in der Messingverarbeitung. Die Kombination aus Fortschritt und Erfahrung ist für uns entscheidend. Olivari ist zudem ein Familienunternehmen in der dritten Generation, die Liebe zum Handwerk ist in unsere DNA. Alle meine vier Brüder arbeiten im Unternehmen und haben dort ihre eigenen Gebiete. Uns ist es wichtig spontan und offen zu bleiben, dabei aber die Bodenständigkeit und Zugehörigkeit nicht zu verlieren.

Wie hat sich die Designsprache des Unternehmens verändert, als Alessandro Mendini Art Director wurde?

Antonio Olivari: Wir haben Alessandro im Jahr 1989 kennengelernt. Er hat die Produktentwicklung von Beginn an stetig beeinflusst – auch als Art Direktor hat er noch selbst Produkte für Olivari entworfen, zum Beispiel aus Polyester. Das war damals für uns neu, wie auch vieles Weitere was er angeregt hat. Die Zusammenarbeit mit ihm war wichtig für die weitere Ausrichtung des Unternehmens.

Neben Alessandro Mendini hat Olivari über die Jahre mit zahlreichen namhaften Designern und Architekten zusammengearbeitet. Warum ist es Ihnen wichtig, viele Kreative an Bord zu haben?

Antonio Olivari: Wir versuchen stets ein neues Design zu erfinden, den Türgriff neu zu denken. Dafür braucht es unterschiedliche Ansätze, unterschiedliche Persönlichkeiten. Zudem sind uns die Beziehungen zu den Kreativen, zu den Menschen sehr wichtig. Wir inspirieren uns gegenseitig. Jeder Türgriff, den Sie bei uns im Portfolio sehen, hat eine Geschichte. Es ist häufig der Fall, dass der Designer des Türgriffs auch der Architekt des Gebäudes ist, für den die Türgriffe bestimmt sind. Wie bei "Lama", den Gio Ponti für Olivari entwarf und der für die Architektur des berühmten Pirelli Skyscraper maßgeschneidert wurde. Das Ziel ist es alles aus einem Guss gestalten, das Gebäude so weit wie möglich charakterisieren.

Wie sieht für Sie der perfekte Türdrücker aus?

Antonio Olivari: Wir verfolgen bei jedem Produkt die Entwicklung vom ersten Prototyp bis zur Realisierung mit und auf diesem Weg verändert sich auch unsere Vorstellung was jeweils perfekt wäre. Dazu kommen die Rahmenbedingungen der Technologie – nicht alle Ideen sind sofort technisch umsetzbar. Ein weiterer Punkt ist das Umfeld, für das die Türdrücker entworfen wurden. Unser Anspruch ist für jedes Projekt, für jeden Türdrücker, ein Maximum an Qualität zu bieten. Diese Perfektion zu erreichen ist jedes Mal aufs Neue ein Prozess.

Präsentation von Olivari auf dem Salone del Mobile 2019

Die Produktion von Olivari sitzt seit Beginn in Borgomanero in der Region Piemont, warum hat sich die Familie nie für einen Standortwechsel entschieden?

Antonio Olivari: In Borgomanero können wir den gesamten Produktionszyklus an einem Ort realisieren und auch die Qualität des Produkts überwachen. Der Kunde weiß, was er bekommt und dass er sich auf uns verlassen kann. Das geht bis in die Details, wir gravieren unser Logo zum Beispiel mit einem Laser in die Oberfläche ein, statt es aufzudrucken. Dazu ist jedes Produkt mit einem Code versehen, mit dem sich jeder Produktionsschritt nachvollziehen lässt – und das über die letzten fünfzehn Jahre! Dieser Service für den Kunden gehört für uns zu einem stimmigen Gesamtbild. Olivari hat ein starkes Erbe und dazu gehört auch die Verlässlichkeit, die Beständigkeit der Qualität. Wenn ein Architekt wie Antonio Citterio an einen neuen Türdrücker denkt, kann er sich auch auf unsere Kompetenz verlassen. Das ist sehr wichtig, allein wenn man schon daran denkt wie oft eine Tür am Tag geöffnet und geschlossen wird.

Was sind Ihre Pläne für die nächsten Jahre?

Antonio Olivari: Für uns ist es wichtig, das starke Erbe weiterzutragen und in Form von Ausstellungen und kulturellen Events regelmäßig mit neuem Leben zu füllen. Ab dem 27. November 2019 wird beispielsweise in der Ausstellung "Gio Ponti. Amare l’architettura" im MAXXI Museo nazionale delle arti del XXI secolo (MAXXI) in Rom die Architektur von Gio Ponti vorgestellt. Dazu zählen natürlich auch die Produkte, die er für seine Projekte entworfen hat, wie die Türdrücker. Da kommt Olivari ins Spiel. Wir möchten einen tiefen Einblick in den Entwurfsprozess geben, auch in die Prototypen. Die starke Beziehung zwischen Gio Ponti und Olivari soll aufgezeigt werden.


Gio Ponti. Amare l’architettura
MAXXI Museo nazionale delle arti del XXI secolo (MAXXI)
Via Guido Reni, 4A
00196 Rom

Ab dem 27. November 2019 bis 13. April 2020

Öffnungszeiten:
Di – So: 10 – 19 Uhr

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