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Simon Schmitz

Lichtmaschinen

Er bewege sich irgendwo zwischen Gestaltung, Bildhauerei und Puppenspiel, meint Simon Schmitz über seine Arbeit als Leuchtendesigner. Fest steht: Der Wahlberliner ist ein Tüftler, der das Licht wie einen Werkstoff inszeniert.
22.12.2022

Nina C. Müller: Du hast Kunst und Design studiert. Wie kam es, dass du dich auf Leuchten spezialisiert hast?

Simon Schmitz: Die Beleuchtung stellt für mich einen besonders ungezwungenen Bereich in der Innenraumgestaltung dar. Lampen können als stiller Diener fungieren oder zum Kernstück des Raumes werden. Sie haben viele unterschiedliche Dimensionen, die man beispielsweise in einem Stuhl nicht findet. Man kann sie rein funktional gestalten oder mit viel künstlerischer Freiheit. In meiner Arbeit gehen diese beiden Richtungen Hand in Hand. Das eine bedingt das andere.

Was fasziniert dich besonders?

Simon Schmitz: Ein gemeinsamer Nenner in meinem Portfolio ist die Mechanik. Seit meinem Studium experimentiere ich mit Funktionsprinzipien von Gelenken und der Inszenierung von Balanceakten. Es muss sich aber keinesfalls immer etwas bewegen, um zu faszinieren. Gerade mit Licht kann man auch stationären Objekten Lebendigkeit einhauchen. Ich interpretiere es als Material, das zwar nicht greifbar ist, aber mit allen anderen Materialien um sich herum interagiert. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Leuchtendesigns — und damit kann man spielen. Daher betrachte ich meine Arbeiten auch häufig als Skulptur.

Was macht eine skulpturale Leuchte aus?

Simon Schmitz: In diese Objekte versuche ich eine Form von Dramaturgie oder eine eigene Geschichte zu bringen, ohne dass ich selbst viel dazu sagen muss. Für mich werden Leuchten mit Bildhauereien vergleichbar, wenn sie eine eigene Präsenz im Raum haben — egal, ob eingeschaltet oder nicht. Ein Beispiel ist die Serie "Y3", deren Federspiel skulptural anmutet, obwohl es sich eigentlich um recht filigrane Konstrukte handelt. Interessant ist, dass es nicht immer viel Material braucht, um Präsenz zu erzeugen. Ähnlich ist es bei der gläsernen, monolithischen Stehleuchte "Dia", die eigentlich als dezenter Begleiter gedacht ist. Durch ihr Spiel mit Transparenzen vermag sie eine Geschichte zu erzählen.

"Y3"
"KNX"

Wie sieht dein Gestaltungsprozess aus?

Simon Schmitz: Wenn ich mit Auftraggebern zusammenarbeite, sind deren Vorstellungen in der Regel recht allgemein. Dann liegt es an mir, eine geeignete Richtung für das jeweilige Unternehmen zu finden. Ich fange mit kleinen Strichzeichnungen an, die auf dem Papier zunächst wenig hermachen, in denen ich allerdings etwas sehe, das mich inspiriert. Später probiere ich mich im Material aus, um Gefühle für Proportion und Materialität zu entwickeln. Vorrangig am Computer zu arbeiten, fällt mir schwer – eine Eigenart, die noch aus dem Kunststudium und meiner dortigen Praxis in Werkstätten stammt. Gerade im Leuchtendesign ist es aber auch unabdingbar auszuprobieren, wie das Licht in der realen Welt fällt und reflektiert.

Und wie kommt die Mechanik in deine Objekte?

Simon Schmitz: Häufig ist es so, dass ich eine bestimmte Bewegung erzeugen möchte. Dann überlege ich, wie sich diese in ein Objekt übertragen lässt. Daraus folgt ein entsprechender Bewegungsmechanismus. Das Ergebnis kann zum Beispiel eine teleskopisch ausziehbare Schreibtischleuchte wie die "Tara" sein. Sie funktioniert mit Gegengewichten, um die Balance zu halten. Im Fall der "Aaro", die als Tisch- und Wandleuchte verfügbar ist, beabsichtigte ich uneingeschränkte Lenkungen in alle Richtungen. Kugelgelenke ermöglichen hier fließende Bewegungen.

Interessant, dass du bei all der Bewegung auch statische Vorbilder in der Architektur findest. Bei der "Specto" dosiert der Neigungswinkel der Blenden die Lichtmenge — wie bei einer Jalousie. Die Leuchte "Yalta" ist an das brutalistische Druzhba Sanatorium auf der Halbinsel Krim angelehnt, das 1983 von Architekt Igor Vasilevsky entworfen wurde.

Simon Schmitz: Genau. Ich habe ein Faible für den Brutalismus. In dem kreisförmigen ukrainischen Bau sind die Fenster auf das Meer ausgerichtet und lassen das Licht von allen Seiten ins Innere dringen. Ich habe diese Idee umgedreht, so dass das Licht gleichmäßig nach außen strahlt. Die Tischleuchte "Specto" ist inspiriert von einem Lüftungsschacht, den ich in Portugal entdeckt habe. Tatsächlich bin ich etwas neidisch auf die ArchitektInnen. Sie können hervorragende DesignerInnen sein, aber DesignerInnen sind selten gute ArchitektInnen (lacht).