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Foto: Koji Fujii, Takeshi Hosaka

Weniger ist mehr

Der Architekt Takeshi Hosaka hat in Tokio auf 19 Quadratmetern ein Zuhause errichtet, das wie ein sakraler Bau für die Genügsamkeit steht.
von Anna Moldenhauer | 09.06.2019

Ein 19 Quadratmeter großes Grundstück in Tokio, eng eingefasst zwischen drei Häusern: Das bietet gerade einmal Platz für einen PKW, sollte man meinen. Für den Architekten Takeshi Hosaka reichte die Fläche für sein neues Zuhause. Die Stahlbetonkonstruktion des einstöckigen "Love2House" streckt sich zwischen den angrenzenden Gebäuden in die Höhe und schließt mit Dachkurven aus verzinkten Aluminiumplatten. Sieben Trennwände und eine schmale Treppe teilen im Inneren die Wohnbereiche auf. Den Mangel an Tageslicht hat Hosaka mit einer verglasten Front gelöst. Zudem lassen die gebogenen Dachkurven zwei Oberlichter frei, durch die das Sonnenlicht tief in den Raum fallen kann.

Mit einer Küche, einem offenen Essbereich, ausreichend Stauraum und Zonen für den Rückzug ins Private, bietet das kleine Haus alle Funktionen, die das Ehepaar Hosaka im Alltag benötigt. Über eine Schiebetür kann der Zugang zum Erdgeschoss des Hauses weit geöffnet werden – ein Schachzug, der die Wohnfläche trotz seiner minimalen Größe auch von außen stets offen und hell wirken lässt und die spontane Kommunikation mit der Nachbarschaft fördert. Inspiration für die Reduktion auf das Wesentliche fand der Architekt in den philosophischen Lehren des Epikureismus, die im 4. Jahrhundert vor Christus aufkam. Demnach ist das langfristige Erreichen des inneren Friedens durch Genügsamkeit und ein Leben im Einklang mit der Natur möglich. 

Foto: Koji Fujii, Takeshi Hosaka
Foto: Koji Fujii, Takeshi Hosaka
Foto: Koji Fujii, Takeshi Hosaka
Foto: Koji Fujii, Takeshi Hosaka
Foto: Koji Fujii, Takeshi Hosaka
Foto: Takeshi Hosaka