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Moritz Bannach

Portrait
Einfach loslaufen

Moritz Bannach hat mit der Tischkollektion "UNO" sein eigenes Studio gestartet. Wir haben mit ihm über Luftschlösser und Aha-Erlebnisse gesprochen.
von Anna Moldenhauer | 28.02.2020

Ein Tisch mit Charakter: "Abbondio". Mit gut drei Metern Länge und zwei über Kreuz angeordneten Beinen wirkt er massiv. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich sein modularer Aufbau, der es erlaubt, ihn dank eines Stecksystems in sieben Teile zu zerlegen. Die kräftige Farbgebung mit Abschnitten in Rose, Orange, Grün und Rot setzt zusätzlich Akzente. "Ein Objekt sollte für sich stehen", sagt Moritz Bannach. Der Designer hat "Abbondio" erdacht und mit drei weiteren Ess- und Konferenztischen die Kollektion "UNO" geformt. "UNO" scheut keine Kontraste: In Form und Farbe ist der Tisch das klare Zentrum des Raumes, überlädt diesen aber nicht mit seiner Präsenz. Puristisch sein, aber dennoch Farbe zeigen, lautet die Formel. "Farben begleiten mich seit meiner Kindheit", erzählt Bannach. Seine Mutter, eine Grafikdesignerin, habe ihm Kunst nähergebracht. Arbeiten der Mailänder Gruppe Memphis sowie von Josef Albers, Donald Judd oder Barnett Newman inspirieren ihn. Die eigenen Entwürfe beginnen meist mit einer freien Skizze, bis die Formsprache klar wird. Dann geht es in die Detailarbeit.

Für die Produktion der Tische fand er in seinem Wohnort Berlin Handwerksbetriebe, mit denen er seine Ideen Schritt für Schritt umsetzen konnte. "Der persönliche Austausch und das Fachwissen der Handwerker ist für mich wahnsinnig wichtig; man lernt worauf es bei der Verarbeitung des Materials ankommt", so Bannach. Das er den Weg zum Designer einschlagen würde, war nicht von Beginn an klar. "Ich bin Autodidakt", sagt er. Der vermeintliche Makel, Landschaftsarchitektur studiert zu haben, gibt ihm heute die Freiheit abseits der vorgegebenen Wege zu denken. Der Eintritt in die Möbelbranche kam durch einen Studentenjob beim Berliner Einrichtungshaus Dopo Domani. "Ein AHA-Erlebnis, durch das ich in die Welt des Interiordesigns gezogen wurde", so Moritz Bannach. Der einstige Aushilfsjob entwickelte sich zu einer langjährigen Mitarbeit – das Team nahm ihn mit zum Salone del Mobile nach Mailand und zur imm cologne, band ihn ein in die organisatorischen Abläufe zwischen Händler, Hersteller, Designer und Architekt. "Von diesem Wissen profitiere ich heute noch", sagt Bannach. Währenddessen wuchs in seinem Kopf die Idee eines eigenen Studios heran. "Zuerst war das nur ein Luftschloss, aber irgendwann habe ich es einfach probiert", erzählt er.

Das Label BANNACH ist seit 2018 Realität, für "UNO" gab es bereits die ersten Designpreise. Zur diesjährigen imm cologne wählte der Hersteller Interlübke seinen Tisch "Abbondio" aus, um ihn in dessen Jahresfarben Burgund und Interblue auf dem Messestand zu präsentieren. "Eine riesen Chance", so Moritz Bannach. Parallel unterstützt er aktuell durch seine Mitarbeit das Voranschreiten des Bauprojekts "Am Tacheles" in Berlin vom Architekturbüro Herzog & de Meuron. Zum Salone del Mobile 2020 plant er zudem mit "Abbondio" einen Beitrag für eine Gruppenausstellung im Herzen des Mailänder Designbezirks Brera. Für die kommenden Produkte sollen kleinere Dimensionen und andere Materialien eine Rolle spielen: Bannach experimentiert mit Glas, Keramik und Naturstein. "Ich bin gespannt, was noch kommt", sagt er.

"Abbondio" by BANNACH