3daysofdesign 2026 – Review
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"Wir leben in Zeiten, die von Chaos, Verwirrung und gefilterten Realitäten geprägt sind. Das Ergebnis ist eine Sehnsucht nach Tiefe. Make This Moment Matter ist eine fesselnde Erinnerung daran, dass der gegenwärtige Moment der Ort ist, an dem wir am stärksten wirken können.", so Signe Byrdal Terenziani, Managing Director der 3daysofdesign. Seit der Gründung im Jahr 2013 mit Montana, Erik Jørgensen (heute Fredericia Furniture), Anker & Co und Kvadrat in einem alten Lagerhaus in Nordhavn ist das Event immens gewachsen: 2025 präsentierten sich laut Angaben der 3daysofdesign über 460 Aussteller in Kopenhagen, die Gäste konnten aus bis zu 600 Veranstaltungen wählen. Und mag man dem Flurfunk glauben, wird die Plattform für die Branche weiter an Bedeutung gewinnen.
Viele Unternehmen haben bereits feste Showrooms in der Stadt, die mit dem Fahrrad oder der Metro gut erreichbar sind und selbst die temporären Flächen sind meist zentral gelegen, was die Planung erleichtert und die Wege kurz hält. Sollte man sich nicht gerade in den von Touristen bevorzugten Gegenden Nyhaven oder Indre By befinden, ist es auch noch möglich die Ausstellungen entspannt zu erleben, anstatt sich durch Menschenmassen schieben zu müssen, wie bei "Framing", "House of Hay" oder der "Frederiksgade 1". "Framing" zeigte zum Beispiel in diesem Jahr 51 Brands und begrüßte rund 22.000 Gäste. Die 3daysofdesign sind im Stadtbild mit Ballons und Plakaten, Blumen und liebevoll dekorierten Fingerfood erkennbar, aber dominieren dieses nicht. Die meisten Schauen sind ohne Anmeldung und VIP-Listen zugänglich, und wenn am Eingang Einlasskontrollen stattfinden, dann sind diese meist entspannt und gut organisiert. Lange Warteschlangen sah man somit eher vor den auf Social Media aktuell angesagten Bäckereien wie "Hart" oder "BUKA", um noch eines der köstlichen Plunderteilchen zu bekommen, das von den Dänen Wienerbrød genannt wird.
Diversität statt Gleichklang
Erfreulicherweise waren in diesem Jahr die experimentellen Arbeiten der jungen Kreativen präsenter. Diese zeigten deutlich, dass die Annahme sich in Zukunft nicht mehr bewahrheiten wird, skandinavisches Design bedeute vor allem ein Verweis auf Tradition, die Verarbeitung von hellem Holz und formal klare Linien. Die Plattform "Deoron" wechselte nach ihrem Auftritt in Mailand erstmals nach Kopenhagen: In einer Zwischennutzung auf Christiansholm aka Paper Island versammelte sie in einem Rohbau auf 600 Quadratmetern über 50 internationale und lokale DesignerInnen. Ziel war es, die Beziehung zwischen zeitgenössischem Design, Klang und Lifestyle-Kultur zu erkunden. Der Gründer Alberto Pallaoro und sein Team möchten zum Dialog und zur Reflexion über die verschiedenen Facetten des Designs anregen – unabhängig von der Größe oder dem Marktsegment der Produkte. Zu den Arbeiten gehörte der "Plane Tree Stool" von Dublo Studio aus Holz, der aus Faserplatten besteht, die oft unbemerkt hinter Verbundfurnieren verborgen bleiben. Deren Oberflächen wurden mit grafischen Elementen verziert, die von der Rinde der Platane inspiriert sind. Für jeden verkauften Hocker pflanzt Dublo Studio im Rahmen des Projekts wald.de in Deutschland einen Baum.
Nick Beens Studio zeigte den stapelbaren "Loki Stool" aus massivem Eschenholz, das robust und langlebig ist. Vincent Lane faltete für den "Incremental Chair" ein durchgehendes Edelstahlblech vier Mal, zusätzliche Bauteile werden überflüssig. Das skulpturale Ergebnis hat eine industrielle Ästhetik, parallel bestimmt die Form das Gleichgewicht und die Funktion des Stuhls. Möbel aus Metall waren generell in Kopenhagen auf dem Vormarsch, zum Beispiel in Form des Regals "Fabbrica del Vapore", designt von Anastasia Ballistreri, die ihr Büro BYAXB erst vor einem Jahr in Veneto gegründet hat. Wie man eine eindrucksvolle Raumskulptur aus den eigenen Produkten erstellt, die nach dem Event komplett wiederverwertet werden kann, zeigte Stapelstein®: In Marshmellowrosa getaucht, streckten sich drei Säulen Balanciersteine aus erweiterbarem Polypropylen in unterschiedlichen Abstufungen der sieben Meter hohen Decke entgegen.
In der facettenreichen Ausstellung Framing, die zahlreiche Unternehmen und Kreative in dem historischen Odd Fellow Palace und im Harsdorff House zusammenbrachte, zeigte auch die Norwegian Delegation einen Auszug aus ihrem Können. Darunter "Built by Design", eine Ausstellung des Kurses "Critical Reflection", den die Designerin Madeleine K. Wieser als Assistenz-Professorin an der OsloMet Product Design leitet. "Ich bat die Studierenden, den Maßstab zu wechseln: von eigenständigen Objekten hin zu architektonischen Elementen, und sich mit den für die gebaute Umwelt zentralen Materialkategorien auseinanderzusetzen: Holz, Textilien, Metall und mineralische Werkstoffe.", sagt sie. Jede Kategorie wurde mit Partnern aus der Industrie verknüpft, sodass die Projekte mit realen Materialien, Produktionsprozessen und industriellen Kontexten entwickelt werden konnten. Erik Røseid konzipierte "Intro", eine Klimaanlage für Luft-Luft-Wärmepumpen, die sich nahtlos in Wohnräume einfügt. Das konsolenartige Objekt besteht aus Eschenfurnier und bietet eine austauschbare Valchromat-Front.
Åshild Limstrand und Ariel Hammer zeigten indes "Gjenreis" (Wiederaufbau"), ein modulares, mörtelfreies System aus Holz für wiederverwertete Ziegelsteine. Mit diesem können flexible Innenwände für Umgebungen wie Restaurants, Hotellobbys und Großraumbüros erstellt werden. "Das Projekt und der Schwerpunkt hatten für mich und meine Mitstudierende eine transformative Wirkung auf unsere Sichtweise, was Design sein kann. Wir haben erfahren, dass es Potenzial für neue Produkte gibt, die für einen breiteren Markt wie die Bauindustrie mit neuen Materialien und Methoden hergestellt werden. Dies als Teil der grundlegenden Designausbildung zu betrachten, halte ich für unerlässlich, um ein echtes Gespür für kritische Reflexion in der Designpraxis zu entwickeln.", so Røseid.
Die Königlich Dänische Akademie – führend in Skandinavien in den Bereichen Architektur, Design und Konservierung, präsentierte mit "Here & Now, Design in Dialogue" eine Ausstellung mit 32 Exponaten der Studierenden im Fachbereich Design. Dessen Form und Funktion sind von der Antike inspiriert, gestützt von einer Zusammenarbeit mit einem ägyptischen Möbelhersteller. "'Here & Now' untersucht, wie sich Design über Generationen hinweg entfaltet. Es zeigt, wie wir historische Vorgänger nicht als Einschränkung, sondern als produktives Erbe verstehen – etwas, von dem wir lernen, das wir bearbeiten und interpretieren", so Nicholas Rhodes, Leiter des Instituts für Design, Produkt und Material. Und fügt an: "Bei gutem Design geht es um Fürsorge – nicht nur um Funktion oder ästhetischen Ausdruck. Fürsorge für die NutzerInnen, für den Hersteller, für das Material und die Menschen wie Orte, denen ein Design dienen soll", so Nicholas Rhodes. Die Schau spiegelt somit das langjährige Engagement der Akademie für Design als kulturelle und gesellschaftliche Praxis wider. Die Studierenden Finn Joel Sintermann und Johan Nejsum Madsen präsentierten beispielsweise einen leichtgewichtigen Hocker, dessen Sitz sich durch Hinzufügen oder Entfernen von einzelnen Holzstücken verändern lässt. Inspiriert ist dieser von einem Stuhl, der einst im Grab des ägyptischen Königs Tutanchamun gefunden wurde.
Die Ausstellungsplattform und Kreativgemeinschaft Ukurant, 2019 von Kasper Kyster, Josefine Krabbe, Kamma Rosa Schytte und Lærke Ryom gegründet, öffnete ihre Türen zu 26 experimentellen Arbeiten, um Formen und Konventionen stetig neu zu verhandeln. Ziel ist es Raum zu schaffen für Diskussionen über Produktion, neue Materialien und gängige Vorstellungen im kommerziellen Design. Die Ausgabe 2026 fand in der Fabrikken for Art & Design statt, eine ehemalige Wäscherei in Sundholm, in der sich heute Dänemarks größtes Ateliergebäude für professionelle KünstlerInnen und DesignerInnen befindet. Zu den gezeigten Arbeiten gehörten unter anderem der Stuhl "Cabin Bag" von Anton Defant, der bereits mit seiner Diplomarbeit, dem Faltsofa "Ballast" vor zwei Jahren begeisterte, "Nippon/Snegl" von Russo Betak, die in diesem Jahr auf dem Salone del Mobile mit dem SaloneSatellite Award auszeichnet wurden oder der Hocker "Lecrease" von Friedrich Gerlach, dessen minimalistische Form durch die Eigenschaften von recyceltem Leder bestimmt wird. Antonia Fischer wählte ihren Stuhl "Trauer tragen": Mittels des Abformens und Neuinterpretierens von Spuren ihres Großvaters, wie Texturen von Textilien oder Fingerabdrücke, verarbeitete sie die Last der Erinnerung nach dessen Tod nicht nur emotional, sondern auch räumlich und materiell. Das Duo Oberdoerfer & Krebs schafften es indes mit dem Hocker und Stuhl "Bend" dem 3D Drucker ein dynamisches Ergebnis abzuringen, das weniger offensichtlich als bisher gewohnt auf dessen Herstellungsprozess hinweist.
Zum ersten Mal präsentierte das "Homo Faber Fellowship", das jährlich von der Michelangelo Foundation for Creativity and Craftsmanship geförderte Handwerksausbildungsprogramm, seine Jahresausstellung auf den 3daysofdesign. Die Ausstellung "Today’s Masters Meet Tomorrow’s Talents" in der Bianca d’Alessandro Gallery war zuvor auf der Milan Design Week zu sehen und rückte die gemeinsam geschaffenen Objekte in den Mittelpunkt, die im Laufe von sechs Monaten von den 22 Duos aus MeisterhandwerkerInnen und Nachwuchstalenten entworfen wie handgefertigt wurden, die an der dritten Ausgabe des Fellowship teilgenommen haben. Die kuratorische Plattform MÆRK, die zeitgenössisches Design unter den Gesichtspunkten Material, Haptik und Form untersucht, brachte im Kvindernes Bygning und Hotel Cecil dänische und internationale DesignerInnen in einem nicht-kommerziellen Ausstellungsformat zusammen, darunter Ineke Hans, Rikke Frost, Anne Boysen und Mette Scehlde. Die Plattform von Designerin und Kuratorin Rikke Hagen sieht das Materialverständnis, sensorische Eigenschaften und räumlichen Kontext als zentrale Triebkräfte der Designpraxis und positioniert das Ausstellungsformat als kritischen und kommunikativen Rahmen.
Den Alltag gestalten
Vermeintlich banale Gegenstände erhielten dank kreativer Perspektiven eine neue Aufmerksamkeit: Das Goethe-Institut präsentierte mit "Stop/Go" eine von den Designern und Innenarchitekten Robert Hahn und Jacobo Cuesta Wolf kuratierte Ausstellung, die den Türstopper beleuchtete, unter anderem mit Arbeiten von Alexander von Dombois, Lisa Ertel & Anne-Sophie Oberkrome oder Marie Luise Stein – aus unter anderem massivem Stahl, Stampflehm, Stein oder Teppich. Mit "Knife, Fork, Spoon 3.0" erkundete die Galerie Marta aus Los Angeles gemeinsam mit dem Kurator Dung Ngo die Zukunft des Essbestecks. Zwölf internationale Kreative wurden eingeladen, zeitgenössisches Besteck mittels 3D-Druck aus Edelstahl neu zu denken. Bankston und For Scale zeigten mit "How to handle" eine Schau, die sich um den Türgriff als Gebrauchsgegenstand und künstlerischen Ausgangpunkt drehte, inklusive einem Video des Filmemachers Matthew Donaldson sowie Designs und Grafiken von Currie Ritchie, Caleb Engstrom und Lowrie.
Die Ausstellungplattform "Bread and Butter" untersucht alltägliche Rituale anhand des Konzepts von Objektpaaren, die in Buchhandlungen, Salons, Restaurants oder auf Parkplätze präsentiert werden. Zur zweiten Ausgabe in Kopenhagen stand das Thema "Baden" im Fokus: 16 eingeladene DesignerInnen übersetzen ihre eigenen Routinen und kulturellen Hintergründe in ein jeweils perfektes Gegenüber. Die interdisziplinäre Plattform für experimentelles Design "Objects May Vary" lud zu ihrem Debut aufstrebende DesignerInnen dazu ein, sich mit einer bestimmten Objekttypologie auseinanderzusetzen und diese als Ausgangspunkt, statt als Vorgabe zu nutzen. Die Idee basiert auf der Überzeugung, dass Typologien keine Einschränkungen, sondern generative Rahmenbedingungen sind: wiederkehrende Formen, die, wenn sie hinterfragt werden, Raum für neue Ideen, Materialien und Ansätze schaffen. 23 DesignerInnen setzten sich mit dem Alltagsgegenstand der Garderobe auseinander – je nach Perspektive materiell, funktional oder konzeptionell. Zeitgenössische Ansätze für vertraute Typologien: Auch zur Milan Design Week war das in den letzten Jahren ein Thema: Yoko Choy und S—3 kuratierten "Chopsticks", für die die Form der Essstäbchen neu gedacht wurde. Keiji Takeuchi stellte "walking sticks & canes" in der Triennale Milano aus, für die Schau wurde der Gehstock als Designobjekt und seine kulturelle Bedeutung erforscht.
Denkmal beleben
Immer einen Besuch wert, aber zu den 3daysofdesign besonders zu empfehlen, sind die Museen der Stadt: In der Lobby des Danish Architecture Center (DAC) konnte die Installation "This is Not a Forest" erlebt werden, in der sich der Weg des Holzes – vom Rohstoff bis zur Architektur – durch Licht, Klang und Duft entfaltet. Material und der Entstehungsprozess stehen im Mittelpunkt und sollen zeigen, dass es beim Design nicht nur um die Form geht, sondern um die Entscheidungen, die unsere Umgebung prägen. Die Installation wurde vom Kopenhagener Design- und Architekturstudio Archival entwickelt, das 2018 vom Architekten Emil Roman Frøge gegründet wurde. Für die Realisierung stellte das Dinesen Lab Holzreste aus der eigenen Produktion der Dielenböden zur Verfügung. Die Exponate sind komplett wiederverwertbar. Im Design Museum Denmark wurde ein Pavillon vom dänischen Modedesigner und Künstler Henrik Vibskov enthüllt, der über den Sommer hinweg für Gäste geöffnet bleibt. In diesem wurden zu den 3daysofdesign Vorträge und Talks rund um das Thema Gestaltung, Konsum und Verantwortung angeboten. Ab September zeigt das Museum zudem eine Ausstellung zum interdisziplinärem Werk von Vibskov. Darüber hinaus wurde anlässlich des 100. Geburtstag von Verner Panton im gesamten Haus eine Auswahl an Möbeln und Leuchten des berühmten Designers ausgestellt.
Dem Sound als Teil der Installationen wurde generell ein höherer Stellenwert eingeräumt als bisher, wie mit Blick auf den "Fritz Hansen Sound Club". Dieser untersuchte, wie Klang die Wahrnehmung von Möbeln, Licht und Materialien im Raum prägt. Die Installation erstreckte sich über drei miteinander verbundene Bereiche – Hörlounge, Innenhof und Laden – und vereinte Hörräume, Aufnahmen von der Herstellung von Fritz-Hansen-Möbeln sowie Live-DJ-Sessions. Beim Wechsel zwischen diesen Räumen könnten die Gäste das Design somit auch durch Klang erleben, darunter eine eigens für die Installation produzierte Original-Vinylplatte.
Für "Objects of Desire", kuratiert von Birgitte Due Madsen, öffnete das historische Thorvaldsens Museum von 1848 sein Erdgeschoss. Die zeitgenössischen Exponate traten so in einen spannenden Dialog mit den teils meterhohen Skulpturen des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen (1770–1844), den kunstvolle Mosaikböden, satten Wandfarben und detaillierten Deckenmalereien. Die Ausstellung zeigte Werke von unter anderem August Wille, Maison Arpelli, Edoardo Lietti, Francesca Torzo, Seamus Kowarzik oder Kevin Hviid. Der gemeinsame Fokus lag auf Langlebigkeit, Materialverantwortung und durchdachter Produktion. Gefragt, wie sie die in jedem Jahrhundert viel diskutierte Auslegung von "Schönheit" definieren würde, sagte Due Madsen, dass es abgesehen von dem subjektiven Empfinden und der jeweiligen kulturellen Prägung "eine Art soziale Disziplin" wäre, bei der es um Rhythmus und Maßstäbe gehe und darum, zu verstehen, wie Teile zusammenpassen. "Schönheit bedeutet auch, die gesamte Komposition zu kennen und mit Gleichgewichten und Nuancen zu arbeiten". Die tschechische Design-Leuchtenmarke Bomma zeigte ihre Installation "Fragments of Light " aus upgecycelten Kristallsplittern im restaurierten Hofteatret (Teatermuseet), inklusive Live-Performance einer Ballerina. Das historische Theater und Museum ist nach einer fünfjährigen Renovierungszeit erst seit kurzem wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Diese Ausgabe der 3daysofdesign bot eine steigende Anzahl an Ausstellungen abseits der reinen Produktpräsentationen: Die dritte Ausgabe von VÆRKTØJ (Werkzeuge), lud etablierte Namen der Szene wie Erwan Bouroullec, Foster + Partners, Tom Dixon und Pearson Lloyd sowie aufstrebende Kreative ein, wie Alvilde Holm, Sia Hurtigkarl, Kaspar Salto oder Frederik Gustav. Die Nähmaschine war die thematische Basis für die Schau in diesem Jahr – ein Werkzeug, das eine Brücke zwischen industrieller Fertigung und häuslicher Handarbeit schlägt und als Ausgangspunkt für alle ausgestellten Werke diente. Das Architekturbüro Foster + Partners entwickelte hierfür "Lomme", eine minimalistische Leuchtenkollektion aus zwei flachen, zusammengenähten Papierbögen. In der Ausstellung "Compositions" zeigte aarticles, das von Kasia Sznajder und Fred Aartun gegründet wurde und zwischen Galerie, Archiv und Verkaufsplattform changiert, handgefertigte Möbel und Objekte. Im vierten Stock eines Gebäudes aus den 20. Jahrhundert mit Blick über die Stadt konnten unter anderem die Holzskulpturen von Vince Skelly erkundet werden, die aus Prototypen für Schachspiele und Studien für eine größere Freiluftausstellung entstanden sind, die im Sommer eröffnet wird. Ihre Arbeiten waren im Rahmen der 3daysofdesign das erste Mal in Europa zu sehen.
Mit "At Odds: An Archive of Debate" boten Silvio Rebholz and Sina Sohrab ein Archiv von Debatten in der Gestaltung, das zum Lesen, Kopieren und Mitnehmen gedacht war; im Dienste einer ernsthaften Kultur des Designdiskurses unter PraktikerInnen. Die Gäste waren eingeladen, aus den von ihnen ausgewählten Texten eine Publikation zusammenzustellen. The Swiss Atelier, der offizielle Auftritt der Schweiz bei 3daysofdesign, zeigte zwei Ausstellungen: "Seeking Sails", kuratiert von Hannes & Fritz brachte in der Schweizer Botschaft zwölf DesignerInnen aus Dänemark und der Schweiz zusammen, um neue Verwendungsmöglichkeiten für ausrangiertes Segeltuch zu kreieren – darunter Arbeiten von Anna Sogaard, Maria Bruun, Alexandra Gerber, Panter & Tourron oder Daniel Schofield. Das Duo Rebholz und Sohrab kuratierte zudem die "Galerie Geberit", in der eine Auwahl der Sanitärprodukte des Herstellers aus ihrem funktionalen Kontext gelöst und wie Skulpturen ausgestellt wurden.
Parallel konnte "The Swiss Coffee Atelier" bei Original Coffee erlebt werden, unter anderem in Kooperation mit der Installation "Waste is our resource" der Schweizer Taschenmarke "Freitag". Die Plattform Material Matters, die sich der Erforschung der Rolle der Materialintelligenz in Architektur und Design widmet, hatte für ihren zweiten Auftritt in Kopenhagen viele neue Namen im Gepäck: Das Designstudio Pit-To-Table beispielsweise nutzt Olivenkerne aus der Abfallproduktion für ein neues Material; Bundle Studio präsentierte einen Loungesessel, der aus formgepressten Furnier-Schalen besteht, die mit einem Klebstoff auf Ligninbasis zusammengefügt wurden; ReCraft Design Studio arbeitet mit Abfallmaterialien von Abbruchbaustellen und Produktionsresten, um neue Produkte zu entwickeln. Die Herkunftsländer der Hersteller und Kreativen reichten dabei von Hongkong bis zur Slowakei, vom Vereinigten Königreich bis zur Ukraine. Die 3daysofdesign sind in diesem Licht längst keine Ausstellung mehr, die sich in erster Linie auf die skandinavische Branche stützt, ihr Angebot ist wie ihre BesucherInnen: international.
Gleichermaßen sehenswert waren die Exponate, die zwischen Kunst und Design zu verorten sind: Die V1 Gallery bietet noch bis zum 4. Juli 2026 die Schau "For Scale Only" mit Werken von Fryd Frydendahl, Joline Kwakkenbos, Max Lamb, Kwangho Lee, Nick Ross oder Soft Baroque. In der Ausstellung steht neben jedem Gemälde ein Stuhl als Bezugspunkt. Die Galerie Innenkreis von Zeynep Rekkali Jensen eröffnete in ihren Räumen direkt am Hafen gleich zwei Ausstellungen: "Vanitas in Use I" vereint sechs KünstlerInnen und historisches Design in einer Reflexion über Vergänglichkeit und Gebrauch. "You Can’t See It From There" ist parallel eine Einzelausstellung des Textilduos Tronhjem Rømer. Beide sind noch bis zum 8. August 2026 zu sehen.
Vergesst das Spielen nicht
Viele der etablierten Unternehmen entschieden sich die Installationen, die sie bereits in Mailand gezeigt hatten, in Kopenhagen erneut zu präsentieren. Daraus ergab sich kein Störbild – der jeweils neue Ort bot selbst bei Produkten, die man bereits gesehen hatte, eine andere Perspektive und die unterschiedlichen Ausstellungsformate neue Ansätze, um mit den AnsprechpartnerInnen ins Gespräch zu kommen. Wie mit Blick auf die "Marie Kollektion" von Freifrau oder hinsichtlich der neuen dekorativen Kollektionen von Flos in der Galerie Martin Asbæk. Teils erdachten die Unternehmen auch spielerische Installationen auf Basis ihrer Kollektionen, wie USM mit "reflecting realities" eine raumdominierende Spiegel-Installation schuf sowie mit "Greater then the sum" die modularen Komponenten im Raum schwebend inszenierte. String Furniture kombinierte vom Surrealismus inspiriert für "Faces for Spaces" die unterschiedlichen Regalkonfigurationen zu fragmentierten Gesichtszügen. Teil der Schau war die Erweiterung der Kollektion "Museum", zu der nun ein zweistöckiger Servierwagen mit Rollen zählt. Die Freude am Spiel und der Interaktion blitzte in vielen Präsentationen hervor. Georg Jensen stellte "At Play" vor, eine Kollektion an Gegenständen für das exklusive Spiel, wie ein Jojo und ein Kreisel aus Silber oder Würfel aus Silber und Edelstein. Im großzügigen Garten konnten die Gäste zudem jeden Tag eine Runde Ringwurf mit Kreativdirektorin Paula Gerbase spielen, um Preise zu gewinnen.
Einen Einblick in die finnische Designszene bot parallel Durat, dessen Mineralwerkstoff mit charakteristischem Terrazzo-Design zu etwa 30 Prozent aus recycelten Industrie-Kunststoffabfällen besteht wie recycelbar ist. Das Material ist nahtlos verklebbar, hygienisch und ideal für stark beanspruchte Bereiche. Ebenso kann es zu Arbeitsplatten, Waschbecken und Möbel verarbeitet werden, wie für das neue Regal "Palapeli" von Harri Koskinen. Im "Playroom" konnten auch Teppiche von Finarte und Exponate der Textildesignerin Johanna Gullichsen entdeckt werden. Ein kulinarischer Tipp von Herzen an dieser Stelle: Der Presselunch vom finnischen Küchenchef und Autor Sami Tallberg war ein Highlight. Wenn Sie einmal das Glück haben von ihm bekocht zu werden, wissen Sie was ich meine. Jeppe Hein zeigte in Kooperation mit Creator Projects für Postbyen die interaktive Wasserskulptur "Something Between Us". Heins Praxis lädt zum Spielen, zur Präsenz und zur Unbeschwertheit von zwischenmenschlichen Beziehungen ein. Das Werk befindet sich in Postbyen – einem ehemaligen Industriegelände, das einst mehr als ein Jahrhundert lang das Zentrum des dänischen Postwesens war – und ist eingebettet in eine von Wandel geprägte Stadtlandschaft, in der historische Architektur und zeitgenössische Stadtgestaltung aufeinandertreffen. In diesem fungiert die Skulptur als aktives räumliches Element im öffentlichen Raum.
Tarkett zeigte beispielhaft, wie man mit den eigenen Produkten eine farbenfrohe Installation aus Teppichen schaffen kann, die begeistert und einen tieferen Sinn hat. Für "Beginnings & Endings" lud das Unternehmen Yinka Ilori, Laurids Gallée und Christian + Jade ein, Bodenbelagsmaterialien neu zu interpretieren und dabei zu erkunden, wie Kreislaufwirtschaft beim Design beginnt.
"Vergiss nicht zu spielen – es geht dabei darum, Kreativität, Neugier und Experimentierfreude am Leben zu erhalten", sagte schon Alvar Aalto. Spielen im großen Maßstab durfte man bei Vipp auf den hauseigenen Campus: "From guesthouse to playhouse", in Kooperation mit Architektur- und Designstudio mesura erdacht, erstreckte sich über den Innenhof und die Garage und verwandelte das Gästehaus mittels Textilien, maßgeschneiderten Gestaltungselementen und einer Reihe von speziell für diesen Anlass entwickelten Sondereditionen. Im Zentrum der von einem Schwimmbad inspirierten Installation befand sich eine großzügige Sitzlandschaft in Butterblumengelb, umgeben von einem umlaufenden Band aus poliertem Edelstahl. Die Vipp Drehstühle fanden neben der neuen "mesura"-Edition mit farblich passenden Textilien auch eine neue Übersetzung als Wippe oder Hochsitz. In den Räumen konnte unter anderem die neue "Vipp V4" Küche erkundet werden, die aus acht modularen Wandmodulen besteht und vollständig aus Edelstahl gefertigt wird.
Sehenswert waren zudem die zahlreichen Stuhlprototypen, wie der stapelbare "Nomad Chair" aus geformten Polypropylen für den Außenraum, der "Swivel Lounge" mit passendem Fußhocker, der dem ursprünglichen Design des Drehstuhls ein Extra an Komfort verleiht sowie der passende Barstuhl. Sehenswert waren auch die künstlerischen Positionen, wie seitens Sigurd Larsen, der den Swivel Chair mit einer Sitzfläche und Rückenlehne aus Marmor ausstattete – inspiriert von der Vipp Residence auf der griechischen Insel Kythnos. Eine Oase für die Gemeinschaft, an die sich ein eigener Kiosk, das neue Vipp Apartment, die weitläufigen Showrooms und der Vipp Supper Club anschlossen. In diesem werden von dem Familienunternehmen in regemäßigen Abständen "Long Table Dinners" mit kreativen Köpfen abgehalten. Die lange Tafel war generell auch seitens der 3daysofdesign ein Symbol für den Wunsch nach einer erstarkten Gemeinschaft, die sich mit interdisziplinären Ideen den Herausforderungen der Gegenwart stellt.
Für Alpi schuf GamFratesi in der Kreativagentur Narrow Creative "Piazza Interiore", inspiriert von der metaphysischen Aura der Gemälde von Giorgio de Chirico. Eine Abfolge von drei Räumen, die tief in das Gebäude führen, komplett verkleidet mit den variantenreichen Maserungen des Alpi-Furniers, das aus Holz hergestellt wird, das aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammt, die vom FSC® zertifiziert sind. "Die Ausstellung ist als eine Reihe kontemplativer Stimmungen konzipiert. Die Oberflächen des Alpi-Holzes sind aktive Felder, die die Architektur in eine innere Landschaft verwandeln. Verschiedene Maserungen dehnen sich aus, ziehen sich zusammen und orientieren sich im Raum, wodurch eine dreidimensionale Stille entsteht, die unsere Wahrnehmung der Umgebung ständig verändert. Es handelt sich nicht um vollständige Räume, sondern um wechselnde Zustände, Übergänge zwischen Distanz und Nähe, Präsenz und Auflösung, Offenheit und Innenschau. Jede Umgebung steht für einen Zustandswechsel, einen anderen Rhythmus, den es zu meistern gilt.", so Gam Fratesi.
Davide Groppi zeigte das Gemeinschaftsprojekt "Artistic Position in Space", das von File Under Pop in Zusammenarbeit mit Agape, Agapecasa, Garde Hvalsøe und V-ZUG präsentiert wurde. Teil von Bread & Butter, sowie parallel mit einem eigenen Showroom präsent, war auch die Küchenmarke Hjemstavn, die mit maßgefertigten Küchen und Interior Design aus Holz überzeugt. Sich an mehreren Shows zu beteiligen sowie eine eigene Schau zu organisieren, ist auf den 3daysofdesign indes ein gewohntes Bild: Die schwedische Premium-Marke für hochwertige Einbaugeräte ASKO war sowohl in der Ausstellung von Hjemstavn vertreten, wie sie ihre Produkte noch an zwei weiteren Standorten präsentierte. Dazu gehörte auch eine Zusammenarbeit mit Draga und Aurel, einem multidisziplinären Studio mit Sitz in Como, dessen Arbeit sich zwischen Kunst, Sammlerdesign und Produktdesign bewegt. Brokis wählte für den Auftritt im Rahmen der Ausstellung von Walter Knoll die neuesten Ergänzungen des Sortiments: "Arcade", "Starcloud" und "Under Pressure". Das "Kvadrat & Vitra Café" eröffnete mit Küchenchef Mikkel Karstad zum zweiten Mal im Showroom von Kvadrat – zur Freude der Gäste, denn die Cafés sind am Klubiensvej in Nordhavn, einem ehemaligen Industrieareal direkt am Hafen, noch etwas spärlich vertreten.
Secolo and Tableau setzten den Dialog, den sie zur Milan Design Week begonnen hatten, mit "Trace Modular" im "The Drawing Room" fort, einer großformatigen Weiterentwicklung des modularen Sofas "Trace", das sich mit einer Länge von bis zu 10 Metern durch den Raum schlängelte – umgeben von intuitiven Zeichnungen, die den Eintritt in den kreativen Geist symbolisierten. Auf dem Weg zu diesem passierte man zudem eine Ausstellung von Iittala, die parallel mit Hydro den monumentalen "Aalto 90 Pavilion" auf den Ofelia Plads schufen, eine sieben Meter hohe, begehbare Interpretation von Alvar Aaltos ikonischem Entwurf, gefertigt aus "Hydro Reduxa", Hydros kohlenstoffarmem Aluminium. Dieses wird an der Westküste Norwegens zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie hergestellt. Im Inneren des Pavillons wurde die "Aalto City"-Vasenkollektion – die Iittala zum Jubiläumsjahr auf den Markt gebracht hat – in Wandleuchten übersetzt.
Dornbracht präsentierte einen Querschnitt durch die aktuelle Kollektion und zwei neue Produkte von Sieger Design: Die Armaturenserie "Coya" für das Bad sowie "Hyra" für die Küche – ein multifunktionaler Wasserhahn von Sieger Design, der mit digitalem Display intuitiv bedienbar und das Wasser gekühlt wie heiß, still wie mit Kohlensäure bietet. Ebenso Teil der Ausstellung waren die zahlreichen Optionen des Dornbracht Ateliers zur Individualisierung, und die stilvolle Kooperation mit Jung für die "Serie LS", dessen gebürstete Echtmetalloberflächen jeweils perfekt zu den Armaturen passen.
Layered und Massproductions kreierten die Installation "Industrial Choreography" in der sich große, rotierende Säulen drehten, die mit schwerem Wollgarn ummantelt waren und den mechanischen Rhythmus des Webstuhls nachahmten. Die Bewegung ist eine physische Manifestation einer gemeinsamen Designphilosophie: mit der Logik der Fertigung zu arbeiten, anstatt gegen sie. Das räumliche Erlebnis wurde durch eine Klanglandschaft des Musikers Miles Molina vervollständigt, das auf den tatsächlichen Klängen der Handwebstühle im indischen Bhadoi basiert. Während Massproductions den "Astro"-Sessel von Chris Martin zeigte, legte Layered den Gästen die neue Teppichkollektion "Cord" zu Füßen. e15 zeigte im Magniberg House, das als Studio wie als Wohnraum konzipiert ist, eine neue Interpretation des "Backenzahns", jener legendäre Beistelltisch, der seit dreißig Jahren nicht aus der Szene wegzudenken ist. Ursprünglich aus Massivholz gefertigt, überraschte dieser mit clubbiger Anmutung in poliertem und gebürstetem Edelstahl, poliert messingbeschichteten Ausführungen sowie pulverbeschichteten Varianten in Blutorange und Tiefschwarz. Praktisch zudem: Die neuen Modelle sind für Innen wie Außen geeignet. Stellar Works entwickelte gemeinsam mit der japanischen Marke YKK ein Konzept zur Integration von recycelten Materialien in die Innenausstattung von Gastronomiebetrieben und setzte damit Anreize, wie verantwortungsbewusste Fertigung die Umweltbelastung verringern kann, ohne Abstriche bei handwerklicher Qualität, Materialqualität und Design hinzunehmen.
Gastfreundschaft, Kooperation und Förderung der Gemeinschaft gehören zur DNA der 3daysofdesign. Besonders ist dabei die demokratische Sichtbarkeit: Führende GestalterInnen und junge Kreative, etablierte Marken und Start-ups begegnen sich in Kopenhagen auf Augenhöhe und bieten den internationalen Gästen keine Schwellen, seien sie beruflich mit Terminvereinbarung dort oder spontan ihrer Neugier gefolgt. Diese besondere Stimmung des Events zieht stetig neue Aussteller an, wie in diesem Jahr unter anderem COR und Kinto. Im Austausch mit den Gästen und Unternehmen wurde oft die kuratierte Atmosphäre gelobt, die trotz aller Hektik die Gelegenheit für längere Gespräche und inspirierende Begegnungen lässt – wie mit Ada Ortega Camara, Visual Artist und Festival Director von CPH 60 Seconds, die ich zufällig im Deoron-Showroom traf. Zu der gewollten Entschleunigung zählt auch dem traditionelle Handwerk eine Bühne zu geben. Le Klint zeigte eigens für die Präsentation die kunstvolle Faltung der neue Pendelserie "Urchina" von Jette Sheib in drei Größen, dessen Silhouette von einem Seeigels inspiriert ist. Ebenso hat sie die Idee in eine kleine tragbare Stehleuchte übersetzt. Issey Miyake feierte ihr Debüt auf den 3daysofdesign zusammen mit dem Designstudio Atelier Oï und der Vorstellung neuer Leuchtenvarianten aus dem "TYPE-XIII Atelier Oï-Projekt". Aus plissiertem Stoff und Draht werden Leuchten geformt, um das Potenzial von "einem Stück Stoff" im neuen Kontext des Lichtdesigns zu erkunden. Die BesucherInnen durften vor Ort erleben, mit welcher Bügeltechnik der Stoff plissiert wird. Die meisten Leuchten, die auf den 3daysofdesign zu sehen waren, hatten leichte Körper aus Textil oder Papier, waren tragbar und kompakt in ihrer Form. Wie "Smultron" von Sjöberg Fjällström für New Works, die für den Leuchtenkörper zwei in Größe und Material unterschiedliche Kugeln übereinandergestapelt haben. Bomma stellte "Ollo" vor, die aus einem zylindrischen Körper und einen Glasring besteht. Lichtintensität und Farbtemperatur können intuitiv am Kopfstück eingestellt werden.
Tekla recherchierte für "The Heart of Living" die Tradition von Patchwork-Quilts: Ihre Varianten sind im Log-Cabin-Muster gefertigt, einem traditionellen Patchwork-Stil aus Nordeuropa. Präsentiert wurden diese in Aufbauten, die von Kastenbetten inspiriert sind, einem geschlossenen Bett, das in Skandinavien des 19. Jahrhunderts üblich war. Ebenfalls ausgestellt waren antike "Aussteuertruhen", ein früher weit verbreitetes Möbelstück, das von unverheirateten Frauen genutzt wurde, um Haushaltswäsche für die spätere Ehe zu sammeln. In dem Kontext immer sehenswert sind die Danish Art Workshops in der Freistadt Christiania: In den speziell ausgestatteten Werkstätten können professionelle Kunst- und Designschaffende sich um einen Residenzplatz bewerben, um ihre Ideen zu realisieren. Zu den 3daysofdesign wurde unter dem Titel "Selected Projects" Projekte vorgestellt, die in den Werkstätten entwickelt wurden. Für das Jahr 2026 stammt das Ausstellungsdesign vom dänischen Architektenduo Mentze Ottenstein, das 13 Aussteller mit einem ausgeprägten Gespür für natürliche Materialien, Handwerk und Haptik für eine Gesamtinstallation ausgesucht hat.
Die Frage, was in der aktuellen gesellschaftlichen Neuausrichtung in der Gestaltung wirklich bedeutsam ist, spiegelte sich in vielen Konzepten – passend zu dem diesjährigen Motto "Make This Moment Matter". "Für mich fängt "Make This Moment Matter" den Geist einer globalen Gemeinschaft ein, die immer reflektierter, vernetzter und entschlossener wird, Design zu schaffen, das wirklich etwas bewirkt. Es lädt uns alle ein, diesen Moment als Chance zu nutzen, bewusst zu handeln und eine Zukunft zu gestalten, hinter der wir stehen können.", so Signe Byrdal Terenziani. Die 3daysofdesign bewiesen dabei erfrischend eindrücklich, dass gemeinsames Erlebnis nicht gleich Spektakel bedeuten muss. Stattdessen trat die in Installationen übersetzte Suche nach "Safe Spaces" hervor, nach Räumen die geistige und körperliche Entspannung versprechen. Angesichts der zahlreichen globalen Krisenherde braucht es geschützte Orte, um unbeschwert über neue Ideen nachdenken und Experimenten nachgehen zu können. Die offene Atmosphäre des Events gab den Kreativen auch einen Ort für die Beschäftigung mit tiefergehenden Themen wie der kreativen Trauerverarbeitung: "Jaime, what are you doing?" war so eine sehr persönliche Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit St. Leo entstand. Die Frage hatte ihm seine Mutter stets gestellt. Das Projekt, das von Jaime Hayon als Hommage nach ihrem Tod konzipiert wurde, würdigt die Perspektive und Fähigkeiten, die sie an ihn weitergegeben hat: eine Art, die Welt mit Optimismus, Sensibilität und Fantasie zu sehen; den Glauben an Kreativität als treibende Kraft und den unermüdlichen Antrieb, nach Zielen zu streben.
Die Zügel anziehen
Zu den wichtigsten Aspekten des gemeinnützigen Modells der 3daysofdesign zählt die demokratische Sichtbarkeit, die Präsentation von Non-Profit-Initiativen und der kostenlose Eintritt für die Öffentlichkeit. Mit diesen Leitlinien schützt sich das Team bisher erfolgreich davor, das im Zuge der steigenden Beliebtheit des Events zu viele Aussteller in die Stadt drängen, dessen Angebot und Werte kein Katalysator für die positive Veränderung durch Design sind, die Signe Byrdal Terenziani stets anstrebt. Für besorgte Aufmerksamkeit sorgte daher der Testballon von "Other Circle", eine von den 3daysofdesign unabhängig organisierte Designausstellung, die sich mit "postdisziplinärer Kreativkultur" befasst und im letzten Jahr gegründet wurde. Zu ihrem Programm zählen auch Produkte von Fashionmarken, Unterhaltungselektronik und Autoherstellern – eine Vermischung, die im großen Maßstab die Milan Design Week zunehmend negativ prägt.
Das schnelle Wachstum und die international steigende Bedeutung der Veranstaltung wirkt sich zudem auf die Organisation des Events aus, was in diesem Jahr deutlicher als bislang spürbar wurde: Für die Teilnahme an der offiziellen Pressetour mussten die PressevertreterInnen erstmals via Unterschrift versichern, an jedem der meist eng getakteten Programmpunkte teilzunehmen und sich beispielsweise während längerer Aufenthalte in Showrooms nicht kurz zu entfernen, um parallel andere Schauen wahrzunehmen. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie aufwändig es für die OrganisatorInnen und Guides sein muss, den Absprachen mit den Herstellern gerecht zu werden, während man eine Gruppe versucht in Zaum zu halten, in der jede Person eigene Wege gehen will. Dennoch hatte diese Verschärfung der Bedingungen einen bitteren Beigeschmack mit Blick auf den Aspekt der demokratischen Sichtbarkeit der 3daysofdesign.
Die große Anzahl der Ausstellungen in drei Tagen zu erkunden ist mittlerweile schlicht nicht mehr möglich. Die 3daysofdesign haben sich zu einer Großveranstaltung von internationaler Bedeutung entwickelt und somit zählt eine präzise Vorbereitung für die eigenen Laufwege. Hatte man in den frühen Jahren des Events noch Freude an der spontanen Erkundung, mischt sich heute zunehmend die "Fear of Being Left Out" in den Kalender. Dazu gehört auch die Teilnahme an den spannenden Talks: So luden die 3daysofdesign die Design-Gemeinschaft mit der KI-Expertin Tey Bannerman und der Sozialunternehmerin Veronica D'Souza zum Symposium "Entering the Now" ein, um ihr Verhältnis zur Zeit zu überdenken – mit dem Aufruf, sich aktiv auf die Gegenwart einzulassen um mittels Design bedeutende Veränderungen in ökologischen, technologischen und sozialen Dimensionen zu schaffen. "In einer Zeit, in der die Welt mit sich überschneidenden Krisen und raschem Wandel konfrontiert ist, darf Design nicht spekulativ oder distanziert bleiben. Es muss sich mit der Gegenwart auseinandersetzen – als Ausdruck von Verantwortung und als Chance für sinnvolles Handeln.", so die KuratorInnen Tey Bannerman und Veronica D’Souza. Zu den Vortragenden gehörten führende Stimmen der Branche wie Paola Antonelli, Yinka Ilori, Alice Rawsthorne, Natsai Audrey Chieza und Anupama Kundoo.
Die angenehme Struktur der Schauen, der Tiefgang der Werke und die vielen frischen Ideen junger Köpfe stehen im harmonischen Zusammenspiel mit der hohen Lebensqualität, der reizvollen Architekturentwicklung der Stadt und hohen Dichte an traditionellen Designherstellern. Diese einzigartige Mischung hat die 3daysofdesign als inspirierende Plattform für die Branche unverzichtbar werden lassen. Es bleibt zu hoffen, dass die Qualitäten auch in einer größeren Dimension erhalten bleiben – um gemeinsam weiterhin neue Narrative zu gestalten.



































