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© Laufen Bathrooms AG

ISH 2019
Spielerisches Industriedesign

Konstantin Grcic hat für Laufen Waschtischlösungen für Kleinräume entworfen – auch als Antwort auf die Herausforderungen der Urbanisierung. Ein Interview.
14.03.2019

Fabian Peters: Gerade haben Sie für den Sanitärhersteller Laufen ihre Serie "Val" um eine Reihe kleinformatiger Waschbecken ergänzt. Hat diese Ergänzung der Kollektion auch eine programmatische Note?

Konstantin Grcic: Sie hat durchaus eine programmatische Note. Für mich als Entwerfer sind kleine Räume höchst spannend. Ich hatte sofort sehr konkrete Situationen vor Augen: das kleine Bad, die Gästetoilette – Räume, die selten im Vordergrund stehen. Mit denen habe ich mich jetzt auseinandergesetzt.

Die neuen kleinen Waschbecken und -tische für die Kollektion "Val" zeigen nicht die kompromisslose Sachlichkeit in der Formensprache, die die vorhandenen Modelle besitzen. Was ist der Hintergrund dieser Entwicklung?

Konstantin Grcic: Als Laufen mich vor rund fünf Jahren einlud, mit dem Material Saphirkeramik zu arbeiten, waren meine ersten Entwürfe sehr forschend, sehr spielerisch, sehr frei. Bei den neuen kleinen Waschtischen haben wir uns entschlossen, diese frühen Entwürfe mit ihren spielerischen und intuitiven Elementen wieder aufzugreifen.

Ich finde tatsächlich, dass bei diesen neuen, kleinen Formen der Charakter des Industriedesigns noch wesentlich prägnanter heraustritt, als bei den großen Stücken.

Konstantin Grcic: Das hat vielleicht mit der Erfahrung aus den beiden vorausgegangen Entwurfszyklen für "Val" zu tun. Wir haben den Dialog mit der Firma unglaublich vertieft, waren stärker im Thema als je zuvor. Zudem haben wir uns diesmal eine sehr konkrete Aufgabe gestellt und sie dann mit der Grammatik gelöst, die wir schon entwickelt hatten. Das hat großen Spaß gemacht und hat auch gleich noch weitere Produkte hervorgebracht. So hat man doch immer das Problem, dass man für den Handtuchhalter in die Wandfliese bohren muss, um ihn anzubringen. Warum nicht das Waschbecken, was ja schon in der Wand hängt, nutzen, um einen zur Bügel anzubringen, der zum Teil der Gesamtform wird. Da bin ich ganz Industriedesigner und eben kein Innenarchitekt.

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Bei Ihrer Installation auf der Orgatec 2018 ging es um Flexibilität, um die Selbstaneignung und Selbstausdeutung von Räumen. Ist so etwas auf den Badbereich übertragbar?

Konstantin Grcic: In bestimmten Situationen sicherlich. Beispielsweise trennen ja immer mehr Hotels den Badbereich nicht mit einer Wand vom Schlafzimmer ab. Zuhause besteht diese Möglichkeit natürlich auch. In vielen öffentlichen Bereichen – sei es in Büros oder in Restaurants – wird ja zumindest in der Zone, in der man sich die Hände wäscht, nicht mehr nach Geschlechtern getrennt. Daran hat man sich längst gewöhnt. Insgesamt schwinden also Tabus und Berührungsängste, die dem Sanitärbereich lange anhafteten – und das ermöglicht flexiblere Raumnutzungen. 

Allerorten wird über "Micro Living" diskutiert. Nach wie vor steht ja die Frage relativ unbeantwortet im Raum, ob durch die Urbanisierung die Wohnflächen dauerhaft kleiner werden – und wenn das so sein sollte, wie wir damit umgehen.

Konstantin Grcic: Ich glaube schon, dass es diese Entwicklung geben wird und sogar schon gibt. Die Frage dabei ist: Wo setzt man die Prioritäten? Wenn ich in die Entscheidung darüber, wie meine kleine Wohnung gestaltet ist, einbezogen bin, dann kann ich entscheiden, ob das Bad ist für mich so wichtig ist, dass es einen entsprechend großen Teil dieser kleinen Wohnung einnimmt. Aber ich kann auch entscheiden, dass mir das Kleinstmögliche gut genug ist. Ich glaube, dass kleine Wohnräume insbesondere dadurch möglich werden, dass sich die öffentlichen Bereiche parallel weiterentwickeln. Die Küche ist dafür ein Beispiel. In Großstädten macht es oft gar keinen Sinn mehr, eine große Küche zu haben, weil ich sowieso nie zu Hause bin, um zu kochen. Unten auf der Straße gibt es ein riesiges Angebot von Restaurants oder Cafés, wo mir die Funktionen "Kochen und Essen" auf eine andere Art und Weise zur Verfügung gestellt werden. Man darf nicht die Verkleinerung des Badezimmers einzeln betrachten, sondern muss sie in Verbindung sehen – etwa mit einem Spa oder Fitnessclub, den es in meinem Haus gibt. Man koppelt Dinge aus – vom Privaten ins Öffentliche oder andersherum.

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