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Adresse:

Zaha Hadid

Zaha Hadid Architects

10 Bowling Green Lane
EC1R OBQ London
Vereinigtes Königreich

T: + 44 (0)20 7253 5147
F: + 44 (0)20 7251 8322

www.zaha-hadid.com
mail@zaha-hadid.com

Produkte von Zaha Hadid
Biographie

Zaha Hadid ist eine Meisterin der zeitgenössischen Formkunst. Als erste Frau erhielt sie 2004 den renommierten Pritzker Preis – den Nobel-Preis der Architekturwelt. Ihre spektakulären Bauten schrauben sich in Singapur, Dubai und den USA in den Himmel, überspannen Flüsse in Spanien und Abu Dhabi, Straßen und Plätze in Wolfsburg und schmiegen sich an den Rand russischer Bergplateaus. Scheinbar schwerelos stapeln ihre Betonkonstruktionen vor- und zurückspringende Etagen von Wohnbauten und Universitäten, vernetzen reibungslos Fließbandproduktion und Kopfarbeit im Leipziger BMW-Werk und machen Ski-Schanzen und Ausstellungshallen zu Studien über die Dynamik.

Dennoch ist die gebürtige Irakerin keine „klassische“ Architektin – eher eine Künstlerin im klassischen Sinne, ein unruhiger schöpferischer Geist in der Tradition der Renaissance, der sich nicht auf eine Disziplin beschränken mag, sondern seine Ideen in möglichst vielen Bereichen umgesetzt sehen will. Sie baut Fabrikgebäude, stattet Clubs aus und baut Bühnenbilder, gestaltet Ausstellungen und Museumsbauten, gestaltet unkonventionelle Handtaschen und skulpturale Lampen, raumgreifende Möbel und futuristische Küchen sowie komplette Interior Designs von Hotels und Wohngebäuden. Ihre Arbeiten und ihre von großem Schaffensdrang geprägte Persönlichkeit haben etwas Maßloses. Stets weitet sie die Räume ihrer Architekturen in Dimension und Ausdruck ins bisher Unbekannte aus, ihre Tea and Coffee Towers für Alessi erinnern eher an schräg in den Himmel emporschießende Hochhäuser denn an bauchige Gefäße für gemütliche Kaffeekränzchen, und eines ihrer bekanntesten Gebäude, das 2005 eröffnete Phaeno Science Center in Wolfsburg, wurde bereits mit einem Ufo aus Beton verglichen. Tatsächlich glaubt der Besucher in dem unendlich wirkenden Inneren dieses in der Autostadt auf Stelzen errichteten Wissensmuseums seinen Sinn für das Altbekannte zu verlieren, um sich statt dessen neuen Erfahrungen öffnen zu können. Die Formen der Hadid’schen Bauten und Produkte scheinen das Material bis an seine Grenzen zu dehnen; Glas und Metall, Kunststoffe und Beton werden virtuos gestreckt und gewölbt und entgegen jeder konventionellen Symmetrie miteinander verbunden.

Die 1950 in Bagdad geborene britische Staatsbürgerin ist ein Allroundtalent. Man kann sich kaum vorstellen, dass ihre Bauten am Reißbrett entstehen. Tatsächlich werden ihre Formen im Computer entwickelt. Doch ihren Ursprung haben sie wohl eher im Kopf der Künstlerin Hadid. Der Idee folgt zunächst die Zeichnung, die künstlerische Interpretation. Am eindrucksvollsten lassen sich Ihre Kreativität und ihre stilistische Entwicklung daher an ihren Entwürfen ablesen. Die wiederum sind eine Kunstgattung für sich – nicht Bauplan, nicht Skizze, sondern durchkomponierte, von Schwarz-Weiß-Kontrasten dominierte Ölgemälde, vom russischen Konstruktivismus inspirierte Studien über die explosiven Kräfte, die in ihren Gebäuden gleichzeitig entfesselt und gebändigt erscheinen. Die übergroßen Leinwände zeigen vielfach geborstene und dynamische Baukörper in aberwitzigen Perspektiven. Selbst im Guggenheim Museum New York mit seiner eigenwilligen Architektur drohen diese Traumbilder stets, den Rahmen zu sprengen. Die umfangreiche Werkschau (2006) würdigte zum ersten Mal das künstlerische Gesamtwerk der Architektin, Malerin, Designerin und Innenarchitektin Zaha Hadid.

Jahrelang waren ihre Entwürfe fast das einzige Zeugnis ihrer Arbeit. Nach ihrem Studium an der Londoner Architectural Association (AA) trat sie dem Office of Metropolitan Architecture (OMA) bei und lehrt seitdem an den renommiertesten Institutionen in aller Welt. 1987 gründete sie ihr eigenes Studio in London. Obwohl ihre Publikationen und Ausstellungen massiven Einfluss auf die zeitgenössische Architektur hatten, galten ihre Visionen lange als phantastisch, aber unrealisierbar. Umso erstaunlicher erscheint im Rückblick ihr fester Wille, diese Visionen Realität werden zu lassen.

Den ersten Gegenbeweis für ihre Kritiker trat sie mit der vom Möbelhersteller Vitra in Auftrag gegebenen Feuerwehrstation (1991-1993) in Weil am Rhein an. Danach gab es kein Halten mehr. Als experimentierfreudige Vorreiterin ihrer Zunft, die jede Gelegenheit zu temporärer Architektur und Installationen auf Kunstausstellungen nutzt, um die praktische Umsetzbarkeit neuer Technologien und Materialien zu testen, geht sie virtuos mit den computergestützten Techniken für Entwurf und Modellbau um und setzt sie mittels Hightech-Beton-und-Stahl-Konstruktionen als Hafen- oder Bahnterminal, als Hochhaus oder flaches Ufo mitten hinein in die Stadtstrukturen von London, Basel, Barcelona, Marseille und Cincinnati.
Gerade mal sind die ersten ihrer Bauten vollendet, kann sie sich vor Aufträgen kaum retten. Daniel Libeskind, Rem Kolhaas und Frank O. Gehry haben die Wahrnehmung für Architektur nachhaltig verändert und die Öffentlichkeit aufgeschlossen für expressive Architekturprojekte gestimmt. Doch während ihre ersten Bauten noch ganz im dekonstruktivistischen Sinn das Zerbrechen der architektonischen Einheit von Raum, Ordnung und Funktion in auseinanderdriftende Formensplitter zelebrierten, hat Hadid sich stärker als etwa Libeskind wieder der harmonisierenden Kraft der Architektur zugewandt. So erinnern ihre jüngeren Projekte mehr an expressiv organische Räume, wie etwa den in den Fünfzigerjahren von Eero Saarinen entworfenen TWA Terminal in New York. Ihre Gebäude explodieren nicht mehr, sondern halten eine delikate Balance von nach außen drängenden Kräften und organischer (Ver-)Bindung. Daraus entstehen komplexe Raumstrukturen von großer Suggestivität, in denen die Dynamik des Kräfteflusses in Beton gegossen zu sein scheint. Ihre Architektur scheint weniger gebaut als gewachsen. Das zeigt sich nicht nur im Mikrokosmos des Gebäudes selbst, in seiner Binnenstruktur und Nutzung durch seine Bewohner, sondern auch in seiner Integration in die Umwelt, sei es ein städtebaulicher Zusammenhang oder eine Naturkulisse. Mikro- und Makrokosmos sind bei ihr stets eng verknüpft.

Während sie durch die Welt jettet, um ihre Projekte zu betreuen, Wettbewerbe zu bestreiten und Preise entgegenzunehmen, geht ihr der Ruf eines Superstars voraus. Ungleich den Renaissance-Figuren ist Zaha Hadid immer unterwegs, ganz Profi und Geschäftsfrau. Unruhe kennzeichnet nicht nur viele ihrer Bauten, sondern auch ihr Leben und ihren Charakter. Dabei interessiert sie nicht die Architektur als abstraktes Kunstwerk, sondern als Lebensraum, der neue Erfahrungen vermitteln kann und künftigen Bedürfnissen gerecht wird.

Einen greifbaren Eindruck von ihren Zukunftsvorstellungen über das menschliche Habitat erhält der Besucher des Designhotels Puerta America in Madrid (2005). In dem von Jean Nouvel kuratierten Projekt, in dem Designer und Architekten von Weltrang sich auf jeweils einer Ebene verwirklichen konnten, richtete sie die zweite Etage als fließende Höhlenkonstruktion in Weiß oder alternativ in Schwarz ein. Wände, Decken und Böden, Möbel und Bad-Interieur gehen sanft ineinander über, lassen Grenzen verschwimmen und die Konturen als vom Licht modellierte Linien erscheinen. Keine konventionelle Zimmerecke, keine Ansammlung von losen Möbeln und Gerätschaften unterbricht den optischen und haptischen Eindruck eines konsistenten, dynamisch geformten Raumes, der an eine Traumlandschaft erinnert. Hier kommen zwei für Hadids Arbeit typische Gestaltungsprinzipien zusammen: die nahtlose Gestaltung der Oberflächen und die Technik des Aushöhlens.

Die von ihr in den letzten Jahren realisierten Gebäude und Interiors lassen das ästhetische Ideal einer fluiden Umgebung deutlich erkennen. Das Motiv des Fließens ist dabei aber nicht nur eine formalästhetische Herausforderung, ein architektonisches Ideal. Wenn man ihre Gebäude betritt, ihre Lampen bewundert oder auf ihren Sofalandschaften Platz nimmt, wird schnell klar, dass es ihr letztlich nicht um eine primär ästhetische, sondern eine emotionale Dimension geht. Wohlgemerkt, nicht der Komfort, die bequeme Ergonomie sind das Ziel ihrer Architektur und ihres Designs, sondern die durch sie vermittelte sinnliche Erfahrung. Eine Erfahrung, die – je nach Bau- oder Gestaltungsaufgabe – ein neues Gefühl für Raum, für Stadtstrukturen, für Dynamik oder eben für das Zelebrieren von Esskultur durch ein außergewöhnliches Besteck erschließt. Ein Besteck von Zaha Hadid ist mehr als ein schlichtes Instrument. Seine delikate Form hinterfragt automatisch gewordene Bewegungsmuster, macht die Handhabung zur Kunst und die Berührung zu einem sinnlichen Ereignis.

Zaha Hadid rückt nicht nur Design und Kunstmarkt enger zusammen – etwa durch die Schlagzeilen machenden Sondereditionen und die auf Auktionen erzielten Rekordpreise für Unikate ihres Aqua Tables. Ihre Gestaltung ist organisch und nicht standardisierbar, sondern jeweils einem konkreten Ort und Zweck entsprechend. Ihre Designobjekte sind zwar nicht immer Einzelstücke, aber immer einzigartige Stücke. Damit macht sie die Dinge, die uns umgeben, tatsächlich zu einem Kunstwerk: zu Skulpturen der Alltagskultur, die unsere Sinne schärfen, unsere Augen verwirren und unseren Händen schmeicheln.