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Jorre van Ast

Es muss "klick" machen

Bei der holländischen Manufaktur Arco dreht sich fast alles um den Tisch. Was das neue Modell "Trestle" so besonders macht, erklärt Jorre van Ast, Designer und Chef des Familienbetriebs, Uta Abendroth im Interview.
11.04.2017

Jorre van Ast ist nicht nur Designer, sondern leitet auch ein Familienunternehmen. Arco wurde 1904 von Jorre van Asts Urgroßvater im holländischen Winterswijk gegründet und ist spezialisiert auf die Herstellung von Tischen, produziert allerdings auch Stühle, Bänke und Konsolen. Arcos Designhaltung: Reduziert, aber immer mit dem gewissen Extra; schlicht, aber ohne langweilig zu sein. Das trifft auch auf das jüngste Mitglied der Kollektion "Local Wood" zu: der höhenverstellbare Tisch "Trestle" vereint den Anspruch van Asts, natürliche Materialien zu verwenden und gleichzeitig einen neuen Tisch-Typus zu schaffen. Ein Möbel, das Grenzen wieder mal ein bisschen hinausschiebt. Uta Abendroth hat sich den Tisch genauer angeschaut und von Jorre van Ast erklären lassen, wieso er einen neuen Typus darstellt.

Jorre van Ast, warum dreht sich bei Arco alles um Tische?

Jorre van Ast: Tische sind zentral für uns Menschen, sie spielen, egal ob im häuslichen Umfeld oder bei der Arbeit, eine große Rolle. Daher haben wir beschlossen, uns auf den Tisch zu konzentrieren – und auf die Objekte, die drum herum passen.

Welches Konzept liegt dem Tisch "Trestle" zu Grunde?

Jorre van Ast: Wir haben oft Anfragen von Kunden, die sich den einen Tisch ein oder zwei Zentimeter niedriger wünschen oder den anderen einige Zentimeter höher. Immer wieder gibt es die Situation, dass man die Höhe der Tischplatte den Stühlen, die man schon zu Hause hat, anpassen möchte, aber nicht kann. Und dann sind Menschen ja auch unterschiedlich groß. Für alle die gleiche standardisierte Tischhöhe anzubieten, ist nicht ideal.

Massives Dreibein: "Trestle" ist in vier Längen zwischen 2,40 und 3,60 Meter erhältlich.

Und deshalb ist "Trestle" höhenverstellbar?

Jorre van Ast: Ja. Wir haben den Tisch so konzipiert, dass er sich in der Höhe um sieben Zentimeter manuell verstellen lässt, von 71 auf 78 Zentimeter. Das heißt nicht, dass er sich in einen Stehtisch verwandeln kann. Aber immerhin hat der Kunde so eine größere Flexibilität. Und der Mechanismus ist einfach. In den beiden dreibeinigen Tischböcken aus gegossenem Aluminium, die die Tischplatten tragen, sitzen Gewindestangen, die an jeweils drei Stellen in die Unterseite des Tisches greifen. Mit einem dünnen Stab kann man sie leicht drehen. Für die ganze Aktion muss man nicht mal die Tischplatte abnehmen.

Sie haben die Tischplatte zweiteilig gestaltet, warum?

Jorre van Ast: Das Holz ist sehr schwer, es ist immerhin 4,3 Zentimeter stark. Egal welche Variante man wählt – wir bieten vier Längen zwischen 2,40 und 3,60 Meter an –, da kommt einiges an Gewicht zusammen. Nicht nur für die Kunden ist es leichter, den derart konstruierten Tisch zu bewegen, auch für uns in der Firma ist es logistisch einfacher, wenn das Möbelstück beim Transport nicht so viel wiegt.

Wie sind die beiden Tischplatten verbunden?

Jorre van Ast: Zwischen den Planken befinden sich Metallstifte und in die jeweiligen Unterseiten sind längliche Kerben gefräst. Dorthinein kommen passgenaue Metallverbindungen, die die Platten zusammenhalten. Beide Arten der Koppelung halten einerseits die Planken zusammen und hindern das Holz andererseits daran, sich zu krümmen. Das sollte eh nicht passieren, da es über Jahre trocknet, bevor es verarbeitet wird, aber langfristig können Luftfeuchtigkeit und andere Einflüsse Holz "arbeiten" lassen.

"Trestle" lässt sich manuell in der Höhe um sieben Zentimeter verstellen. Die Tischplatte besteht aus zwei Teilen, was den Transport und die Ausrichtung im Raum erleichtert.

Woher stammt das Eichenholz und wie wird die Oberfläche bearbeitet?

Jorre van Ast: "Trestle" ist Teil unserer Kollektion "Local Wood", für die wir Holz aus der Umgebung von Winterswijk nehmen. Wir haben nicht so viele Wälder in Holland, so dass wir Holz importieren müssen. Das machen wir auch, überwiegend aus Deutschland und Frankreich. Aber natürlich fragen auch wir uns, warum man Holz immer von so weit entfernten Orten holt. Wir versuchen, so weit das möglich ist, nachhaltig zu agieren und Holz regional zu kaufen, es lokal in Sägewerken zuschneiden zu lassen und dann bei uns weiter zu verarbeiten. Das Holz für die Platten wird geölt, es gibt auch eine dunkle, geräucherte Version.

Haben Sie einen Favoriten?

Jorre van Ast: Ja, ich mag die geölten Platten am liebsten. Das Holz wird mit der Zeit immer schöner. Und wenn mal was passiert, lässt sich die Oberfläche leicht wieder auffrischen.

Wie passt das mit den eher technischen Tischböcken zusammen?

Jorre van Ast: Ich mag genau diesen Kontrast, diesen industriellen Look. Der Tisch sieht aus, als käme er direkt aus einer Werkstatt. Er ist ein bisschen technisch, zur gleichen Zeit sehr funktional und er kann einfach überall stehen. Ich wollte nicht einen weiteren runden, quadratischen oder ausziehbaren Tisch machen, sondern einen neuen Typus kreieren. Und schließlich die Grenzen in puncto Tisch-Design wieder ein Stückchen hinausschieben.

Haben Sie das schon mal gemacht?

Jorre van Ast: Ja, mit "Slim". Der Tisch hat eine Plattenstärke von nur 2,8 Zentimetern und das bei knapp drei Metern Länge. Das ist nur dank eines Metallkerns unter dem Holzfurnier möglich. Wir haben den Tisch von Bertjan Pot jetzt seit zehn Jahren in unserer Kollektion und er ist unser wichtigstes Produkt.

Der Messestand von Arco auf dem Salone del Mobile in Mailand.

Ihre Tische scheinen weltweit anzukommen, sie stehen sogar im Apple Headquarter …

Jorre van Ast: Das stimmt und das ist großartig für uns. Seit drei Jahren arbeiten wir an einem Projekt für Apple, wobei wir Produkte aus unserer Kollektion verwenden und andere speziell entwickeln. Am Ende des Tages kommt es immer darauf an, ob es „klick“ macht. Mit den Leuten von Apple arbeiten wir sehr gut zusammen, sie haben uns auf ihre Art und Weise gepusht. Wir machen jetzt Sachen in unserer Fabrik, von denen wir nicht mal wussten, dass wir sie können. Für uns ist das Projekt hervorragend, weil wir in vielerlei Hinsicht sehr viel lernen.

Wie sieht es denn bei Ihnen mit Outdoor-Möbeln aus? Der Markt explodiert ja gerade förmlich.

Jorre van Ast: Wir haben vor allem bei der Kollektion "Local Wood" schon viele Anfragen für Outdoor-Versionen bekommen. Vielleicht werden wir das irgendwann mal machen, aber bislang sind Indoor-Möbel unser Metier.

"Trestle" ist Teil der Kollektion "Local Wood", für die Holz aus der niederländischen Umgebung des Firmensitzes verwendet wird.
Die hochwertigen Tische des Familienunternehmens werden schon seit über 100 Jahren im holländischen Winterswijk produziert.

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