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SALONE DEL MOBILE 2017
Mailand Marginalien

Bobo der Bieber war da, Patricia geht picknicken, es gab kalorienfreie Petit Fours, rosa Flamingos und bunte Bären – und wer wollte, der konnte sogar übers Wasser gehen. Garantiert!
10.04.2017

Rund um den Salone begegnet man in Mailand so allerlei. Eventi, Eventi, wohin man kommt und worauf man schaut. Das Stylepark-Team war auch in diesem Jahr wieder mittendrin.



LANGE NASE

Seit ein immobiler Blondschopf den amerikanischen Präsidenten spielt, ist das Lügen offenbar staatstragend geworden. Da kommt es fast einem politischen Statement gleich, dass in der sehenswerten Ausstellung „Giro Giro Tondo – Design für Kinder“ in der Triennale neben allerlei Spielzeug auch eine große Sammlung von Pinocchios gezeigt wird. Hampelmänner gab es schließlich zu allen Zeiten. Allerdings bekommen nicht alle beim Lügen ein lange Nase. (tw)



PICKNICK MIT PATRICIA

Gandia Blasco, Emu, Gloster und andere Hersteller von Outdoor-Möbeln machen es vor: Gewohnt wird im Sommer draußen. Neidisch starren wir Nordländer auf betörend schöne Sonnenschirme, Daybeds, Poufs und Sesselchen und träumen uns in wärmere Gefilde. Das Thema „draußen essen“ und das auch noch „to go“, hat jetzt auch Patricia Urquiola für sich entdeckt. Sie hat, so scheint’s, für ihr stilvolles Picknick-Set „Benda“, das im Superstudio in der Zona Tortona zu sehen war, den Look von Hermès und Kartell fusioniert. Buon appetito! (ua)



TIERISCH SCHÖN

Nicht irgendwo, sondern im Kaufhaus kann man sich ganz wie Kaninchen mit Geschwistern oder wie ein Flamingo in einem Meer aus Flamingos fühlen. Falls man das kindliche Gefühl mag – es gibt auch Wildschweine, Frösche und Robben und einiges mehr –, findet man die entsprechenden Sessel in der AP-Collection der beiden Belgier Alexis Verstraeten und Pauline Montironi. (tw)



DER HAI GREIFT WIEDER AN

Je schräger, desto besser, so das Motto von Studio Job. Für Qeeboo haben die beiden Holländer diesen Behälter konzipiert. Für Fans des weißen Hais ein absolutes Muss, kann man dem Raubfisch doch immer mal wieder das Maul stopfen – mit Blumen, Regenschirmen oder eventuell dem Wischmob. (mm)

LIPPEN-LIFTING

Wer den perfekten roten Kussmund will, braucht Geduld und Fingerspitzengefühl. Das gilt auch für die plüschige Variante: Um den von Moschino mit einem Zipper ausgestatteten Klassiker „Bocca“ von Gufram per Gabelstapler in luftige Höhe zu befördern und dort zu fixieren, musste sich der gute Mann ganz schön ins Zeug legen. (am)



GENTLE MONSTER

Brillen sind längst keine Sehhilfe mehr, sondern ein modisches Accessoire, das nach Anlass und Outfit ausgewählt wird. Dass man das inzwischen überall verstanden hat, zeigt die Kollektion „Moooi x Gentle Monster“. (tw)

BÄRENPARADE

Das Kaufhaus „La Rinascente“ neben dem Mailänder Dom lässt sich zum Salone immer eine besondere Schaufenstergestaltung einfallen. In diesem Jahr hat die Aufgabe die italienische Künstlerin Paola Pivi übernommen und Eisbären in vielen Posen und Farben in die Fenster gezaubert. Mal paddelt einer durch die Luft, mal macht er es sich bequem, und mal wird er von lauter Müll bedrängt. Übrigens war es der Dichter Gabriele d’Annunzio, der den Geschäften 1917 ein neues Image zu verpasste und als neuen Firmennamen „La Rinascente“ (die wiedergeboren wird), vorschlug, worin am Ende des Krieges auch die Wiedergeburt einer italienischen Nation anklang. (tw)

STUMME DIENERINNEN

„Hände hoch!“ lautete die Devise am Stand von Qubus, wobei der tschechische Designer Jakub Berdych Karpelis die spätestens Ende der 1990er Jahre zu Recht eingemottete Schmuckhand nicht nur wieder auferstehen lässt, sondern ihr auch neue Aufgaben überträgt: Statt Ketten und Ringe darf das glänzend weiße Imitat wahlweise eine vergoldete Leuchte, einen Spiegel oder ein Tablett halten. In der Version als Kerzenhalter brennen alle Finger bis auf den Daumen langsam ab. Ein Trost bleibt: Solange die Hände aus Porzellan oben bleiben, wird es nicht zu einem Schusswechsel kommen. (am)



SCHNELLERES SITZEN

Bei Poltrona Frau, wo man seit jeher das Interieur der Autos von Ferrari ausstattet, verschmelzen nun Automobil-Know-how und Wohnkultur miteinander. Dabei herausgekommen ist kein Autositz und auch nicht einfach nur ein Möbelstück, es ist, wie es so schön heißt, „ein Bürostuhl, der den emotionalen Wert, das Gefühl von Geschwindigkeit und Dynamik, die Leidenschaft des Rennens vom Fahrersitz aufgreift“ und dem es gelingt, „das angenehme Gefühl dafür zu vermitteln, wie Bewegungen und Haltungen von Rückenlehne und Sitzfläche gestützt werden“. Um 70 Jahre Ferrari zu feiern, hätten wir lieber eine Runde im ausgestellten LaFerrari Aperta gedreht. (tw)


GARANTIERT KALORIENFREI

In diese Süßigkeiten sollte man nicht leichtfertig beißen: Zuckersüß anzuschauen, zeigt sich auf den zweiten Blick ihre wahre Konsistenz – und die ist weich und flauschig. Die dänische Design School Kolding hat in Ventura Lambrate den „Redo Super Supermarket“ eröffnet, für dessen Angebot aus fantasievollen Lebensmitteln die Studenten Materialreste von 14 Herstellern verarbeitet haben – unter anderem „Petit Fours“ aus Kvadrat-Stoffen. Zum Anbeißen! (am)


MASTERLY DUTCH

In Holland gibt es viele Meister, von denen einige in einer Produktschau im Palazzo Francesco Turati ausgebreitet wurden – samt Tulpen im Innenhof. Dieser „Salonpoef“ vereint angeblich die Eigenschaften eines Hockers mit denen eines Couchtischs. Da er – in unseren bilderseligen Zeiten unverzichtbar – obendrein ein „eye-catcher“ sein soll, wurde ihm als Motiv auch noch Jan Vermeers Gemälde „Dienstmagd mit Milchkrug“ aufgenötigt. Der allerdings war wirklich ein Meister seines Fachs. (tw)

NR. 5 LEUCHTET

Wer den Science-Fiction Film „Nummer 5 lebt“ gesehen hat, wird die Verzückung nachvollziehen können, die die Leuchten „Betoo“ und „Threeve“ von Richard Hutten für JCP ausgelöst haben. Im Gegensatz zu dem lebendig gewordenen Militärroboter Nr. 5 bleiben die beiden Metallleuchten aber brav auf ihren Plätzen und beschränken sich auf ihre Aufgabe, dem menschlichen Mitbewohner Licht zu schenken. Oder wie es der Künstler Alistair Gentry formuliert: „At the end of time / When humans live in darkness / Robots see for them”. (am)

FLIP-FLOPS, WOLLIG

Eine Hommage an das Lebensgefühl auf der berühmten Copacabana oder wahlweise am Lido von Venedig – wie könnte sie aussehen? David Elia hat sich für Nodus und einen Wollteppich entschieden: „Veneza Carioca“ greift das wellenförmige Muster aus Basalt und Kalkstein, das der Architekt Roberto Burle Marx für die Promenade in Rio entwarf und den wichtigsten Teil von Flip-Flops, eines am Strand weit verbreiteten Schuhwerks. Da kommt selbst auf Wolle Urlaubsfeeling auf. (am)



MIT PUNCH!

Sitzen sei das neue Rauchen und einfach out, kam bei einem abendlichen Gespräch zutage. Auch Möbelhersteller lassen sich aktuell ja so einiges einfallen, um die starre Sitzposition in eine aktive zu transformieren. Stichwort „Sport am Arbeitsplatz“. Wie genau dieses System funktionieren soll, bleibt uns ein Rätsel. (mm)



AB IN DIE WAND

In der Triennale gibt es eine vielfältige Ausstellung zu aktuellem Design aus Hong Kong. Hier zeigt der chinesische Architekt Gary Chang eine Wohnwand für das Leben auf kleinstem Raum: Strukturiert stapeln heißt seine Lösung, vom Arbeitsplatz über die Kochecke bis zur Stehleuchte passt alles in eine Wand. Angesichts dieses Lösungsansatzes für den Wohnraummangel kann einen ein schon mal ein beklemmendes Gefühl beschleichen. (am)

GUT ZU FUSS

Zum Salone braucht man bequeme Schuhe – die natürlich auch schick aussehen müssen. Wie gut, dass die Mode Frau dabei derzeit entgegenkommt. Denn die Skaterschuh-Varianten, die vom informierten weiblichen Design-Publikum in Mailand gerne mit Plateausohle und reichlich Details wie dicken Schleifen getragen wurden, sind nicht nur ultrakomfortabel, sie dürfen sogar zum langen Abendkleid getragen werden. Zur Freude aller Frauen, zum Leid (fast) aller Männer. (mm)



BOBO DER BIEBER

Wir haben ihn „Bobo den Bieber“ getauft. Denn als uns diese niedliche, rund 40 Zentimeter hohe Plastikfigur am Stand der Firma PlusT als Messe-Geschenk überreicht wurde, konnten wir einfach nicht widerstehen – und haben keine Mühen gescheut, ihn sicher nach Frankfurt zu transportieren. Das hat sich gelohnt: Die Kinder unseres Chefs lieben ihn! (mm)



ÜBERS WASSER GEHEN

Wie gut, dass es zeitbasierte Medien gibt. Da haben wir so lange geglaubt, es bedürfe besonderer Fähigkeiten, um übers Wasser gehen zu können, doch was mussten wir nun in der Triennale erleben: Die Werft Sanlorenzo weiß wie es geht, sogar ganz ohne Yacht! (tw)



EIN GOLDFISCH AN DER SEITE


Der Beistelltisch „Up in the air“ von Ramón Úbeda und Otto Canalda hat es in sich: Wer ihn in Augenschein nimmt, dem blickt ein kleiner Goldfisch entgegen, der aus den Untiefen des zylinderförmigen Tisches empor zu schwimmen scheint. Wer lieber gleich eine ganze Fischfamilie neben seinem Sofa unter Glas wohnen lassen möchte, für den gibt es bei Viccarbe auch eine auch mit mehr als einem handgefertigten Bewohner. (am)




AB IN DEN SARG

„Smart phones – dumb people“, lautet ein Spruch. Von Zeit zu Zeit sollte man sich also eine Auszeit von der digitalen Vernetzung genehmigen. Wer dies nicht nur mit der Ausschalttaste erreichen, sondern stilvoll zelebrieren möchte, dem sei dieser aus Beton geformte Handy-Sarg empfohlen, den Branch und Concreteworks im Rahmen der Handmade-Ausstellung von Wallpaper präsentiert haben. (mm)

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