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"Okome" von Nendo für Alias kann nach dem Baukastenprinzip flexibel kombiniert und erweitert werden.

Aufgepolstert: Tête-à-Tête auf Sessel oder Sofa

Samt, Fransen, Kissen und jede Menge Love-Seats: Mit den aktuellen Sofas und Sesseln steht der heimischen Lounge nichts mehr im Wege.
von Anna Moldenhauer | 13.04.2017

Aktuell weht ein mondäner, zuweilen auch etwas parfümierter Luftzug durch die Inneneinrichtungen. Einiges hatte sich zu Beginn des Jahres bereits angekündigt. Die Tendenz zum Samtbezug setzte sich erwartungsgemäß nun auch in Mailand munter fort: Viele Sessel und Sofas beim Salone del Mobile zogen wie magnetisch die Hände der Messebesucher an, die sie über die kuschelweichen Oberflächen der Polster gleiten lassen wollten. Zum gegenwärtigen mondänen Retro-Chic gesellt sich neuerdings ein weiterer Wiedergänger: Die Fransenborte umspielt vermehrt den unteren Rand von Sesseln und Poufs, zuweilen in der Wirkung noch gesteigert durch einen sanften, beim Frisör abgeschauten Ombre-Farbverlauf, beispielsweise beim Sofa "Amami" von Lorenza Bozzoli für Moooi.

Auch die Basis der Polstermöbel erfährt mehr Aufmerksamkeit: Filigrane, im Zickzack-Muster gesetzte Metallverstrebungen mit goldfarbener Veredelung bilden das Gestell des bordeaux-roten Sofas "Orus" von Paolo Castelli und die Sitzfläche des "Magnum"-Sessels von EstudiHac für Sancal ruht auf einem metallisch glänzenden Podest. Metall und Samt bleiben beim gepolsterten Interieur also Verbündete – den passenden Kontrast bietet kühles Leder, vorzugsweise in hellen Brauntönen wie bei "Tama Living" von Eoos für Walter Knoll, das den Sitzenden an Lounge-Möbel vergangener Tage denken lässt.

Ombre-Look: Das Sofa "Amami" von Lorenza Bozzoli für Moooi setzt auf Fransen.
Im Schwarznuss-Gestell: "Promenade" von Philippe Nigro für die Gebrüder Thonet Vienna.
Im Charme der "Belle Époque": Das Zweisitzersofa "Orus" von Paolo Castelli.
Bewegliche Ablage inklusive: "Tama Living" von Eoos für Walter Knoll aus Massivholz und Sattelleder bietet vielfältige Kombinationsmöglichkeiten.

Nähe und Distanz

Neben dem Wort "Lounge" tauchte in Mailand die Bezeichnung "Love-Seat" geradezu inflationär auf: Breite Sessel mit abgerundeten Flächen, Rückenlehnen, die sich in sanftem Schwung zu Armlehnen formen, sowie verspielte Zweisitzer wollen einen glauben lassen, die Romantik sei zurück und man könne sich mit dem passenden Mobiliar nun noch harmonischer an seinen Sitznachbarn schmiegen. Wem das widerstrebt und wer lieber die förmliche Distanz zum Gesprächspartner wahren möchte, der muss trotzdem nicht im Stehen verharren: Sitzinseln, S-förmige Vis-a-Vis-Zweisitzer mit gegenüberliegenden Plätzen und kompakte Sessel wie aus einem Guss gewährleisten eine Unterhaltung ohne allzu große Nähe. Zu finden ist das bei der Outdoor-Sesselkombination "Vis a Vis" von Sebastian Herkner für Ames, der kurvenreichen "La Isla" von Note für Sancal, dem eleganten Sofa "Josephine" von Gordon Guillaumier für Moroso oder beim neu aufgelegten "932 Mb1 Quartet" von Mario Bellini für Cassina.

Die aktuellen Versionen modularer Sitzlandschaftssysteme lassen sodann alle Sitzmöglichkeiten offen: "Bob" von Thomas Bernstrand und Stefan Borselius für Blå Station, "503 Soft Probs" von Konstantin Grcic für Cassina oder "Okome" von Nendo für Alias kann man im Sinne des Baukastenprinzips individuell aufteilen und ohne große Mühe mit dem bestehenden kombinieren. Zu vorsichtiger Zurückhaltung in der Farbgebung ist man indes weder bei den modularen, noch bei den kompakten Modellen aufgerufen: Die Farbscala reicht von Puderrosa bis Knallgrün wie bei "Promenade" von Philippe Nigro für Gebrüder Thonet Vienna und darf je nach Geschmack in allen erdenklichen Nuancen ausgekostet werden.

Denken Sie an ein Cognac-Glas: Der Sessel "Magnum" von EstudiHac für Sancal.
Jedem sein Abteil: "La Isla" von Note für Sancal lässt dem Sitzenden genügend Freiraum.
Nicht nur für Alison: "932 Mb1 Quartet" von Cassina ist die Neuauflage von Mario Bellinis Modell aus den 1960er Jahren.
Willkommen auf der Wohnschlange: "Bob", gestaltet von Thomas Bernstrand und Stefan Borselius für Blå Station, setzt der Länge des Sofas keine Grenzen.
Aufgefrischt: Den Armlehmstuhl "D.153.1" entwarf Gio Ponti urprünglich in den 50igern, jetzt hat ihn Molteni&C wieder im Programm.
Nun hat Konstantin Grcic auch das große Kissen für sich entdeckt: Seine "Soft Props" für Cassina lassen im Leseraum der Fondazione Giangiacomo Feltrinelli in Mailand vielfältige Konfigurationen zu.
Das Grand Sofà von Antonio Citterios für Vitra eröffnet eine Vielzahl individueller Sitzlandschaften.
Schwere Qualität: Konstantin Grcic's Sofa aus der "Brut"-Kollektion erdet ein Gestell aus Gusseisen.
Ronan Bouroullec erweitert die "Officina"-Kollektion für Magis um ein Sofa.

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