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Import – Export
Von Franziska Eidner | 18. Juni 2014
Das „Kenyatta International Conference Centre“ (1966-73) von dem Architekten Karl Henrik Nøstvik wird als kenianische „Ikone der Unabhängigkeit“, als gebaute Landmarke gefeiert.
Foto © David Keith Jones, mit freundlicher Genehmigung der Karl Henrik Nøstvik Familie
So viel Geschichte, Retrospektive und kritische Bestandsaufnahme wie auf dieser Biennale gab es noch nie zu sehen. Und weil es um nichts Geringeres als um internationale Perspektiven auf die Moderne und den damit verbundenen Ambivalenzen geht, kommt man auch um die Frage von Selbst- und Fremdbestimmung nicht herum. Die Moderne als Katalysator und/oder Unterdrücker kultureller Identität? In den Giardini und im Arsenale findet man hierzu unterschiedliche Antworten.

In Afrika entstanden die ersten baulichen Manifestationen der Moderne durch den Kolonialismus und dessen Spätfolgen. Noch heute bestimmt die Auseinandersetzung mit der „Moderne der Anderen“ – der Besatzer und der Missionare, der Unterdrücker und der Gutmenschen – und die Frage nach einem „eigenen“, modernen architektonischen wie kulturellen Selbstverständnis die aktuelle Architekturpraxis in Afrika. Das verdeutlicht beispielsweise der Länderbeitrag Mosambiks. Das Land nimmt in diesem Jahr mit dem Beitrag „Architecture between Two Worlds“ zum ersten Mal an der Architekturbiennale von Venedig teil und zeigt in seiner Schau die europäischen Einflüsse auf einheimische Traditionen: Während man überall auf der Welt Häuser aus Beton baute, veränderten sich allein die traditionellen Wohnhütten dahingehend, das sie schlichter und eckiger wurden. Das zumindest vermittelt ein Zeitstrahl mit Bildern in der Mitte der Ausstellung. Auch Südafrika fokussiert in seiner Ausstellung im Arsenale auf die Wurzeln zeitgenössischen Architekturschaffens: Zwei sich gegenüberstehenden, modernistischen Bewegungen.
Länderbeitrag Mosambiks: Während man überall auf der Welt Häuser aus Beton baute, veränderten sich allein die traditionellen Wohnhütten dahingehend, das sie schlichter und eckiger wurden. Foto © Adeline Seidel, Stylepark
Südafrika: Doppelte Moderne

2014 feiert Südafrika zum zwanzigsten Mal das Ende der Apartheid. Und ein Großteil der Architektur wurde in den beiden vergangenen Dekaden gebaut. Projekte wie das neue Verfassungsgericht am „Constitution Hill“ in Johannesburg oder das Besucherzentrum Maropeng am Weltkulturerbe „Cradle of Humankind“ manifestieren das neue inklusive Selbstverständnis des südafrikanischen Staates. Design- und Baukultur gelten als treibende Kraft des sozialen Wandels – mit dem Slogan „Live Design. Transform Life“ wirbt Kapstadt etwa derzeit als Welthauptstadt des Designs 2014.

Interessant ist dieser Beitrag vor allem deshalb, weil er mit seiner Lesart der südafrikanischen Geschichte auf die Janusköpfigkeit und die Komplexität der Moderne verweist. „Modernity and its Doubles“ – der Titel des Beitrags – bezieht sich auf die Formation zweier großer, nationalistisch motivierter Gründungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die britische Besatzung reagieren: die Buren-Republiken und der Afrikanische Nationalkongress (ANC). Auch das Südafrika der Apartheid, der Vorherrschaft der Weißen Rasse, wird so im Beitrag als ein Projekt der Moderne identifiziert, die sich in baulichen Zeugnissen wie den Union Buildings von Herbert Baker (1913), dem Voortrekkerdenkmal (1949) oder den Bauten des wirtschaftlichen Aufstiegs in den 1960er Jahren widerspiegelt. Die südafrikanische Ausstellung im Arsenale zeigt die Entwicklungen vor und nach 1994 auf und fragt nach den Fundamenten einer eigenständigen, neuen „wirklich afrikanischen“ Architektur in Südafrika, die nur in Kenntnis dieses ambivalenten Erbes der Moderne entstehen kann.
Auch das Südafrika der Apartheid, der Vorherrschaft der Weißen Rasse, wird in der Ausstellung als ein Projekt der Moderne identifiziert. Dabei wird nicht nur die Architektur dieser Zeit gezeigt, sondern auch die Parallelgesellschaften des Staates. Fotos © Adeline Seidel, Stylepark
Nordischer Pavillon: Wüstenfischerei

Ambivalenzen sind im Beitrag der Nordischen Länder hingegen auf den ersten Blick nicht spürbar. „Forms of Freedom“ haben die Kuratoren des diesjährigen Biennale-Beitrages ihre Ausstellung genannt. Ohne Fragezeichen und in kapitalen Lettern. „Forms of Freedom“ widmet sich dem Zusammenspiel von norwegischer Entwicklungshilfe und dem Exportprodukt Architektur aus den 1960er und 1970er Jahren. Am Eingang zum Pavillon werden in diesem Jahr daher neben Norwegen, Dänemark und Schweden, die den Ausstellungsraum in wechselndem Turnus nutzen, auch Kenia, Sambia und Tansania in goldenen Lettern gelistet.

Aber kann norwegische Architektur tatsächlich ostafrikanische Unabhängigkeit baulich fundamentieren? Der Beitrag, der vom Norwegischen Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design präsentiert wird, zeichnet ein überwiegend positives Bild. Man scheint sich hier vor allem auf die Schulter klopfen zu wollen: Zum einen, weil ein bislang kaum erforschtes Kapitel skandinavischer Architekturgeschichte nun erstmals aufgearbeitet wird. Zum anderen aber, weil man der nordischen Architekturmoderne wohl tatsächlich eine Schlüsselfunktion in der Verkörperung einer neuen, demokratischen Identität der jungen ostafrikanischen Staaten zuschreibt.
Konferenzsaal des „Kenyatta International Conference Centre” in Nairobi heute (links) und das Zentrum nach der Eröffnung.
Foto (links) © Iwan Baan (2014) | Foto (rechts) © David Keith Jones
Und deswegen stehen vor allem Erfolgsgeschichten im Vordergrund: Das „Kenyatta International Conference Centre“ (1966-73) von dem Architekten Karl Henrik Nøstvik wird als kenianische „Ikone der Unabhängigkeit“, als gebaute Landmarke gefeiert. Das „Nordic Tanganyika Centre“ in Tansania (1963-1968) – heute „Kibaha Education Center“ – von den Architekten Christoffersen und Hvalbye wird beispielsweise als bejubeltes Pilotprojekt vorgestellt, das Präsident Julius Nyere im ganzen Land replizieren wollte. Der positive Effekt auf die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung der Region ist unbestritten – und wie die Architektur tatsächlich rezipiert wurde, bleibt in der Ausstellung offen. Und nur in einem Nebensatz wird angedeutet, dass die Schulbau-Offensive in Sambia, bei der in den 1970er Jahren das norwegische Unternehmen Norconsult – noch heute das größte Ingenieurbüro des Landes – mit der Errichtung von 65 Schulen in Fertigbauweise beauftragt wurde, nicht ausschließlich erfolgreich verlief.
Präsident Jomo Kenyatta und Architekt Karl Henrik Nøstvik bei der Eröffnung des Kenyatta International Conference Center, Nairobi, Kenia.
Foto © mit freundlicher Genehmigung der Familie Karl Henrik Nøstvik
Aufklärung findet – im wahrsten Sinne des Wortes – in der Ausstellung nur am Rande statt. Was auf den Tafeln in der Mitte der Ausstellung als „Wüstenindustralisierung“ in Kenia präsentiert wird, entpuppt sich als einer der größten Entwicklungshilfe-Skandale der 1970er Jahre. Eine der modernsten Fischfabriken der Welt hatte die „Nordic Aid“, das skandinavische Pendant zum GIZ, für die Nomaden errichtet – die Ziegenhirten wurden dafür eigens an den Turkana-See umgesiedelt. Nur hatte vorab niemand die Kosten für den Betrieb des Gebäudes – vor allem den Energiebedarf der Fischkühlung –berechnet. Die Fabrik war unrentabel und wurde nach nur sechs Wochen geschlossen. Das Projekt hat maßgeblich zum Rückzug und der Neuausrichtung der „Nordic Aid“ geführt. Hier wurde moderne Architektur zum Symbol für das Scheitern nordischer Entwicklungshilfe, für das Schaffen neuer Abhängigkeiten und stellt wohl definitiv keine „Form der Freiheit“ dar. Wer die Videodokumentation „Good Intentions“ am Rande der Ausstellung übersieht und sich auf den zentralen Ausstellungsteil in der Mitte konzentriert, erfährt von diesen Hintergründen nichts. Warum sich die Kuratoren für eine getrennte Präsentation von Architektur und Kontext entschieden haben, bleibt unverständlich.
"Sambia Weltbank Education Project", Architekt: Gunnar Hyll. Schulen in ganz Sambia 1971-1978. Foto © Mette Tronvoll (2014)
Gerne hätte man in der Ausstellung noch mehr über die aktuelle Rezeption der Bauten in den ostafrikanischen Staaten erfahren. Zu lesen ist lediglich, dass die Gebäude noch benutzt werden – Fotos von Iwan Baan an den Seiten des Pavillons scheinen das für einige Projekte zumindest zu belegen. Aber werden sie tatsächlich als Repräsentationsbauten des neuen staatlichen Selbstverständnisses interpretiert oder doch nur als zwar willkommene, weil finanzierte, aber doch seltsam fremdartige Auswüchse einer Idee der nördlichen Hemisphäre wahrgenommen, die wenig mit den Realitäten vor Ort zu tun hat? Beim Verlassen des skandinavischen Wohlfühl-Ausstellungsdesigns bleibt jedenfalls ein befremdlicher Eindruck zurück.


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"Formen der Freiheit" ist der Name, den die Kuratoren für den diesjährigen Beitrag der Nordischen Länder gewählt haben.
Foto © Andrea Avezzu, mit freundlicher Genehmigung la Biennale di Venezia
Wer die Videodokumentation „Good Intentions“ am Rande der Ausstellung übersieht und sich auf den zentralen Ausstellungsteil in der Mitte konzentriert, erfährt keinerlei Hintergründe. Foto © Andrea Avezzù, mit freundlicher Genehmigung la Biennale di Venezia
Eine Trinkwasserbrunnen aus Afrika steht vor dem Pavillon. Foto © Andrea Avezzu, mit freundlicher Genehmigung la Biennale di Venezia
News & Stories › 2014 › Juni
Import – Export
von Franziska Eidner | 18. Juni 2014
Die Architektur der Moderne als Symbol der Emanzipation oder der Okkupation? Freiheit oder Entmündigung? Denkanstöße liefern Länderbeiträge aus und über den afrikanischen Kontinent.
So viel Geschichte, Retrospektive und kritische Bestandsaufnahme wie auf dieser Biennale gab es noch nie zu sehen. Und weil es um nichts Geringeres als um internationale Perspektiven auf die Moderne und den damit verbundenen Ambivalenzen geht, kommt man auch um die Frage von Selbst- und Fremdbestimmung nicht herum. Die Moderne als Katalysator und/oder Unterdrücker kultureller Identität? In den Giardini und im Arsenale findet man hierzu unterschiedliche Antworten.

In Afrika entstanden die ersten baulichen Manifestationen der Moderne durch den Kolonialismus und dessen Spätfolgen. Noch heute bestimmt die Auseinandersetzung mit der „Moderne der Anderen“ – der Besatzer und der Missionare, der Unterdrücker und der Gutmenschen – und die Frage nach einem „eigenen“, modernen architektonischen wie kulturellen Selbstverständnis die aktuelle Architekturpraxis in Afrika. Das verdeutlicht beispielsweise der Länderbeitrag Mosambiks. Das Land nimmt in diesem Jahr mit dem Beitrag „Architecture between Two Worlds“ zum ersten Mal an der Architekturbiennale von Venedig teil und zeigt in seiner Schau die europäischen Einflüsse auf einheimische Traditionen: Während man überall auf der Welt Häuser aus Beton baute, veränderten sich allein die traditionellen Wohnhütten dahingehend, das sie schlichter und eckiger wurden. Das zumindest vermittelt ein Zeitstrahl mit Bildern in der Mitte der Ausstellung. Auch Südafrika fokussiert in seiner Ausstellung im Arsenale auf die Wurzeln zeitgenössischen Architekturschaffens: Zwei sich gegenüberstehenden, modernistischen Bewegungen.
Südafrika: Doppelte Moderne

2014 feiert Südafrika zum zwanzigsten Mal das Ende der Apartheid. Und ein Großteil der Architektur wurde in den beiden vergangenen Dekaden gebaut. Projekte wie das neue Verfassungsgericht am „Constitution Hill“ in Johannesburg oder das Besucherzentrum Maropeng am Weltkulturerbe „Cradle of Humankind“ manifestieren das neue inklusive Selbstverständnis des südafrikanischen Staates. Design- und Baukultur gelten als treibende Kraft des sozialen Wandels – mit dem Slogan „Live Design. Transform Life“ wirbt Kapstadt etwa derzeit als Welthauptstadt des Designs 2014.

Interessant ist dieser Beitrag vor allem deshalb, weil er mit seiner Lesart der südafrikanischen Geschichte auf die Janusköpfigkeit und die Komplexität der Moderne verweist. „Modernity and its Doubles“ – der Titel des Beitrags – bezieht sich auf die Formation zweier großer, nationalistisch motivierter Gründungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die britische Besatzung reagieren: die Buren-Republiken und der Afrikanische Nationalkongress (ANC). Auch das Südafrika der Apartheid, der Vorherrschaft der Weißen Rasse, wird so im Beitrag als ein Projekt der Moderne identifiziert, die sich in baulichen Zeugnissen wie den Union Buildings von Herbert Baker (1913), dem Voortrekkerdenkmal (1949) oder den Bauten des wirtschaftlichen Aufstiegs in den 1960er Jahren widerspiegelt. Die südafrikanische Ausstellung im Arsenale zeigt die Entwicklungen vor und nach 1994 auf und fragt nach den Fundamenten einer eigenständigen, neuen „wirklich afrikanischen“ Architektur in Südafrika, die nur in Kenntnis dieses ambivalenten Erbes der Moderne entstehen kann.
Nordischer Pavillon: Wüstenfischerei

Ambivalenzen sind im Beitrag der Nordischen Länder hingegen auf den ersten Blick nicht spürbar. „Forms of Freedom“ haben die Kuratoren des diesjährigen Biennale-Beitrages ihre Ausstellung genannt. Ohne Fragezeichen und in kapitalen Lettern. „Forms of Freedom“ widmet sich dem Zusammenspiel von norwegischer Entwicklungshilfe und dem Exportprodukt Architektur aus den 1960er und 1970er Jahren. Am Eingang zum Pavillon werden in diesem Jahr daher neben Norwegen, Dänemark und Schweden, die den Ausstellungsraum in wechselndem Turnus nutzen, auch Kenia, Sambia und Tansania in goldenen Lettern gelistet.

Aber kann norwegische Architektur tatsächlich ostafrikanische Unabhängigkeit baulich fundamentieren? Der Beitrag, der vom Norwegischen Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design präsentiert wird, zeichnet ein überwiegend positives Bild. Man scheint sich hier vor allem auf die Schulter klopfen zu wollen: Zum einen, weil ein bislang kaum erforschtes Kapitel skandinavischer Architekturgeschichte nun erstmals aufgearbeitet wird. Zum anderen aber, weil man der nordischen Architekturmoderne wohl tatsächlich eine Schlüsselfunktion in der Verkörperung einer neuen, demokratischen Identität der jungen ostafrikanischen Staaten zuschreibt.
Und deswegen stehen vor allem Erfolgsgeschichten im Vordergrund: Das „Kenyatta International Conference Centre“ (1966-73) von dem Architekten Karl Henrik Nøstvik wird als kenianische „Ikone der Unabhängigkeit“, als gebaute Landmarke gefeiert. Das „Nordic Tanganyika Centre“ in Tansania (1963-1968) – heute „Kibaha Education Center“ – von den Architekten Christoffersen und Hvalbye wird beispielsweise als bejubeltes Pilotprojekt vorgestellt, das Präsident Julius Nyere im ganzen Land replizieren wollte. Der positive Effekt auf die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung der Region ist unbestritten – und wie die Architektur tatsächlich rezipiert wurde, bleibt in der Ausstellung offen. Und nur in einem Nebensatz wird angedeutet, dass die Schulbau-Offensive in Sambia, bei der in den 1970er Jahren das norwegische Unternehmen Norconsult – noch heute das größte Ingenieurbüro des Landes – mit der Errichtung von 65 Schulen in Fertigbauweise beauftragt wurde, nicht ausschließlich erfolgreich verlief.Aufklärung findet – im wahrsten Sinne des Wortes – in der Ausstellung nur am Rande statt. Was auf den Tafeln in der Mitte der Ausstellung als „Wüstenindustralisierung“ in Kenia präsentiert wird, entpuppt sich als einer der größten Entwicklungshilfe-Skandale der 1970er Jahre. Eine der modernsten Fischfabriken der Welt hatte die „Nordic Aid“, das skandinavische Pendant zum GIZ, für die Nomaden errichtet – die Ziegenhirten wurden dafür eigens an den Turkana-See umgesiedelt. Nur hatte vorab niemand die Kosten für den Betrieb des Gebäudes – vor allem den Energiebedarf der Fischkühlung –berechnet. Die Fabrik war unrentabel und wurde nach nur sechs Wochen geschlossen. Das Projekt hat maßgeblich zum Rückzug und der Neuausrichtung der „Nordic Aid“ geführt. Hier wurde moderne Architektur zum Symbol für das Scheitern nordischer Entwicklungshilfe, für das Schaffen neuer Abhängigkeiten und stellt wohl definitiv keine „Form der Freiheit“ dar. Wer die Videodokumentation „Good Intentions“ am Rande der Ausstellung übersieht und sich auf den zentralen Ausstellungsteil in der Mitte konzentriert, erfährt von diesen Hintergründen nichts. Warum sich die Kuratoren für eine getrennte Präsentation von Architektur und Kontext entschieden haben, bleibt unverständlich.Gerne hätte man in der Ausstellung noch mehr über die aktuelle Rezeption der Bauten in den ostafrikanischen Staaten erfahren. Zu lesen ist lediglich, dass die Gebäude noch benutzt werden – Fotos von Iwan Baan an den Seiten des Pavillons scheinen das für einige Projekte zumindest zu belegen. Aber werden sie tatsächlich als Repräsentationsbauten des neuen staatlichen Selbstverständnisses interpretiert oder doch nur als zwar willkommene, weil finanzierte, aber doch seltsam fremdartige Auswüchse einer Idee der nördlichen Hemisphäre wahrgenommen, die wenig mit den Realitäten vor Ort zu tun hat? Beim Verlassen des skandinavischen Wohlfühl-Ausstellungsdesigns bleibt jedenfalls ein befremdlicher Eindruck zurück.


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