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© Andreu World

Salone del Mobile 2018
Ein Sofa als Passepartout

Alfredo Häberli hat für den spanischen Möbelhersteller Andreu World das modulare Sofasystem "Dado" entworfen, das auf dem Salone del Mobile 2018 vorgestellt wurde. Fabian Peters hat er mehr über das Produkt und den Entwicklungsprozess erzählt.
15.05.2018

Fabian Peters: Alfredo, mit "Dado" hast Du meines Erachtens ein erfreulich unmodernes Sofa entworfen. Endlich mal keine raumgreifenden Landschaften und riesigen Sitztiefen, wo man mit den Füßen in der Luft baumelt, wenn man sich anlehnt. 

Alfredo Häberli: Das ist ja eigentlich immer meine Haltung. Ich kann ja nicht extra deshalb lautes Design machen, damit die Wohnmagazine etwas zu schreiben haben. Ab und zu ist das ja mal okay, aber wohnen möchte ich so nicht. Im Übrigen gibt es zwei Sitztiefen: Neben der Version mit 60 Zentimeter auch eine mit 80 Zentimetern, die dann loungiger ist. Das Sofa soll eigentlich eine Art Passepartout sein, dass sowohl im privaten Bereich funktioniert, wie auch in Restaurants, Hotels und Lobbys. Insofern gibt es unterschiedliche Sitztiefen und Sitzpositionen. 

Welche Rolle hat das Innenleben des Sofas beim Entwurf gespielt?

Alfredo Häberli: Das ist einfach eine unsichtbare Qualität! Es gibt Firmen wie Cappellini, die machen das einfach ... und es gibt Firmen wie B&B oder Flexform, die verstehen etwas von Polstermöbeln. Andreu World hat sich in diesem Bereich inzwischen ein wirkliches Knowhow angeschafft. Und das ist auch wichtig. Denn so ein Sofa hat man ja ein paar Jahre. Das muss auch nach drei Jahren noch gut aussehen – auch, wenn es zum Beispiel in einem Hotel steht und jede Woche von Hunderten von Leuten benutzt wird.

Bestimmt die Fertigungstechnik das Design oder das Design die Technik?

Alfredo Häberli: Letztendlich hat es bei meiner Beauftragung natürlich eine Rolle gespielt, dass ich im Bereich Polstermöbel schon viel Erfahrung habe. Andererseits hat Andreu World selbst viel Knowhow. Es ist ja das Schöne an diesem Beruf, dass dann daraus oft so eine Art Pingpong wird, ein Geben und Nehmen.

© Andreu World

Gibt es gewisse technische Grundvoraussetzungen, die Du erwartest?

Alfredo Häberli: Zunächst: Kompromisse mache ich nicht. Wenn meine Vision nicht umsetzbar ist, muss ich den Entwurf eben ändern, so dass der Hersteller ihn umsetzen kann. Wenn sich aber herausstellt, dass meine Vorstellung von Qualität so wenig mit der des Auftraggebers matcht, dann stoppe ich das Projekt sofort. Das wäre ja, wie wenn Du ein Buch schreiben würdest und der Verleger sagt, ändere doch bitte alle Figuren. Dann würdest Du ja die Kontrolle über Dein Werk aus der Hand geben.

Wie sehr entwirft man ein Produkt wie dieses auf einen bestimmten Kostenrahmen hin?

Alfredo Häberli: Das kommt relativ schnell, heute auch schneller als vor zehn Jahren. Wenn ich also ein Detail wie die gespaltene Naht bei diesem Sofa mache, geht das in die Kosten – das rechnet sich eben, oder auch nicht. Umgekehrt kann ich als Designer ein Produkt nur im begrenzten Umfang auf einen bestimmten Preis hin entwerfen. Dazu kommt es schließlich zu sehr auf so Dinge wie die Bezugsmaterialien an, die diesen letztendlich bestimmen.

Wie war das bei diesem Sofa?

Alfredo Häberli: Ich glaube, wir haben hier ein Produkt entwickelt, das zu einem sehr guten Preis angeboten werden wird, das trotzdem ein interessantes Gestaltungsdetail besitzt und das zudem komplett in Spanien gefertigt wird.